Kolumne: Kathrin Buholzer

Schrecklich schöne Jugenderinnerungen

Kathrin Buholzer, 9. Juni 2016

Ach ja. Früher konnte man im Zug noch Leute kennen lernen, musste unterwegs immer mal wieder jemandem den Weg erklären und wurde so in lustige Gespräche verwickelt. Man war gezwungen, klare Termine abzumachen und pünktlich zu erscheinen.

Da war noch nix mit: «Ehm, schauen wir mal, wir können ja noch schreiben. Ich weiss noch nicht genau, vielleicht. Ich meld’ mich dann noch bei dir, wir können ja spontan entscheiden».

Erinnert ihr euch noch an diese grossen Poster, die wir in den 80er- und 90er-Jahren in unseren Teenie-Zimmern aufgehängt haben?

Ja, ja – früher. Da hingen wir noch nicht ständig an unseren Smartphones und posteten unwichtige Dinge auf Facebook. Wir konnten unsere Stars nicht auf Twitter stalken, sondern mussten noch per Brief nach Autogrammkarten anfragen. Und statt Instagram gab’s damals: Poster!

 

Erinnert ihr euch noch? An diese grossen Dinger aus Papier? Die wir dann in den 80er- und 90er-Jahren in unseren Teenie-Zimmern aufgehängt haben? Und auf die wir ganz fürchterlich stolz waren? Praktisch jeder hatte so ein Kunstwerk zu Hause, die meisten sogar mehrere.

Doch irgendwann wurden wir älter, und so verschwanden auch die Poster. Der Hype war irgendwann mal vorbei. Doch das Internet vergisst ja bekanntlich nichts. Auch nicht unsere Jugendsünden. Alle schrecklichen Frisuren- und Kleiderapokalypsen aus den 80er- und 90er-Jahren sind irgendwo im Netz abrufbar. Alle Modeausrutscher und alle Gadgets, auf die wir als Teenies so stolz waren, findet man irgendwo in der grossen weiten Online-Welt.

 

Meine Postervergangenheit ist ziemlich sonderbar. Deshalb habe ich sie wohl verdrängt, bis ich kürzlich über meine Lieblingsposter von damals gestolpert bin.
Und so bin ich vor einiger Zeit auch über eben diese (schrecklich) schönen Poster gestolpert. Über die pastellfarbenen Einhörner, die kitschigen Sonnenuntergänge, die neonfarbenen Surfbretter, die Sportwagen, die sich küssenden Traumpaare vor Wasserfällen und die Pferde in allen Variationen.

 

Alle Bilder waren natürlich im total trendigen Paintbrush-Style gehalten. Damals der Hit schlechthin. Ja, ich gestehe. Meine Postervergangenheit, die ist ziemlich sonderbar. Deshalb habe ich sie wohl auch verdrängt, bis ich eben vor einiger Zeit über meine Lieblingsposter von damals gestolpert bin.

 

 

Der fast nackte Mann mit dem Baby

 

Hand aufs Herz: Welches Teenie Girl hat nicht von einem solchen Kerl geträumt? Ein Muskelprotz mit süssem Baby auf dem Arm. Ein starker Mann mit einer weichen Seite, der sich rührend um seinen Nachwuchs kümmert. Hach, wie schöööön! Jöööööööhhhh! Der Typ hing jahrelang in meinem Mädchenzimmer. Und als Postkarte hatte ich ihn auch noch. Und die hab ich mir dann auch noch auf ein T-Shirt drucken lassen ...

 

Bild: Pinterest.com

 

 

Die verrückte Erdbeere in pink


Wer, so wie ich, das Glück hatte, seine Jugend in den lustigen 80er- und 90er-Jahren zu verbringen, der weiss: Es ging nichts über Neon. Von den Stulpen über die Schuhbändel bis hin zum Skioverall oder den Pulswärmern – und eben auch den Postern: Die Farben mussten knallen. Und so fand diese bunte Erdbeere den Weg an meine Zimmerwand.

 

 

Bild: vongestern.com

 

 

Der Wahnsinns-Hamburger

 

Damals war Fastfood irgendwie noch cool, auch auf Postern. Und deshalb hing der Monsterburger direkt neben meiner überdimensionalen Stereoanlage mit Plattenspieler.

 


Sehr verdrängt habe ich auch dieses Poster. Bild: vongestern.com

 

 

Mann in hässlicher Jeansjacke, schmiegt sich an halb nackte Frau mit Wuschelfrisur

 

Vage erinnere ich mich daran, dass ich auch mit diesem Jahrhundertwerk geliebäugelt habe.

 

 

Bild: vongestern.com

 

 

Ich glaube, der strenge Blick meiner Mom und die ewigen Diskussionen wegen des «True Blue»-Madonna-Posters («Das sieht ja furchtbar aus, zu sexy, und dann dieser merkwürdige Hals, und warum trägt sie die Jacke so komisch?»), haben mich dann vom Kauf dieser Romantik-Bombe abgehalten.

Klickt euch einfach hier mal durch die beiden Galerien von 1994 und von 1987.

Ein Poster-Highlight jagt das nächste. Ihr werdet bestimmt eure Favoriten von damals ebenfalls entdecken. Und was ich auch sehr empfehlen kann: Zeigt sie dann mal euren Kindern ...

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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