Kolumne: Kathrin Buholzer

Teenager: Zu viel Zeit am Handy?

Kathrin Buholzer, 23. Juni 2016

 

Dass Teenies gerne viel Zeit in ihren Zimmern verbringen ist ja bekannt. Dass sie ihre Eltern auch mal anschnauzen, wenn diese mal wieder die Türe offen gelassen haben, auch. Sie wollen ihre Ruhe, ihren Frieden und: am Smartphone rumhängen.

Spricht man mit Teenie-Eltern, sind die meisten nicht grundsätzlich dagegen, dass ihr Nachwuchs sich mit Freunden auf WhatsApp, Instagram oder Snapchat austauscht. Ab und zu, aber bitte nicht ständig. Eltern diskutieren dieses Thema auf meiner Webseite intensiv. Hier einige Zitate:

 

«Kaum haben sie gegessen, verschwinden sie schon wieder in ihrem Zimmer und glotzen aufs Smartphone.»

«Schon am Morgen nach dem Aufwachen geht’s los. Bleibt das Handy dann ein paar Stunden liegen, müssen die Kids 765 Nachrichten aus 13 WhatsApp-Gruppen lesen. Sie könnten ja sonst etwas Wichtiges verpassen.»

«Auch am Abend, wenn sie schon im Bett sind, leuchtet ständig noch das Smartphone-Display. Es ist zum Verzweifeln.»

Fast in jeder Familie ist der Handykonsum ein grosses Thema und ein heftiger Streitpunkt. Deshalb tun viele Eltern genau das, was Kindern und Jugendlichen eigentlich am wenigsten hilft: Das Ding verbieten oder tagelang in einen Schrank sperren. Dabei ginge es viel eher darum, dass sie einen vernünftigen Umgang damit lernen.

 

Die Frage ist nur: Wer soll es ihnen beibringen? Unsere Kinder bewegen sich in einer Welt, in der die meisten Erwachsenen selbst permanent auf ihr Smartphone glotzen. Auf dem Spielplatz, im Zug, an der Bushaltestelle, auf dem Klo, am Abend auf dem Sofa oder im Auto, auf dem Weg in die Ferien. Wir Eltern erwarten von unserem Nachwuchs, dass er nicht ständig online ist, doch wir haben unseren Handykonsum oft selbst nicht im Griff.

Manchmal sind die Kids nämlich sogar froh um ein paar Leitplanken, damit sie sich in der Online-Welt nicht zu stark verlieren.

Es braucht also Regeln und Abmachungen, die man gemeinsam definiert, aufschreibt und auch kontrolliert. Auch wenn die Kids das total daneben finden: Lasst euch davon nicht zu fest verunsichern. Manchmal sind sie nämlich sogar froh um ein paar Leitplanken, damit sie sich in der Online-Welt nicht zu stark verlieren. Auch wenn sie das am Anfang natürlich niemals zugeben würden ...

Eine gute Möglichkeit zur Selbstkontrolle bieten übrigens zahlreiche Apps, welche die eigenen Smartphone-Gewohnheiten durchleuchten. Sie zeigen an, wie oft man am Tag sein Telefon zur Hand nimmt und wie lange man online ist. So gibt es zum Beispiel die Swisscom-App Offtime oder die Apps RealizD und Moment. Ihr könnt eine davon den Kindern aufs Handy laden, damit sie selbst mal ihren Smartphone-Konsum kontrollieren können.

Das Fazit dieses «Selbstkontrolle-Tests» unserer Tochter Nina, 13 Jahre: «Mir ist aufgefallen, dass man mit dieser App schnell merkt, wie viel Zeit man eigentlich auf Instagram und Co. verschwendet. Es ist wirklich sehr praktisch, um den Internetkonsum etwas besser in den Griff zu bekommen. Am Anfang war ich nicht so begeistert, aber jetzt finde ich es toll, und bin nicht mehr so oft am Handy.»

Kleiner Tipp zum Schluss: Die App ist auch ganz prima für Erwachsene geeignet ...

 

Kathrin Buholzer

Für Storys beobachtet die Journalistin, Betreiberin der Elternseite elternplanet.ch und Mutter von 2 Kindern unsere alltäglichen Überforderungen im Umgang mit den neuen Medien und den digitalen Möglichkeiten.

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