Kolumne

Meiner ist grösser!

 

Reda El Arbi, 1. Oktober 2015

Kennen Sie Ihren Klout-Score? Nein? Brauchen Sie auch nicht, meiner ist sowieso grösser als Ihrer. Wenn Sie nicht im Bereich Social Media arbeiten, brauchen Sie sowieso keinen. Aber für uns Social-Media-Profis ist der Klout-Score der Schiedsrichter im virtuellen Weitpinkel-Wettbewerb.

 

Es ist eine Zahl zwischen 1 und 100, die angibt, wie viel Einfluss Ihre persönlichen Profile und die von Ihnen verwalteten SoMe-Plattformen im World Wide Web haben. Kurz, es zeigt allen anderen SoMe-Profis, Community-Managern, Kommunikationsverantwortlichen und PR-Fuzzis, was für ein toller Hecht ich bin.

 

So ist zum Beispiel US-Präsident Obamas Klout-Score 99, der von meiner Grossmutter 1. Und wenn Sie jetzt meinen, Sie müssten einfach nur tausende Facebook-Freunde und Twitter- bzw. Instagram-Follower sammeln, um einen richtig grossen Score zu bekommen – falsch gedacht. So einfach ist das nämlich nicht.

 

Reichweite und Impact werden nicht nur dadurch ermittelt, dass man viele Leute im Netzwerk hat. Es wird auch die Interaktion gemessen, also Kommentare und das Teilen von Ihren Inhalten zählen mehr als ein Like oder ein Follower. Aber auch wenn Ihnen sehr viele Leute folgen, Ihre Inhalte kommentieren und teilen, dann macht das nur den kleineren Teil aus. Es kommt auch darauf an, WER Ihnen folgt und Ihre Bildli und Posts verbreitet. Einflussreiche Kommentierer und Follower heben den Rank um einiges mehr als der normale Fredi Bünzli.

Es ist wie im Leben: Roger Federer scort besser als der normale Fredi Bünzli.

Wenn zum Beispiel Roger Federer (zurzeit Nummer-1-Score in der Schweiz) meine Büsiföteli kommentiert, dann hebt das meinen Score viel mehr, als wenn 500 «normale» Freunde ein «Jö» drunterschreiben. Es entsteht also eine Art Elite. Wir, die wir einen Score über 70 haben und «Influencer» genannt werden, können uns gegenseitig den Klout-Score nach oben pushen. Natürlich tun wir das nicht. Im Gegenteil, je näher unsere Scores sich sind, umso neidischer verweigern wir uns gegenseitig die Anerkennung. Weil wir ja den grösseren wollen und anderen sicher nicht dabei helfen, uns zu überholen. Wär ja noch schöner!

 

Niemand weiss genau, was der Klout-Score wirklich aussagt, noch wie er genau ermittelt wird. Und würde man nachschauen, wäre der verwendete Algorithmus sowieso nur eine mathematische Fremdsprache. Aber viele in der Branche verlassen sich auf diese Zahl. Was wir aber wissen, ist, dass Klout zwar Reichweite und Impact der Social-Media-Kommunikation messen kann, aber nicht deren Relevanz. Wie sonst könnte DJ Bobo höher eingestuft werden als ein seriöser und ungemein wichtiger Blogger wie ich? Hä?

 

Aber einmal im Jahr, im September, ist meiner grösser als die anderen. Dann steigt er immer um ungefähr vier Punkte. Weil mir viele Leute online zum Geburtstag gratulieren. Sie sehen, das Messinstrument der Social-Media-Branche ist ein akkurat geschliffenes Skalpell der Kommunikationswissenschaft.

 

Die Schweizer Rankings finden Sie übrigens unter einflussreich.ch

 

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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