Kolumne

«Einmal Smartphone, dazu Hamburger mit Pommes, bitte»

Kathrin Buholzer, 4. Januar 2016

Stellt euch vor, ihr würdet mit den Kindern ins Restaurant gehen und dann einfach einen schönen, relaxten Abend verbringen. Alle sitzen brav am Tisch, benehmen sich wie die Engel, reden nur, wenn sie gefragt werden, schmeissen nichts auf den Boden und sind die meiste Zeit ganz ruhig. Die Eltern trinken gemütlich ein Glas Wein und können ganz entspannt miteinander plaudern.

Smartphones und Tablets bereichern unseren Alltag. Aber: Die richtige Mischung macht’s – auch im Restaurant.

Klingt wie aus einem Science-Fiction-Film, oder? Denn so etwas passiert eigentlich so gut wie nie. Ausser vielleicht, wenn irgendeine unheimliche Macht den Kindern vorher etwas in den Eistee geschüttet hätte. Und weil das sehr unwahrscheinlich ist, haben Eltern irgendwann mal angefangen, ihren Kindern ein Smartphone oder ein Tablet in die Hände zu drücken – damit Ruhe herrscht. Und dort bleibt das Ding dann meistens, bis die Rechnung kommt.

Nur während des Essens wird kurz auf die Pausetaste gedrückt, danach geht’s sofort weiter mit Schlumpfbeeren sammeln, mit Schiessen, Drücken, Bauen, Malen oder Hüpfen. Die Kinder sind bis zum Dessert kaum ansprechbar. «Soll das jetzt schlecht sein? Wenn wir im Restaurant sind, wollen wir ja schliesslich auch einen Moment unsere Ruhe haben», werden einige von euch vielleicht denken. Ist die Autorin so eine «Tablet-Smartphone-Miesmacherin?» Eine, die das Gefühl hat, man müsse die Kinder davon fernhalten und ihnen von morgens bis abends nur Bücher erzählen und sie auf Bäume klettern lassen? Um Himmels Willen, nein!

 

 

Mit den richtigen Zutaten ins Restaurant

 

Wenn ihr meine Texte und Beiträge lest, dann wisst ihr, dass genau das Gegenteil der Fall ist. Ich bin der Meinung, dass Tablets, Smartphones und Apps unser Leben in vielerlei Hinsicht sehr vereinfachen. Sie bereichern unseren Alltag und auch den unserer Kinder. Aber: Die richtige Mischung macht’s – auch im Restaurant.

 

Deshalb ist Vorausplanen besonders wichtig. Wenn Kinder wissen, was von ihnen verlangt wird, wenn sie vorher gut auf die Situation vorbereitet werden, dann läuft auch ein Restaurantbesuch viel ruhiger und entspannter ab. Am besten schaut man zusammen schon zu Hause kurz die Speisekarte an, damit sie sich das Menü schon mal überlegen können.

Man kann auch ganz gut vorher zusammen besprechen, zu welchem Zeitpunkt und wie lange das Smartphone zum Einsatz kommt. Eine gute Vorbereitung bedeutet aber auch, dass wir uns ein paar interessante Beschäftigungen überlegen und einige Dinge wie Spielzeugautos, Spielfiguren, Stifte und Papier mitnehmen. Damit kann man die Zeit bis zum Essen nämlich prima überbrücken.

 

 

Zum Dessert gibt's das Handy

 

Schade, dass in vielen Restaurants kein Papier und keine Stifte mehr abgegeben werden. Früher war das Tradition, heute denkt sich wohl jeder: «Ach, die Kids wollen doch nicht mehr zeichnen, die spielen ja eh ständig auf dem Smartphone herum.» Vor einiger Zeit habe ich gemerkt, dass auch wir plötzlich irgendwie diesem «Ach-wie-praktisch-gib-dem-Kind-ein-Handy-und-du-hast-deine-Ruhe»-Wahn verfallen sind.

Jetzt, im Teeniealter, lassen sie das Ding von sich aus zu Hause oder in der Tasche.

Wir haben uns dann jeweils vor dem Betreten des Restaurants darauf geeinigt, dass wir das iPhone zwar mitnehmen, es aber mindestens bis zum Dessert in der Tasche lassen. Eine Abmachung, die übrigens auch für uns Eltern gilt!

 

Jetzt, im Teeniealter, lassen sie das Ding von sich aus zu Hause oder in der Tasche. Kartenspiele und Spielfiguren braucht es nicht mehr. Wir plaudern jetzt einfach miteinander. Wie man das während des Essens normalerweise halt so macht ...

 

 

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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Weitere Kolumnen von Kathrin Buholzer finden Sie in ihrer eigenen  Rubrik auf Storys.

 

 

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