Kolumne: Michael In Albon

YouNow – Schau mich an!

YouNow ist eine Plattform, die Erwachsene definitiv nicht kennen. Uns Eltern muss das eigentlich ängstigen. «Was machen die da bloss?», denken wir reflexartig. Doch kein Grund zur Panik – die Jungs und Mädchen sind im Grunde sehr vorsichtig.

Michael In Albon, 31. Mai 2017

Eine Gruppe von Forscherinnen an der Hochschule für Technik und Wirtschaft HTW Chur haben sich mit über 1500 Jugendlichen unterhalten, um zu verstehen, was YouNow für sie bedeutet und wie sie es nutzen. Das Institut für Multimedia Production hat mit einer Umfrage untersucht, wie 10- bis 18-jährige Schülerinnen und Schüler in der Schweiz die Plattform beurteilen.

Dass damit auch Gefahren verbunden sind, liegt auf der Hand: Die Plattform schafft Raum für sexuelle Belästigungen und Cybermobbing.

Die Erfinder von YouNow haben die Plattform entwickelt, um talentierten Musikern, DJs oder YouTubern die Möglichkeit zu geben, sich einer breiteren Öffentlichkeit zu präsentieren und direkt mit ihren Fans in Kontakt zu treten. Mittlerweile wird sie von vielen Jugendlichen genutzt, um sich und ihr eigenes Leben live darzustellen. Häufig wird aus dem eigenen Zimmer gestreamt. Die Zuschauer und Zuschauerinnen können sich, als Teil des «Spiels», einbringen und mit den Protagonisten und Protagonistinnen chatten.

 

Die Plattform schafft Raum für sexuelle Belästigungen und Cybermobbing. Es ist wahrlich ein Leichtes, die Jugendlichen auf diesem Weg zu beleidigen und zu belästigen. Und das wird auch eifrig gemacht. Und das reicht meist, um Eltern in Verteidigungsstellung gehen zu lassen: «Sowas kommt mir nicht ins Haus!»

 

Berechtigterweise? Die Ergebnisse der Umfrage lassen den Schluss zu, dass die Plattform bei Schweizer Jugendlichen zumindest heute noch nicht DER Renner ist. Von den 1510 Kindern und Jugendlichen, die an der Umfrage teilgenommen haben, sind aber wenigstens 513 bereits in irgendeiner Form mit YouNow in Berührung gekommen. Dass davon 38 zu der Altersgruppe gehören, die bei der Plattform noch gar nicht zugelassen ist (der Zugang ist – wie bei US-amerikanischen Plattformen üblich – erst ab 13 Jahren erlaubt), lässt allerdings aufhorchen.

Die Gründe, warum jemand sich auf YouNow tummelt, sind vielfältig. Zuoberst auf der Rangliste stehen Unterhaltung, Langeweile und Neugier.

Zuschauen oder selber machen? Wenn Jugendliche YouNow nutzen, dann in den allermeisten Fällen als Konsument. Selber einen Kanal eröffnen nur wenige. Die Gründe, warum jemand sich auf YouNow tummelt, sind dabei äusserst vielfältig. Zuoberst auf der Rangliste stehen Unterhaltung, Langeweile und Neugier. Aktive YouTuber haben die Plattform zudem als ergänzenden Kanal entdeckt. Hier können sie viel direkter (linear) mit ihren Fans in Kontakt treten, als dies mit hochgeladenen Clips auf Youtube (non-linear) möglich ist.

 

Viele der jungen Befragten fanden die Vorstellung, sich selber live einer unbekannten Öffentlichkeit zu präsentieren, bedenklich. Das spricht für das Selbstregulationsvermögen unserer Kinder. Das Bewusstsein, damit auf verschiedenste Arten eine Angriffsfläche zu bieten, scheint durchaus vorhanden zu sein. Die Tatsache aber, dass 25 % der Umfrageteilnehmer und -teilnehmerinnen es nicht gefährlich finden, Privates via Internet öffentlich darzustellen, zeigt aber eben auch, dass in Sachen Sensibilisierung noch einiges getan werden muss.  

 

Medienkompetenz-Experte

 

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse, bei denen jährlich über 25'000 Personen teilnehmen. Informationen zu Medienerziehung bei Swisscom gibt es unter Medienstark.

 

YouNow-Befragung

Lesen Sie die Details zur Studie.  

 

 

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