Kolumne

Emojis statt Likes

 

Reda El Arbi, 12. Oktober 2015

In Zukunft kann man bei Facebook nicht mehr nur «liken» sondern auch Emojis mit einer etwas grösseren Aussagekraft setzen. Ein Herz, ein «Haha!»-, ein «Yay!»- ein «Wow!»- ein trauriges «Sad»- und ein wütendes «Angry»-Emoji sollen dem Benutzer eine breitere Bandbreite an emotionalen Reaktionen ermöglichen. Die neuen Symbole wurden zunächst in Irland und Spanien eingeführt, schrieb Facebook-Manager Chris Cox.  Bewusst habe Facebook auf einen «Dislike»-Button, also auf einen nach unten gerichteten Daumen, verzichtet. Damit könne man Leute mobben, was nicht im Sinne der Plattform sei. 

 

Aber untersuchen wir wir mal aus der Sicht der Kommunikationslogik, was wir mit diesen Buttons alles aussagen können: Mit dem bisherigen «Like» wars klar. Es bedeute, dass man die Aussage schätzt, die der Poster mit der Veröffentlichung des Postes machen wollte. Also kann jemand einen traurigen oder bösen Post teilen, und bekommt trotzdem «Likes». Nicht, weil die Leute den Inhalt des verlinkten Artikels oder Bildes mögen, sondern weil sie mit der Meinung, die der User damit ausdrücken will, einverstanden sind.

Die neuen Buttons vergrössern die emotionale Breite, mit der man auf Posts reagieren kann.

Wenn man nicht mit der Aussage einverstanden war, musste man sich noch die Mühe machen und ein paar Worte wie «Das ist totaler Schwachsinn!» oder «Du lügst!» oder «Unterste Schublade!» unter den Post schreiben. Das bleibt so. Die neuen Buttons ändern nichts daran, sie vergrössern nur die emotionale Breite, mit der man reagieren kann. Wenn ich ein wütendes Emoji unter einen Beitrag setze, heisst das nicht, dass ich den User für einen Idioten halte, sondern dass ich den Inhalt seines Posts verstanden habe und mich dieser wütend macht. Die emotionale Intention bei einem der neuen Emojis bleibt also dem Poster gegenüber positiv.

 

Das ist aus meiner Sicht zu begrüssen. Das Internet ist so schon ein Tummelplatz für Bösartigkeiten, die in der Anonymität der virtuellen Welt viel leichter in die Welt gesetzt werden. Könnte man nun nur mit einem Klick jemanden negativ bewerten, ohne sich der Möglichkeit einer Reaktion aussetzen zu müssen, wäre das zu einfach. Auch wer künftig jemanden angreifen will, muss noch kommentieren und sich damit der Gefahr aussetzen, dass er eine harsche Antwort bekommt.

 

Die neuen Emojis haben aber einen grossen Haken: Like-Junkies wie ich wissen überhaupt nicht mehr, wie sie den Erfolg ihrer Posts messen sollen. Bisher konnte ich sagen «Boah ey, ich hab 47 Likes für diesen Post bekommen». Und in Zukunft? «Ich hab 32 Likes, 11 Hahas, 18 Yays!, 3 Wows und je ein Sad und ein Angry bekommen!» Das ist irgendwie unbefriedigend. Eine grosse Frage bleibt auch, wie Medien mit den neuen Buttons umgehen. Sind sie in die Social-Media-Plugins zu integrieren? Können also in Zukunft Leser der grossen News-Plattformen Wut zeigen oder virtuell in Tränen ausbrechen? Ich glaube, das würde mir gefallen.

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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