Kolumne

G wie Glasbruch

Jeroen van Rooijen, 25. Januar 2016

Man kennt das: Monatelang ist man mit dem zerbrochenen Screen des Smartphones zurechtgekommen und hat sich daran gewöhnt, dass man sich höchstens gelegentlich kleine Schnitte an den Fingerkuppen einfängt. Die meisten Funktionen und Apps sind davon ja nicht betroffen. Doch irgendwann zerbröselt das Gerät, es muss ein Neues her. Oder zumindest ein neues Glas. Und kaum hat man wieder den Durchblick, kracht das Ding wieder auf den Asphalt und zerbricht von neuem.

Handy reparieren? Das ist eine Frage der Lebenshaltung.

Grrr! Sein lassen? Wieder reparieren? – Das ist eine Frage der Lebenshaltung. Meine Erfahrung zeigt: Wer seine Schuhe putzt, gerne gebügelte Hemden statt nur im Tumbler getrocknete Shirts trägt und auch sonst ein bisschen auf Schliff bedacht ist, ersetzt das Gerät subito. Weil die kaputte Scheibe der Anfang von der Verschluderung sein könnte. Es sind jene Menschen, die immer sauber gemähte Rasenflächen haben. Am anderen Ende der Stilskala stehen die fauhlheitsbarttragenden Sneakermenschen mit Rucksack und Sweatshirt. Für sie, deren Lebensmotto sowieso «nichts ist perfekt» heisst, ist ein Riss im Glas noch lange kein Grund, zum Handydoktor zu rennen.

 

Richtig oder falsch ist keiner der zwei Lebensentwürfe. Entscheiden Sie einfach bewusst, zu welcher Gattung sie sich eher zählen würden.

 

 

 

Digitale Stilfragen

Jeroen van Rooijen ist Stil-Kolumnist und Buchautor («Die Stilregeln», «Hat das Stil?»), kleidet sich gerne gut, telefoniert nur widerwillig, macht gerne Selfies und arbeitet regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung».

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