Kolumne

Kein neues Handy, bitte!

Reda El Arbi, 6. Mai 2016

«Innovativ», «revolutionär», «trendy» sind die Attribute, mit denen uns die Smartphone-Hersteller ihre neuesten Modelle andrehen wollen. Dazu geile Werbefilmchen mit coolen Menschen, die mit ihren neuen Handys extrem glücklich sind und extrem geile Leben führen. Und alles ist so schön neu und bunt.

Die 4K-Kamera dient als technologisches Verkaufsargument, obwohl es kaum Displays und Monitore gibt, die dem Sehnerv ein 4K-Erlebnis wirklich vermitteln können.

Beim neuen iPhone SE sieht man eigentlich ganz deutlich, was das genau heisst: Apple hat die Technologie vom iPhone 6s in das Gehäuse des iPhone 5 gepackt, und das Ganze neu eingefärbt. Die 4K-Kamera dient als technologisches Verkaufsargument, obwohl es kaum Displays und Monitore gibt, die dem Sehnerv ein 4K-Erlebnis wirklich vermitteln können.

 


Die neuen Handys können oft neue Sachen. Die Frage ist: Können sie Sachen, die wir in der Handybenutzung wirklich brauchen? Oder sind sie einfach mit aufgeblasenen Features vollgestopft, die dann als Verkaufstreiber agieren sollen? Mit technischem Schnickschnack wie eben 4K, den die Kindergeburtstagsföteli, die 99,9 Prozent der Handy-User mit ihren Smartphone-Kameras machen, nicht brauchen.

Die «Innovationen» beschränken sich auf Spielereien. Die Akkulaufzeiten verlängern sich im realen Gebrauch im einstelligen Prozentbereich.

Eines der wenigen Argumente, ein Smartphone aus der dauernd neuesten Generation zu kaufen, wäre die Akkulaufzeit. Aber gerade da tut sich kaum etwas. Die «Innovationen» beschränken sich auf Spielereien. Die Akkulaufzeiten verlängern sich im realen Gebrauch im einstelligen Prozentbereich.

 


Ein weiteres Argument wäre die Prozessorgeschwindigkeit. Auch hier wird jeder Taktzuwachs, egal wie gering er sich in der täglichen Nutzung auswirkt, als Durchbruch gefeiert. Nun, auch da werden bald Grenzen erreicht. Wenn das Gerät Daten schneller verarbeitet, als ich mit meiner motorischen Auge/Hand-Koordination reagieren kann, wird Geschwindigkeit obsolet. Dass damit immer grössere Datenmengen verarbeitet werden können, ist bei 99,9 Prozent der Anwendungen egal.

Die Wirkung auf das Umfeld «Ey, seht her, ich hab das neueste XXXX» ist das eigentliche Verkaufsargument.

Und wieso werden uns dann doch dauernd neue Smartphones vor die Nase gehalten? Weil die Unternehmen alle zwei Jahre mit einem neuen Produkt auf den Markt wollen. Es werden also nicht neue Handys entwickelt, sondern das Marketing gibt den Fahrplan vor. Alle zwei Jahre ein neues, geiles Modell, in das dann die gerade verfügbaren Entwicklungen eingebaut werden. Und dabei ist es egal, ob es sich in der effektiven Leistung vom alten Modell unterscheidet. Viel wichtiger ist der neue Name und etwas Gefrunzel am Design.

 


Tech-Geräte sind modische Accessoires geworden. Genau wie bei Fashion ist der eigentliche Zweck zweitrangig, und die Wirkung auf das Umfeld «Ey, seht her, ich hab das neueste XXXX» das eigentliche Verkaufsargument.


Nun, das zieht bei mir nicht mehr. Nicht nur, dass es umwelttechnisch Wahnsinn ist, unsere Ressourcen so zu verheizen, es zeigt auch die schwindende Autonomie des Konsumenten, wenn er sich jeden Fliegenschiss als «innovativ», «revolutionär» und «trendy» andrehen lässt.

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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