Kolumne

«Sorry, die wohnt hier leider nicht mehr ...»

Von: Kathrin Buholzer, 10. September 2015

 

 

Kennt ihr das? Diese total nervigen Umfragen- und Werbeanrufe? Die dann auch noch immer genau dann eintreffen, wenn es am ungünstigsten ist.

 

Um zwölf Uhr mittags zum Beispiel, wenn man mit hungrigen Kindern am Tisch sitzt. Oder um viertel vor sieben am Abend, wenn man ebenfalls mit hungrigen Kindern am Tisch sitzt. Oder um viertel vor neun. Wenn die Kids endlich schön ruhig in ihren Zimmern sind und man gerade seine Lieblingsserie gestartet hat.

 

Genau dann rufen sie jeweils an, diese nuschelnden, ungeduldigen, lauten, aggressiven Verkäuferinnen und Verkäufer. Die können, ohne einmal Atem zu holen, zwei Minuten ohne Pause einfach durchquatschen und wollen dir irgendeinen Schwachsinn andrehen oder eine neue Krankenkasse aufschwatzen.

 

Okay, meistens kann man sie ja ignorieren, indem man einfach auf das Display guckt, und wenn das Wort CALLCENTER aufleuchtet, lässt man den Hörer einfach schön brav liegen und denkt sich: «Nö, mein Lieber. Das wird nix mit uns. Ich bin nicht da. Vergiss es einfach.»

 

Wenn die Zeit reicht, kann man auch kurz die Nummer googeln, und wenn im Suchfeld «Nummer nicht gefunden» oder «Könnte sich um Telefonmarketing handeln» angezeigt wird, weiss man ebenfalls, dass man das Telefon beruhigt klingeln lassen kann.

 

Aber manchmal nimmt man den Hörer eben trotzdem ab. Wenn man denkt, dass es vielleicht die Agentur ist, auf deren Anruf man schon lange gewartet hat, oder wenn die Kinder schneller sind: «Mama, für dich. Ein Mann, ich hab den Namen nicht verstanden. Er will unbedingt mit dir sprechen.»

«Mami, so ein Typ hat angerufen, als du weg warst! So ein Umfragetyp. Das hab ich genau gemerkt.»

Ja, und dann versucht man angestrengt, den Redeschwall zu unterbrechen oder dem Typen auf der anderen Seite ein unfreundliches «He Sie, Sie wissen schon, dass wir einen Stern im Telefonbuch haben? Was Sie hier machen, ist strafbar!» zuzurufen. Meistens reicht das, und man hört dann auch ganz schnell das Besetztzeichen. Ganz oft kriegt man aber auch einfach eine unverschämte oder sehr dämliche Antwort zurück: «Sie wollen also NIIICHT Geld sparen, eine Weltreise gewinnen oder ein neues Auto abholen?»

 

Es nervt einfach nur, wenn man ständig von irgendwelchen Firmen belästigt wird. Heimlich denkt man sich dann ganz viele fiese Antworten aus, die man sagen will, wenn die Typen wieder anrufen. Aber eben: Meistens hat man genau diese Antworten dann nicht präsent, und man ist genau das Gegenteil von schlagfertig.

 

Und deshalb ist es manchmal gar nicht so schlecht, wenn die Kinder diese Telefonanrufe entgegennehmen. So wie letzthin unsere Tochter:

 

«Mami, so ein Typ hat angerufen, als du weg warst! So ein Umfragetyp. Das hab ich genau gemerkt. Er hat in perfektem Deutsch gefragt, ob hier die Kathrin Buholzer wohnt.»

 

«Und was hast du gesagt? Hoffentlich nicht, wann ich zurück bin und dass er später anrufen soll?»

 

«Nö. Ich habe in perfektem Deutsch geantwortet: ‹Kathrin Buholzer? Nein, die wohnt hier leider nicht mehr. Sorry.›»

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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