Kolumne: Kathrin Buholzer

Einfach nur peinlich!

Kleinkinder finden Eltern manchmal noch lustig, Pupertierende nicht mehr. Kolumnistin Kathrin Buholzer warnt Eltern vor Stolperfallen und digitaler Anbiederung bei ihren Kindern.

Kathrin Buholzer (Text), Milan Hofstetter (Illustration), 25. Oktober 2017

Wenn man Eltern wird, verändern sich zwangsläufig ganz viele Dinge. Man tut Sachen, die man sich vorher in seinen kühnsten Träumen nicht hätte vorstellen können. Man ist am Nachmittag immer noch im Pyjama, weil man einfach keine Zeit hatte, sich anzuziehen. Man geht ungeschminkt einkaufen oder praktiziert den Sekundenschlaf, während man ein Bilderbuch erzählt. Man hüpft im Kreis, macht lustige Geräusche, singt Lieder, bellt wie ein Hund – nur damit das Kindlein endlich, endlich kooperiert.

 

Viele Dinge, die wir Eltern tun, haben sich einfach so eingeschlichen. Wir tun sie, damit wir den Kinderalltag ein bisschen besser überstehen. Es ist uns nicht peinlich. Und unseren Kindern auch nicht. Im Gegenteil, oftmals finden sie es sogar sehr lustig, wenn wir gackern wie ein Huhn und mit einer lauten, ganz hohen Stimme sprechen, wenn wir uns hinter Bäumen verstecken und mit Wasser ein Lied gurgeln.

 

Doch DAS, meine Lieben, das ändert sich, wenn die Kinderlein in die Pubertät kommen. Dann nämlich ist praktisch ALLES, was man als Eltern tut: Einfach peinlich!

 

  • Dem Kind in der Öffentlichkeit laut zurufen und winken.
  • Vor den Freunden eine lustige Geschichte aus den letzten Ferien erzählen.
  • Ohne anzuklopfen ins Zimmer platzen.
  • Einen Schulbesuch machen und vorher noch alle Schulkollegen grüssen.
  • An der Abschlussfeier der Schule über die Türschwelle stolpern.
  • Mit Musikwissen glänzen wollen und den Kindern jeweils erklären, wer denn ihren Lieblingssong im Original gesungen hat.
  • Die Instagram-Bilder der Kids kommentieren.

 

Vergesst es!
Tut sowas nie!
Never, ever!

 

Und falls ihr zur seltenen Eltern-Spezies gehört, die sich bei Snapchat angemeldet haben, lasst euch eines sagen: Kichert nicht zu laut rum, falls ihr Fotos mit dem Hundeschnauzen-Filter macht oder wenn ihr euch in einen hässlichen Alien verwandelt. Oder macht das einfach nur dann, wenn die Kinder nicht zuschauen. Und wenn ihr euren Kindern snappt, dann nur in absoluten Notfällen.Also nicht, wenn ihr sie fragen wollt:

 

  • warum sie das Badetuch im Badezimmer wieder nicht aufgehängt haben.
  • warum die dreckigen Gläser immer noch im Zimmer herumstehen.
  • ob die Hausaufgaben erledigt sind.
  • wer dieser Junge auf dem Instagram-Bild ist.
  • ob sie eine warme Jacke mitgenommen haben.

 

Denn snappende Eltern sind ebenfalls sehr, sehr peinlich. Schreibt ihnen lieber eine SMS. So richtig schön altmodisch. Oder schickt ihnen eine Mail. Da freuen sie sich sehr, denn die werden sie nämlich noch in hundert Jahren nicht gelesen haben ...

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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