Kolumne: Kathrin Buholzer

«Pokémon Go» – und spazieren ist super

Kathrin Buholzer, 22. Juli 2016

Seit etwa 2 Wochen zähle ich auch zu den Jägern und Sammlern und so leid es mir tut, ich muss hier in dieser Kolumne auch ein bisschen über den «Allerwelts-Hype» berichten. 

 

Ihr wisst, wovon ich rede: «Pokémon Go».  

 

Am Anfang war ich skeptisch, hab den Kopf geschüttelt und gedacht: «Um Himmelswillen, was ist das wieder für ein Mist. Jetzt werden die Leute noch mehr auf ihr Handy glotzen und die Menschheit wird komplett verblöden. Ich werde da garantiert niemals mitmachen, dieser Trend wird einfach an mir vorüberziehen.» Drei Tage lang hab ich mich innerlich geweigert, die App runterzuladen. Aber dann hat die Neugier doch gesiegt. Schon nach ein paar Minuten ist das erste Monster in der Küche neben der Kaffeemaschine aufgetaucht. Etwa sieben Bälle habe ich verpulvert, bis ich Piepi, eine Art Schweinchen mit Locke, einfangen und zu meiner virtuellen Pokémon-Sammlung hinzufügen konnte.

Und das Gute daran: Im Gegensatz zu Snapchat kapieren dieses Spiel sogar die Erwachsenen.

Ein Heidenspass, ich sag’s euch. Nachdem man der App den Zugriff auf die eigene Smartphone-Kamera gestattet hat, tauchen die Figuren nämlich in der echten Welt auf, also im eigenen WC, auf dem Wohnzimmertisch, auf dem Butterbrot, das man gerade geschmiert hat oder während des Spaziergangs im Wald. Und das Gute daran: Im Gegensatz zu Snapchat kapieren dieses Spiel sogar die Erwachsenen.

 

 

Wachsam bleiben und schauen, ob sich in der Umgebung ein Pokémon finden lässt.

 

 

Jedes Mal, wenn so ein Taubsi, ein Hornliu, ein Rattfratz oder ein Zubat auftaucht, wischt man mit dem Finger einfach den Ball, der ebenfalls auf dem Bildschirm erscheint, Richtung Monster und fängt damit das Tierchen ein – Spiel und Realität verschmelzen.

 

Natürlich kann man durchaus Sinnvolleres machen: einen Töpferkurs besuchen oder den Garten jäten. Den Chromstahl polieren, den Keller aufräumen, die Kaffeemaschine entkalken, sich jetzt schon überlegen, was man mit den Kindern zu Weihnachten basteln will oder einfach mal wieder ein Buch lesen.

Dank dem Spiel habe ich in und um meinen Wohnort herum schon viele Skulpturen und spezielle Orte entdeckt, die mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen sind.  

Das Gute daran: Um das Spiel wirklich zu spielen, muss man raus an die frische Luft gehen. Nur dort findet man die seltenen Pokémons und die Pokéstops, bei denen man Gegenstände einsammeln kann, die man für den weiteren Spielverlauf braucht.

 

Die Pokéstops sind überall auf der Spielkarte eingetragen. Meistens sind sie an öffentlichen Plätzen oder bei Sehenswürdigkeiten platziert. Dank dem Spiel habe ich in und um meinen Wohnort herum schon viele Skulpturen und spezielle Orte entdeckt, die mir bis jetzt noch gar nicht aufgefallen sind. Und JA: Auch ich habe schon Umwege in Kauf genommen, bin beim Joggen halt noch schnell zu der Dampfbahnstation gerannt und habe dort die Gegenstände beim Pokéstop eingesammelt. Ich bin auch schon mehrmals zu Fuss, statt mit dem Auto einkaufen gegangen, obwohl ich nachher wirklich viel schleppen musste, nur um hie und da noch ein Monster einzufangen.

Kids und Teenies marschieren plötzlich kichernd und in Gruppen durchs Dorf, auf der Suche nach Pokémons und Pokéstops.   

Und das geht nicht nur mir so. Kids und Teenies marschieren plötzlich kichernd und in Gruppen durchs Dorf, auf der Suche nach Pokémons und Pokéstops. Und es soll auch schon vorgekommen sein, dass der Nachwuchs plötzlich wieder gerne mit auf den Sonntagsspaziergang kommt... Natürlich wird dieser Hype nicht ewig anhalten. Und doch werden wir uns wahrscheinlich in ein paar Jahren daran erinnern, wie plötzlich wildfremde Menschen an den unterschiedlichsten Orten aufeinander getroffen sind, um sich auszutauschen und sich gegenseitig Tipps zu geben.

 

Jeder hat zum Thema irgendetwas zu sagen, die Einen freuen sich, über diese neue Spielart, die Anderen regen sich darüber auf. Das Spiel verbindet die Menschen auf eine ganz eigene Art und Weise. Für einen kurzen Moment rückten sogar die Terrornachrichten ein bisschen in den Hintergrund – die Pokémons dominieren die Headlines in aller Welt.

Besprecht zusammen ein paar Regeln und dann steht einer fröhlichen Pokémon-Suche eigentlich nichts mehr im Wege.

Also: Probiert es einfach mal aus. Auch euren Kindern zu Liebe. Damit ihr wisst, warum sie plötzlich so gerne einkaufen gehen oder auf den Spaziergang mitkommen wollen. Probiert es aus, damit ihr wisst, worin der Reiz liegt, aber auch wo die Gefahren lauern. Sprecht mit euren Kids darüber, helft ihnen, einen Account zu eröffnen, diskutiert mit ihnen, welcher Nickname Sinn macht, dass man es ohne Flatrate-Datenabo nicht spielen kann und worauf man sonst beim Spielen achten muss. Macht das GEMEINSAM, denn sonst tun sie es ohne euer Wissen und hinter eurem Rücken. Besprecht zusammen ein paar Regeln und dann steht einer fröhlichen Pokémon-Suche eigentlich nichts mehr im Wege.

 

Und noch ein kleiner Tipp für Anfänger: Einfach mit dem Finger leicht von unten nach oben streichen, dann werdet ihr mit dem Ball die Pokémons garantiert treffen und einfangen können. Es braucht etwas Übung, aber dann klappt es bestimmt.

 

Das können sogar Erwachsene.

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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