Kolumne: Michael In Albon

Gute Nacht – ohne Handy

Klare Nutzungsregeln für Smartphones und andere Bildschirmmedien am Abend sorgen für besseren Schlaf bei den Jugendlichen, sagt Kolumnist Michael In Albon.

Michael In Albon (Text), 20. November 2017

Da haben wirs! Wegen diesen doofen Handys hängen wir nur noch an unseren Likes oder Flämmchen. Wir reden nicht mehr miteinander. Und schlafen tun wir eigentlich nur noch, weil das Smartphone auch mal Lade-Pause braucht. Ganz ehrlich: Wofür wollen wir den digitalen Medien sonst noch die Schuld geben?


Kürzlich wurde eine Studie publik, die zeigt, dass 2015 die Schlafzeit bei 40 % der Teenager in den Vereinigten Staaten unter sieben Stunden liegt. Die JAMESfocus-Studie zum Thema Schlaf aus dem gleichen Jahr zeigt, dass die Schweizer Jugendlichen im Alter von 12 bis 19 Jahren zwischen 7,5 und 8 Stunden schlafen. Dabei sind die Romands und Tessinerinnen eher bei 8 Stunden, die Deutschschweizer Nachwuchs-Eulen eher bei 7,5.

 

Trotzdem gaben Kinder in der JAMES-Studie zu Protokoll, dass sie sich im Schulalltag oft müde fühlen. Die Gründe sind vielfältig. So spielt das Alter eine sehr grosse Rolle, was hinlänglich bekannt ist. Bestehen bereits aus anderen Gründen Schlafprobleme, können diese durch unkontrollierten Medienkonsum verschärft werden. Aber auch ganz alltägliche Themen können einen markanten Einfluss auf die Schlaf-Qualität und -Quantität haben: Ein strenger Lehrer, ein Streit mit der Mutter, oder auch sehr verbreitet: Liebeskummer.

 

 

brightcoveVideo_skipAdTitle
brightcoveVideo_skipAdCountdown
brightcoveVideo_skipAdRest
brightcoveVideo_skipAdForReal

 

 

Dass Bildschirme die Macht haben, den Schlaf negativ zu beeinflussen, ist nicht von der Hand zu weisen. So wissen wir, dass der Blau-Anteil im Bildschirmlicht uns schlechter einschlafen lässt – besonders dann, wenn die Jungs und Mädchen am Abend im Bett noch in einem Chat engagiert sind, und nicht als erste abhängen wollen. Oder wenn man ein cooles Bild von sich bei Instagram gepostet hat und nun auf die Likes wartet. Klar, sowas kann einem den Schlaf rauben.


Aber dann sei die Frage erlaubt, WIESO unsere Teenager denn am Abend im Bett noch aufs Handy schauen? Weil die Eltern es nicht verbieten. Weil es offenbar keine Nutzungsregeln gibt. Weil Eltern fest daran glauben, dass das Handy unbenutzt auf dem Nachttisch wartet, bis es am nächsten Morgen das Kind wecken darf. Hinzu kommt, dass Eltern in diesem Alter immer noch Vorbilder der Kinder sind. Was Mama und Papa tun, ahmen die Kinder nach. Die Schuld den Medien zu geben, dass die Kinder am Morgen nur nach mehrmaligem Betteln ihre Betten verlassen, greift zu kurz.


Mit anderen Worten: Man sollte hier wie anderswo nicht den Bock zum Gärtner machen. Wenn Kindern der uneingeschränkte Zugang zu ihrem Handy gewährt wird, fällt es ihnen umso schwerer, sich einzuschränken. Es braucht Regeln.  

 

 


Tipps für Eltern

 

  • Mediennutzung vor dem Zubettgehen regeln: Damit Jugendliche genügend schlafen und sich erholt fühlen, sollte die Mediennutzung abends im Auge behalten werden. Mit einer einstündigen Bildschirmpause vor dem Zubettgehen wird zudem die Ausschüttung des schlafanstossenden Hormons Melatonin nicht durch die Blaulicht-Anteile der Bildschirme verzögert.
  • WLAN aus: Gerät während dem Schlafen ausschalten, oder in den Flugmodus (ohne WLAN) stellen. So bleibt der Schlaf ungestört.
  • Geräte aus dem Schlafzimmer verbannen: Fernseher, Computer oder Spielkonsolen im Schlafzimmer der Jugendlichen begünstigen eine unkontrollierte Nutzung, was die Schlafdauer verkürzen und die Leistungsfähigkeit verringern kann.
  • Wecker: Anstelle des Handys ist es ratsam, einen herkömmlichen Wecker zu verwenden. So wird das Handy vom Nachttisch verbannt.
  • Konzentrationsfähigkeit: Bei Schülerinnen und Schülern, die während des Unterrichts unkonzentriert oder schläfrig sind, sollte der Medienkonsum – insbesondere in den Abendstunden – thematisiert werden. Auch andere potenzielle Ursachen für Schlafprobleme wie Mobbing-Erfahrungen sollten angesprochen werden.

 

 

Medienkompetenz-Experte

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25'000 Personen teilnehmen. Informationen zu Medienerziehung bei Swisscom gibt es unter Medienstark.

 

Studie

Mehr Informationen zu Mediennutzung und Schlafqulität gibt es in der JAMESfocus-Studie

 

 

Diskutieren Sie mit

 

 

Nutzungsbedingungen

Vielen Dank für Ihren Beitrag. Wir publizieren Leserkommentare von Montag bis Freitag.