Sponsoring über Picstars

Höhenflug mit Social Media

Seinen ersten Sponsor fand Joel Gisler auf der Piste. Heute aber führt für den Freeskier kein Weg an den sozialen Netzwerken vorbei. Dank einer neuen App kann er seine Sponsoren besser vermarkten – und mit seinen Posts auf Instagram und Facebook sogar Geld verdienen.

Christoph Widmer (Text), 21. März 2017

Er steht auf dem obersten Podestplatz. Der 23-jährige Toggenburger hat es wieder geschafft. Joel Gisler ist auch dieses Jahr Schweizer Freeski-Meister in der Halfpipe. In Laax konnte er sich gegen rund 40 Konkurrenten durchsetzen. Gisler steigt vom Siegertreppchen. Sofort zückt er sein Smartphone und postet die Erfolgsmeldung auf Instagram. Das hat nichts mit Eitelkeit zu tun. Sondern mit finanzieller Notwendigkeit.

 

 

Joel Gisler weiss, worauf es bei Social Media ankommt.  

 

 

Für Sportler sind Likes, Kommentare und Shares auf Social Media nicht nur schön, sondern auch nützlich für die Karriere: «Social Media ist fast das Wichtigste», sagt Gisler. «Du kannst noch so gut auf den Skiern sein – wenn du nichts auf sozialen Netzwerken machst, kannst Du dich selber nicht gut vermarkten.» Auch den Sponsoren dient das soziale Netzwerk der Sportler. «Wenn ich nicht auf Facebook und Instagram unterwegs wäre, hätte ich mit meinen Sponsoren wahrscheinlich nicht so gute Verträge», sagt Gisler. «Für die Sponsoren bedeutet Social Media brutal viel.»

 

 

Mit Likes, Comments und Shares Geld verdienen

 

Gisler kann mit seinen Social-Media-Beiträgen direkt Geld verdienen. Dazu nutzt er die App vom Zürcher Start-Up Picstars. Über die Anwendung können Markenbotschafter auf Facebook, Twitter und Instagram Fotos oder Videos veröffentlichen – und gezielt Marketing betreiben. Dazu bereiten sie mit der Picstars-App die Bildinhalte entsprechend auf: Sie wählen das Logo und – für den Text des Beitrags – die Hashtags ihres Sponsors.

 

 

Die Posts auf Facebook, Instagram und Co. bringen bares Geld.

 

 

Nachdem die Athleten den Beitrag veröffentlicht haben, können sie die Monetarisierung des Posts in Echtzeit mitverfolgen. Je mehr Interaktionen – Likes, Kommentare und Shares – ein Beitrag auslöst, desto mehr Geld erhält der Sportler von seinem Sponsor in der Regel.

«Picstars ist vor allem für Randsportarten geeignet. Jene, die nicht so oft im Fernsehen gezeigt werden und bei denen die Sportler nicht so viel verdienen.»

Joel Gisler, Schweizer Freeskier

Etwa dreimal im Monat veröffentlicht Gisler Beiträge über Picstars – vor allem auf Instagram: «Ich habe das Gefühl, dass Facebook immer mehr an Bedeutung verliert. Auch viele meiner Freunde haben nicht mehr so viele Likes und Followers auf Facebook, im Gegensatz zu Instagram.» Seit Gisler Picstars nutzt, schaut er auch genauer, ob sich etwas als Post eignet oder nicht. Sein Sport lässt vergleichsweise viel zu: «Wir Freeskier können zwischen Tricks wechseln oder uns an ganz neue Sprünge wagen. Bei Alpin-Fahrern sind es dagegen oft die gleichen Schwünge.»


Es sind aber nicht einfach Freestyle- und Extremsportler, die von Picstars profitieren. Sondern generell Athleten von Sportarten, die wenig Beachtung geniessen. Diese Meinung vertritt auch Gisler: «Picstars ist vor allem für Randsportarten geeignet. Jene, die nicht so oft im Fernsehen gezeigt werden und bei denen die Sportler nicht so viel verdienen», sagt er.

 

 

Seine ersten Sponsoren kamen auf der Piste auf Gisler zu, heute läuft mehr über Social Media.

 

 

Follower statt Platzierungen

 

Begonnen hat Gisler noch ganz traditionell; sein erster Sponsor wurde auf der Piste auf ihn aufmerksam: K2. «Ich fuhr damals immer in Wildhaus. Eines Tages nahmen mich etwas ältere K2-Fahrer mit, trainierten mich – und brachten mich beim Skihersteller unter.» Danach kamen die Skibrillen-Marke Smith, der Handschuh-Hersteller Level und andere Sponsoren hinzu.

«Das Erste, was die Sponsoren fragten, war, wie viele Follower ich auf Instagram und Facebook habe.»

Joel Gisler, Schweizer Freeskier

Die Sponsoren waren es auch, die ihn zu mehr Social-Media-Aktivität anspornten – manchmal sogar zu seinem Leidwesen: «Ich bin auch schon eine gute Saison gefahren und habe gehofft, dass mich meine damaligen Sponsoren auf meine Platzierungen ansprechen», erzählt Gisler. «Doch das Erste, was sie fragten, war, wie viele Follower ich denn nun auf Instagram und Facebook habe. Das war schon heftig.»

 

Manche Sportler achten seiner Meinung nach schon zu sehr auf die Anerkennung, die ihnen auf Facebook, Instagram und co. zukommt. Dann sei es der Erfolg auf den Kanälen, der zählt – und nicht mehr die sportliche Leistung. Gislers Ehrgeiz gilt nach wie vor dem Sport: «Mir ist es wichtiger, sportlich besser zu werden. Schliesslich kann ich so auch auf Social Media wachsen.»

 

 

Belinda Bencic bei Picstars

Lesen Sie in unserem KMU-Magazin, wie das Autohaus Autostern Zürichsee und Tennis-Profi Belinda Bencic per Picstars-App zusammenarbeiten.  

 

 

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