Kolumne: Jeroen van Rooijen

H wie Holster

Jeroen van Rooijen, 15. Juni 2016

Der moderne Mensch hat – wie bereits in der Folge «Taschentrick» beschrieben – ein Transportproblem. Er weiss nicht so recht, wo man die neuerdings wieder grösser werdenden digitalen Begleiter hinstecken soll.

 

Das Problem wird von der Mode noch verschlimmert: Die knallengen Kleidungsnormen, die für Frauen und Männer gleichermassen gelten, legen alles in Form von unschönen Ausbeulungen offen. Ein Ausweg wäre der so genannte Holster: In diese Halterungen hängt man sein Smartphone stets griffbereit. Am verbreitetsten sind die Modelle, die man an den Gürtel hängt, es gibt aber auch solche, die man wie ein Geheimagent unter der Achsel auf den Rumpf schnallt.

Menschen mit solchen Accessoires sind in der Regel komplett Stil-unempfindsam.

Beide Accessoires sind extrem uncool. Der Holster am Gürtel hat etwas kleingewerblich-hausmeisteriges – Menschen mit solchen Accessoires sind in der Regel komplett Stil-unempfindsam. Das Gegenteil gilt für den Agentenholster unter der Schulter: Zeitgenossen mit diesem Schnickschnack sind in der Regel stilistisch übermotiviert und darum auch ein bisschen verdächtig.

 

Ausnahmen dürfen allerdings geltend gemacht werden: In Berufen, in denen das Handy stets griffbereit sein muss (nicht: sollte), also etwa in der Sanität oder bei der Feuerwehr, ist ein Holster durchaus eine Option.

 

Digitale Stilfragen

Jeroen van Rooijen ist Stil-Kolumnist und Buchautor («Die Stilregeln», «Hat das Stil?»), kleidet sich gerne gut, telefoniert nur widerwillig, macht gerne Selfies und arbeitet regelmässig für die «Neue Zürcher Zeitung».

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