Kolumne

A wie An- und Abrede

Jeroen van Rooijen, 15. Dezember 2015

Werte Online-Gemeinde! Im vollen Bewusstsein darum, mich hier mit diesen Zeilen als altmodischen Outlaw zu outen, fordere ich von der Menschheit: Mehr Form beim digitalen Kommunizieren! Es kann doch nicht sein, dass sich unsere Vorväter noch umständlich gegenseitig die Ehre erbaten und der Hochachtung versicherten – und wir davon gar nichts mehr übrig haben? In nur 20 Jahren haben wir zwei Jahrtausende zivilisatorischen Aufbau obsolet gemacht.

 

Klar, zu Beginn ihrer Verbreitung durften SMS nur 140 Zeichen lang sein, da sonst eine Nachricht in Portionen zerlegt und mehrfach verrechnet wurde. Doch das ist lange her. Darum möchte ich um mehr Kreativität bei der An- und Abrede bitten. Es braucht kein formelles «Sehr geehrte/r» zu sein. Aber «Hallo», «Grüezi», «Bonjour» oder sogar «Saluti», verbunden mit dem Namen des Empfängers, öffnet die Tür für eine Nachricht so viel charmanter, als gleich grusslos loszuplappern.

 

Und mit Verlaub, dies gilt auch für die Abrede. «LG» ist keine ausreichende Grussformel. Klar, sie ist immer noch besser als ein E-Mail oder eine Textnachricht, die ohne Gruss und Absender endet. Aber so anstrengend wäre es ja nun wohl nicht, stattdessen «Lieber Gruss» zu schreiben? Mit herzlichen Grüssen, Ihr treu ergebener Stilonkel

 

 

 

Digitale Stilfragen

Jeroen van Rooijen ist Stil-Kolumnist und Buchautor («Die Stilregeln», «Hat das Stil?»), kleidet sich gerne gut, telefoniert nur widerwillig, macht gerne Selfies und arbeitet regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung».

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