Kolumne

7 Social-Media-Vorsätze für 2016

Reda El Arbi, 4. Januar 2016

Man nimmt sich ja fürs neue Jahr immer Sachen vor, die das eigene Leben verbessern sollen. Meist Dinge, von denen man bei genauerer Betrachtung und etwas Ehrlichkeit weiss, dass man sie nicht einhält. Da ich einen grossen Teil meiner Arbeitszeit in den sozialen Medien verbringe, hab ich mir meine nicht einzuhaltenden Vorsätze auch in diesem Bereich gesucht.

 

 

1. Nicht aufregen


Meist sehe ich einen Post vom Freund eines Bekannten, in dem irgendwas verurteilt oder gefeiert wird, das mir tierisch gegen den Strich geht. Etwas, das mich wirklich aufregt und mich stundenlang Online-Diskussionen führen lässt. 2016 werde ich keine Zeit mehr auf Streitereien mit Leuten verschwenden, die ich nicht kenne, die ich nicht überzeugen kann und die eigentlich nichts mit mir und meinem Leben zu tun haben. Ich schwör!

 

 

2. Keinen Schwachsinn  verbreiten


Oft sehe ich einen Link oder ein Statement, das mich sofort anspricht und das ich meinem Netzwerk sofort und mit Begeisterung weiterleiten muss. Natürlich, ohne erst die Quelle oder den Wahrheitsgehalt zu überprüfen. So tappe ich dann immer in die Falle, Bullshit von zweifelhaften Seiten zu posten und muss mich danach für die Verbreitung von solchem Schwachsinn entschuldigen. Ich werde keine nicht verifizierten Informationen mehr verbreiten. Ich schwör!

 


3. Keine Fake-Freundschaften mehr


Als Mann bin ich besonders gefährdet, Leute in mein Netzwerk zu lassen, die da eigentlich nichts verloren haben. Meist reicht ein Profilbild einer jungen, hübschen Dame mit Namen wie «Vanessa» oder «Chrystal», um mich auf «Freundschaftsanfrage annehmen» klicken lässt. Und danach werde ich mit «Super VIP»-Einladungen für Partys gespamt, die ich nicht mal für viel Geld besuchen würde. Dem werde ich in Zukunft widerstehen. Ich schwör!

 


4. Saubermachen


Passend zu den in Punkt 3 erwähnten Damen wimmelt es in meiner Friendslist auch von Spinnern und schrägen Vögeln, deren Nerv-Faktor höher ist als ihr Unterhaltungswert. Leute, die mich vor Chemtrails warnen, die Impfen grundsätzlich für eine Verschwörung der Bill-Gates-Foundation halten, die mir Astral-Fernheilungen anbieten, wenn ich in einem Post über eine Erkältung jammere, und die sich auf Facebook über die Datensammelwut von Facebook beschweren. Ich werde durch meine Freundesliste gehen und alle entfernen, die in einer parallelen Realität leben. Ich schwör!

 

 

5. Relevanz pflegen


Natürlich poste ich Bilder meiner Kaffeetasse und vom Regenwurm, den so ein rücksichtloser Raser vor meinem Haus überfahren hat. Und täglich habe ich vier Posts zu meinem aktuellen Befinden wie «gelangweilt», «immer noch gelangweilt», «voll im Stress» oder «wieder gelangweilt». Ich werde mir in Zukunft überlegen, ob mindestens zwei meiner Bekannten an dem interessiert sein könnten, was ich gerade mitteilen will. Ich schwör!

 


6. Nur noch ehrliche Likes


Ich werde nichts mehr «liken», was mir nicht wirklich entspricht. Keine Likes mehr für Kinderbilder von Menschen, die ich noch nie getroffen habe und deren Kinder mich weniger interessieren als die Inhaltsstoffe einer Büchse Ravioli. Keine Mitleid-Likes mehr für Posts, die völlig banal sind, deren Urheber ich aber eigentlich mag. Keine Retour-Likes mehr für dämliche Posts, nur weil die postende Person viele meiner Sachen liked. Nur noch ehrliche Anerkennung per Like-Button. Ich schwör!

 


7. Keine Showbühne

 

Ich werde meine Profilbilder nicht 40-mal aufnehmen und danach zwei Stunden mit Filter und Photoshop bearbeiten, bis ich wie ein Filmstar aussehe. Ich predige schliesslich dauernd Authentizität, da kann auch mein Profilbild mal so aussehen, wie durchgekaut und ausgespuckt. Das entspricht nämlich viel eher der Realität als meine Posterboy-Machwerke. Dann sind die Leute auch nicht so überrascht, wenn sie mir im echten Leben mal begegnen. Keine Show mehr. Ich schwör!

 

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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