Kolumne: Michael In Albon

Die Lehrer und die ICT – motiviert und doch alleine?

Ob sie wollen oder nicht: Die Schulen müssen sich auf diesen Tanz mit den neuen Technologien einlassen. Sei es als Organisation, aber auch für ihren Auftrag, unsere Kinder fit in die Berufswelt zu entlassen.

Michael In Albon, 23. November 2016

Letzte Woche war ich an den «Swiss Education Days» in Bern. Was auffiel: Überall, zwischen Lehrbüchern und Labor-Installationen, traf man auf ICT-Angebote (englisch für Informations- und Kommunikationstechnologie) für den schulischen Alltag: Software-Lösungen, interaktive Wandtafeln und hippe Endgeräte – das ist mittlerweile eben auch Teil der schulischen Realität. Zugleich traf man aber auch auf viele verdatterte, kritische Blicke von Besuchern, die sich diese Dinge aus der Ferne besahen.

Ich kann nicht verstehen, wenn Lehrer den Schritt auf die Medien (die sie übrigens von zuhause durchaus kennen und nutzen) nicht wagen.

Dass sich hier Zweifel breit machen, bei Eltern wie auch Lehrern, ist bekannt. Wie sollen sie solche Gadgets in den Unterricht integrieren? Wo - bitte – soll der Mehrwert liegen?

 

Ich kann gut verstehen, wenn unsere Lehrerinnen und Lehrer mit Skepsis auf die ICT-Welt, die ihnen vollends fremd ist, schielen. Ich kann aber nicht verstehen, wenn sie den Schritt auf die Medien (die sie übrigens von zuhause durchaus kennen und nutzen) nicht wagen. 

 

ICT birgt nämlich sehr viel Potenzial für den Unterricht und die Schulverwaltung, Daten zentral zu administrieren, nicht mehr jedes Aufgabenblatt ausgedruckt abzugeben und auf sicheren Kanälen elektronisch mit Eltern und Schülern zu kommunizieren. Die Schule wird in Zukunft nicht zusätzliche Mittel erhalten, sie muss daher ihre Abläufe optimieren, sprich: digitalisieren. Die Schüler wiederum werden immer öfter auch daran gemessen werden, wie gut sie mit den digitalen Medien umgehen können.

Wenn das Tablet einen Mehrwert bringt – ok! Wenn die App die Kommunikation für die Lehrperson vereinfacht – ok!  

Thema eines meiner Referate anlässlich der «Swiss Education Days» war: «Die richtige ICT-Ausrüstung für Ihre Schule». Und die Botschaft, die ich nicht selten wiederholte: ICT ist lediglich Mittel zum Zweck. Trotz verwirrten Blicken: Ich halte daran fest.

 

Als Vater zweier Knaben habe ich den Anspruch an die Schule, dass sie aus ihnen gut vorbereite junge Erwachsene macht, die mit den Herausforderungen der Zukunft umgehen können. In welcher Art und Weise die Schule diesen Auftrag erfüllt, kann mir egal sein.

 

Wenn das Tablet einen Mehrwert bringt – ok! Wenn die App die Kommunikation für die Lehrperson vereinfacht und uns Eltern besser informiert, was auf dem Pausenhof abgeht – ok! Wenn das Whiteboard komplizierte Sachverhalte verstehbarer darstellen kann als Schiefer und Kreide – fein! Daher gilt: Den ICT-Bock zum Schulhof-Gärtner zu machen, kostet viel, nützt niemandem etwas, hält die Lehrkräfte von ihrer Arbeit ab und fördert den Lernprozess sowieso nicht. Lasst uns die Möglichkeiten nutzen, die uns die Digitalisierung bietet.

 

 

 

Medienkompetenz-Experte

 

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25'000 Personen teilnehmen. Informationen zu Medienerziehung bei Swisscom gibt es unter Medienstark.

 

 

 

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