Kolumne

D wie Digital Detox

Jeroen van Rooijen, 28. Dezember 2015

Ein neues Trendthema taucht am Horizont auf: digitales Entgiften. Unter dem Begriff werden Massnahmen zusammengefasst, die darauf abzielen, den durch den gesellschaftlichen Zwang zur permanenten Erreichbarkeit erzeugten Stress zu reduzieren, die online vertrödelte Lebenszeit einzugrenzen und sich analoge beziehungsweise bildschirmfreie Auszeiten zu gönnen.

 

«Detox» sagt es schon: Es geht um das Abstandnehmen von den toxischen Qualitäten der digitalen Drogen. Zu diesen gehören E-Mail, Chat-Apps, Social Media und ähnliches. Wir alle haben derzeit ein Suchtproblem. Doch es sind erst wenige – vorab gut informierte und gebildete –, die dies bewusst empfinden und dagegen vorgehen. Doch es ist, wie jeder Entzug, verdammt schwer. Man schwitzt und zittert vielleicht nicht, aber man wird nervös, weiss nichts mit sich anzufangen und erleidet Rückschläge. Das gehört dazu. Digital Detox ist ein Marathon, kein Kurzstreckenlauf. Die souveränste Art, es anzupacken, ist ein sich langsam steigerndes Training. Und dann gilt: darüber schweigen statt die neu gewonnene Energie gleich wieder euphorisch zu vertwittern.

 

 

 

Digitale Stilfragen

Jeroen van Rooijen ist Stil-Kolumnist und Buchautor («Die Stilregeln», «Hat das Stil?»), kleidet sich gerne gut, telefoniert nur widerwillig, macht gerne Selfies und arbeitet regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung».

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