Kolumne

Männer sind Idioten – höhlengereift!

Reda El Arbi, 18. Dezember 2015

Haben Sie schon ein Weihnachtsgeschenk für Ihren Mann? Wir hätten da eine Idee …
 
Männer sind natürlich am besten durch Sex zu manipulieren – das funktioniert bei uns schon seit wir aufrecht gehen können (also etwa seit den 50ern). Aber wenn Mann sich mal in den ganzen Paarungsdingen ausgetobt hat, kann man uns auch ganz einfach und ohne grösseren Aufwand mit Technologie über die Feiertage ruhigstellen.


Seit in der Steinzeithöhle der erste andere Homo erectus eine grössere Steinaxt hatte als man selbst, sind wir Männer geil auf bessere Technologie. Nachdem wir ihn totgeschlagen hatten, benutzten wir seinen grösseren Faustkeil, um einem anderen Typen den noch viel fortschrittlicheren Speer abzunehmen.

Wir mussten die Technik nicht mehr tödlich einsetzen, wir mussten sie nur noch besitzen und herumzeigen, um mehr Weibchen zu bekommen.

Die Gier nach Technologie ist tief im Hirn des Mannes verdrahtet. In den primitiveren Zeitaltern bedeutete Technologie wirkliche Macht. Grösseres Schwert: mehr Tote auf der anderen Seite. Grössere Kanone: mehr Reichweite. Irgendwann wurde Technologie aber zum Selbstzweck beziehungsweise zum Statussymbol. Wir mussten die Technik nicht mehr tödlich einsetzen, wir mussten sie nur noch besitzen und herumzeigen, um mehr Weibchen zu bekommen.


Frauen hatten die symbolische Aussage von Technologie bereits abstrahiert und mussten sie nur noch sehen, um den daraus resultierenden Status einschätzen zu können. Wir Männer mussten das Zeugs immer noch besitzen und anfassen können, um uns mächtiger zu fühlen.
 
In den 70ern wollten wir Autos, deren riesige Motoren darauf ausgelegt waren, das bisschen Blech um den Motor herum möglichst brutal über die Strasse zu schleudern. Und acht Monate später wollten wir einen Wagen mit noch mehr PS. Der praktische Nutzen dieser Technologie war immer rudimentär. So konnten wir in der Schweiz zum Beispiel weder Geschwindigkeit noch Kraft der oben erwähnten Boliden je ausfahren. Jänu. Wir gaben trotzdem das Geld, das eigentlich für die Uni unserer zukünftigen Kindern gedacht war, für Blech und Zylinder aus.

Und als wir endlich ins Handy-Zeitalter eintraten, erdachten die Marketing-Fuzzis einen ganz üblen Trick: Sie verkauften uns immer kleinere Geräte für immer mehr Geld.

Und mit der digitalen Revolution kamen neue Objekte der Begierde. Zuerst wollten wir immer grössere und leistungsfähigere Rechner. Potenzmaschinen, die Leistungen erbringen konnten, die wir gar nie benötigten. Kisten, deren Kühlturbinen und Laufwerke brummten wie Düsenjets, und mit deren Abwärme man ganze Wohnblocks hätte heizen können. Alles nur, um Minesweeper und Patience in 16 Farben zu spielen. Und natürlich, um damit anzugeben.
 
Und als wir endlich ins Handy-Zeitalter eintraten, erdachten die Marketing-Fuzzis einen ganz üblen Trick: Sie verkauften uns immer kleinere Geräte für immer mehr Geld. Zum ersten Mal in der Geschichte des Mannes gewann der Typ mit dem kleineren Teil den Grössenvergleich. Das verstörte die Männer auf so vielen Ebenen, dass man uns dazu Handyhüllen für an den Gürtel verkaufen konnte, damit wir einen Ausgleich hatten.  
 
Inzwischen haben die Werbestrategen die Begierde wieder auf Grösse gepolt. Heute kann Mann wieder ohne Scham ein backsteingrosses Stück Technologie ans Ohr halten.

Mit dem Apps konnte man einem Mann Technologie andrehen, ohne dass man ihm wirklich mehr Technologie in die Hand drücken musste.

Zahlen sind die Angelhaken für Technologie. So kann man mit mehr PS, mehr GB, mehr Pixel, mehr Gigahertz alles verkaufen. Wir finden einen SuperHighDefinition-Monitor sooo geil, dass uns gar nicht auffällt, dass unsere Augen und Sehnerven die Auflösung eines 4K-Handydisplays nur dann verarbeiten könnten, wenn es 16 X 9 Meter gross wäre. Aber solch nebensächliche Fakten haben den Reiz von geiler Technik noch nie unterminieren können.
 
Der absolut geniale Trick zur Manipulation des Mannes kam aber mit den Apps. Nun konnte man einem Mann Technologie andrehen, ohne dass man ihm wirklich mehr Technologie in die Hand drücken musste. Das ist der Super-Clou. Mehr Technik, ohne wirklich mehr Technik herstellen zu müssen. Virtuelle Technik sozusagen.

Und natürlich brauchen wir eine Smartwatch, für die wir beide Hände benötigen, um die Sachen umständlicher zu erledigen.

Und weil das so gut funktioniert, baut man in Alltagsgegenstände nun auch Technologie ein, die über Apps auslesbar ist. Oder Gegenstände, die sogar eigene Apps haben, die wir auf anderen Gegenständen bedienen können anstatt direkt am ursprünglichen Teil. Wie geil ist das denn?

Die Krönung der Artikel für Männer wird aber gerade auf allen Kanälen im TV beworben: Die elektrische Zahnbürste mit App!

Und natürlich brauchen wir eine Smartwatch, für die wir beide Hände benötigen, um die Sachen umständlicher zu erledigen. Für Dinge, die wir auf dem Smartphone mit einer Hand leichter bewältigen könnten – zum Beispiel mit Apps andere Gegenstände steuern. Aber dann hätten wir nur ein einziges Teil Technologie, wo wir zwei haben können. Das geht natürlich gar nicht.
 
Die Krönung der Artikel für Männer wird aber gerade auf allen Kanälen im TV beworben: die elektrische Zahnbürste mit App! Es ist eine App, die uns auf dem Handy in der einen Hand in Echtzeit und mit 3-D-Animationen zeigt, was wir mit der anderen Hand gerade machen. In ECHTZEIT! Und das über Bluetooth (das war früher Funk) oder sogar über WLAN, G4 und Satellit! Gehts noch krasser? Ich glaube nicht.
 
Nun wissen Sie, worauf Sie beim Weihnachtseinkauf achten müssen, wenn Sie einen Mann glücklich machen wollen.

 

 

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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