Kolumne

F wie Frust ablassen

Jeroen van Rooijen, 30. März 2016

Das digitale Universum hat die mittelalterliche Bestrafungsform des Prangers oder des Schandpfahls wieder aufleben lassen. Per Kommentarfunktion kann heute jeder – anonym oder mit Klarnamen – eine Hetze gegen jemanden oder etwas lostreten.  

 

Meist wird dafür keiner belangt, weil sich sogleich Herden von Mittätern (sogenannte «Trollen») formieren. Die von solchen Gemeinschaften angefachten «Shitstorms» können Menschen oder Institutionen empfindlich treffen. Das ist gut, wo Unrecht aufgedeckt wird. Doch es ist destruktiv und stillos, wo es nur um individuellen Ärger und den Umstand geht, das man anderer Meinung ist.

Gerade auf Social Media gilt für mich: Was mich ärgert oder dumm dünkt, wird nicht an- oder abgeschossen, sondern einfach weggeklickt.

Ich habe mir deshalb angewöhnt, bei der geringsten Frust-Regung kräftig auf die Zähne zu beissen und die Hände von der Tastatur zu nehmen. Negatives gehört nicht in mein Netz. Gerade auf Social Media gilt für mich: Was mich ärgert oder dumm dünkt, wird nicht an- oder abgeschossen, sondern einfach weggeklickt. Wiederholungstäter werden ersatzlos aus der Freundesliste und aus der Timeline gekippt.

 

Dadurch ist meine digitale Umwelt schöner, inspirierender und lebenswerter geworden. Die reale Welt ist ja schon hart genug.

 

 

 

Digitale Stilfragen

Jeroen van Rooijen ist Stil-Kolumnist und Buchautor («Die Stilregeln», «Hat das Stil?»), kleidet sich gerne gut, telefoniert nur widerwillig, macht gerne Selfies und arbeitet regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung».

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