Kolumne: Kathrin Buholzer

Hausaufgabenhilfe

Wie konnten die Eltern früher, als es noch kein Google gab, bloss den Kindern bei den Hausaufgaben helfen? Kolumnistin Kathrin Buholzer über die Nützlichkeit von Google.

Kathrin Buholzer (Text), Milan Hofstetter (Illustration), 26. September 2017

Wisst ihr noch, wie umständlich früher vieles war? Abmachen zum Beispiel? Da musste man sich tatsächlich überlegen, um welche Uhrzeit man jemanden treffen will, dann diese Person anrufen (manchmal sogar mehrmals), danach am Telefon mit ihr sprechen und mit ihr die genaue Uhr- und Ortszeit festlegen.

 

Anschliessend musste man pünktlich auf den Zug und dann um genau jene Uhrzeit an genau dieser Ecke warten. War jemand verspätet, dann gab’s nur eine Möglichkeit: Immer eine halbe Stunde später wieder am vereinbarten Treffpunkt zu erscheinen.

Das waren wirklich harte Zeiten, als wir uns noch nicht auf unser Smartphone, aufs Navi und alle hilfreichen Gerätschaften verlassen konnten!

Oder wisst ihr noch, wie wir früher Kleider bestellt haben? Mit diesem dicken Katalog auf dem Schoss? Stundenlang haben wir die Seiten durchgeblättert, immer wenn wir etwas Tolles gesehen haben, wurde ein «Eselsohr» in die Seite gemacht, und am Schluss musste man jede einzelne Artikelnummer auf die Postkarte schreiben, diese frankieren und erst noch zum Briefkasten gehen.

 

Oder wie wir in den Urlaub gefahren sind? Der arme Beifahrer mit der Strassenkarte in der Hand, die total gross und unförmig war? Und wie nach einem dreiviertelstündigen Umweg sich Fahrer und Beifahrer nur noch angeschwiegen haben?

 

Ja, das waren wirklich harte Zeiten, als wir uns noch nicht auf unser Smartphone, aufs Navi und alle hilfreichen Gerätschaften verlassen konnten!

Ich hab ich mich jeweils mit einer kleinen Ausrede ins Bad geschlichen und schnell Herrn Google gefragt. Die Antworten kamen danach fast alle sehr kompetent und schnell aus meinem Mund.

Deshalb ist mir vor kurzem folgende Frage durch den Kopf geschossen: Wie um Himmels Willen haben unsere Eltern das damals gemacht, als sie uns Kindern bei den Hausaufgaben helfen mussten? OHNE GOOGLE?

 

«Mama, was genau war die Französische Revolution?»

«Ich hab keinen Plan von Pythagoras, kannst du mir helfen?»

«Von wann bis wann war die Bronzezeit?»

«Wen oder was frass ein Mammut?»

«Wie geht der Subjonctif?»

 

Als unsere Kids das vor noch nicht allzu langer Zeit wissen wollten, hab ich mich jeweils kurz geräuspert, mich mit einer kleinen Ausrede ins Bad geschlichen und schnell Herrn Google gefragt. Die Antworten kamen danach fast alle sehr kompetent und schnell aus meinem Mund, gerade so, als hätte ich alles noch selber gewusst ...

 

Natürlich gab es auch ganz viele Dinge, die mir dann jeweils wieder selber eingefallen sind, schliesslich war ich ja auch 5 Jahre im Lehrerseminar. Aber ganz ehrlich: Ohne Google hätte ich wohl viele Hausaufgaben-Fragen nicht zufriedenstellend beantworten können – und hätte mich wohl manchmal auch ziemlich blamiert.

 

Wie haben das unsere Eltern gemacht? Als sie uns den Unterschied zwischen Ebbe und Flut, Majorz und Proporz, Nord- und Südpol erklären mussten? Wussten die aus ihrer eigenen Schulzeit einfach noch immer alles ganz genau?

 

Oder haben sie sich auch heimlich kurz verabschiedet und dann alle 35 Bände des Grossen-Brockhaus-Lexikons durchgeblättert, damit sie uns eine befriedigende Antwort geben konnten?

 

Ich hab keine Ahnung, ob die sich auch irgendwie durchgemogelt haben oder ob sie vielleicht einfach in der Schule etwas besser aufgepasst haben ...

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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