Kolumne

Schlaf gut – und schalte vorher dein Handy aus!

Kathrin Buholzer, 7. März 2016

Noch schnell die WhatsApp-Nachrichten checken, die letzten Snapchat-Stories anklicken, die neusten Instagram-Bilder liken und ein paar lustige YouTube-Videos schauen. Wer in sein Bett steigt, löscht selten einfach so das Licht aus, sondern surft mit seinem Smartphönchen locker noch ein paar Runden (manchmal auch Stunden) im Internet herum.

 

Nicht nur wir Erwachsenen tun das, sondern ganz oft auch die Kids und Jugendlichen. Und was wir schon lange geahnt haben, ist jetzt offiziell bestätigt: Gamen, glotzen, chatten und auf dem Smartphone surfen beeinträchtigt die Schlafqualität. Die Hälfte der Schweizer Jugendlichen fühlt sich unter der Woche zu wenig erholt, wie die JAMESfocus-Studie der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) und der Swisscom zeigt.

Man wird vom Handy-Display sozusagen wachgeblendet.

Schlecht schlafen lässt uns vor allem das Handy-Display. Durch die Blaulichtanteile der Bildschirme wird die Ausschüttung des schlafanstossenden Hormons Melatonin verzögert. Man wird sozusagen wieder «wachgeblendet».

 

 

Neugier und Langweile

 

Ist Julia jetzt mit Mark zusammen? Was passiert in der nächsten Folge von GNTM? Hat der Schwarm die WA-Nachricht gelesen? Gibt’s Headlines? Und hat die Frau Elternplanet vielleicht noch was auf Facebook gepostet?

 

Egal ob Jugendliche oder Erwachsene: Diese wichtigen Fragen müssen vor dem Schlafengehen unbedingt noch beantwortet werden. Man will ja schliesslich nix verpassen. Und viele Menschen mögen einfach nicht gleich einschlafen, sondern sich halt noch ein bisschen mit etwas beschäftigen. Früher las man oder löste Sudoku, heute drückt man auf dem Handy herum.

«Ach, Blödsinn. Soll doch jeder machen, wie er will. Meine Kinder schlafen trotzdem irgendwann ein, und ich lass mir von niemandem verbieten, noch ein bisschen auf dem Smartphone herumzudrücken.»

Und das rächt sich nun, indem unsere Jugend immer unausgeruhter wird. Wenn neue Studien veröffentlicht werden, dann stellt sich immer die Frage: Was fangen wir nun damit an? Einfach mit dem Kopf nicken und denken: «Oh ja, das ist wirklich ein Problem.» Oder einfach den Kopf schütteln und sagen: «Ach, Blödsinn. Soll doch jeder machen, wie er will. Meine Kinder schlafen trotzdem irgendwann mal ein, und ich lass mir doch von niemandem verbieten, noch ein bisschen auf meinem Smartphone herumzudrücken. Ausserdem gibt es ja jetzt die ‹Night Shift›- Blaulichtfilter-Funktion.»

 

Eine Möglichkeit wäre natürlich auch, sich zu überlegen, ob und wie man dieses Thema zu Hause mit der Familie mal ansprechen könnte. Hier ein paar Vorschläge dazu:

 

1. Das Gespräch suchen

 

In einer ruhigen Minute zusammensitzen, aber ohne den Kindern gleich alles verbieten zu wollen. Fragen und Gegenfragen stellen und gemeinsam ein paar Vorschläge sammeln. Fragt die Kids mal, wie sie das erleben: Fühlen sie sich selber genügend ausgeruht? Wie lange sind sie am Abend noch an ihren Tablets und Smartphones? Welche Alternativen gibt es? Wann soll das Handy ausgemacht und wo soll es platziert werden?

 

2. Regeln und Abmachungen treffen

 

Diese werden von den Kids eher eingehalten, wenn sie zuvor an einer möglichen Lösungsfindung beteiligt waren. Die besprochenen Abmachungen dann aufschreiben und aufhängen.

 

 

3. Ein gutes Vorbild sein

 

Lasst mich raten: Ihr liegt jetzt gerade im Bett und lest vor dem Schlafengehen diesen Artikel? Auf eurem Smartphone?

Eben.

 

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

Der Autorin auf Youtube folgen

 

 

 

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir publizieren Leserkommentare von Montag bis Freitag.