Kolumne: Reda El Arbi

Hackts bei dir, Zuckerberg?

Reda El Arbi, 7. September 2016

Kannst du deine gierigen Griffel nicht von meinen persönlichen und beruflichen Kontakten lassen? Als du Whatsapp kauftest, versprachst du uns hoch und heilig, die Kontaktlisten nicht für deine Facebook-Psychogramme zu benutzen, die du dann Dritten zwecks besseren Werbetargetings verhökerst.

 

Nun, kaum zwei animierte Facebook-Jahresrückblicke später, brichst du dein Versprechen und grabbelst nach den Nummern meiner geheimen Geliebten, meinen journalistischen Quellen und meinem direkten Draht zu Anonymous. Ich dachte, wir hätten einen Vertrag? AGB?

 

Nur der Teufel lässt Verträge unterschreiben (oder anklicken), die er dann alleine im Nachhinein ändern kann.

 

Nur der Teufel lässt Verträge unterschreiben (oder anklicken), die er dann alleine im Nachhinein ändern kann. Würde ich das machen («Sorry, ihr kriegt jetzt einen anderen Text, zu einem anderen Preis»), sähe ich mich vor Gericht gezerrt.

 

Ich hab ja bereits eingewilligt, dir für die Benutzung von Facebook meine Seele zu verkaufen. Du siehst mein ganzes Leben, darfst es auswerten und die Ergebnisse meistbietend verhökern. Aber wenn ich dir die Seelen meiner Freunde auch noch auf einem Tablett liefern soll, hat es ein Ende.

 

Der «Hack» ist bei der Facebook-Sekte so zu verstehen, dass man bestehende soziale und wirtschaftliche Systeme infiltriert und verändert.

 

Ich hab kürzlich in einem Porträt über dich gelesen, dass es dir nicht um Geld gehe. Geld sei dir egal. Dir gehe es um den Hack. Der «Hack» ist bei der Facebook-Sekte so zu verstehen, dass man bestehende soziale und wirtschaftliche Systeme infiltriert und verändert. Dass man quasi den Code einer bestehenden Struktur von innen heraus neu schreibt. Das macht mir fast noch mehr Angst, als wenn du ganz profan hinter dem Rubel her wärst. Du bist ein idealistischer Visionär. Und von denen ging bisher jedes grössere Übel in der Menschheitsgeschichte aus.

 

Mit deinem Griff in die Telefonkontakte bewegst du dich aus der Social-Media-Welt direkt mitten in die gesellschaftliche Struktur.

 

Und jetzt gehst du zu weit. Mit deinem Griff in die Telefonkontakte bewegst du dich aus der Social-Media-Welt direkt mitten in die gesellschaftliche Struktur. Du siehst, wer wann wie lange mit wem kommuniziert hat. Du siehst die unsichtbaren Netzwerke von Unternehmen, Behörden, Institutionen und Privatpersonen. Du siehst nicht nur, wem ich meine Facebook-Essensbildli zeigen will, du siehst in Echtzeit mein ganzes berufliches, politisches und privates Beziehungsnetz. Du hast nämlich nicht nur Zugriff auf die Kontakte, sondern auch auf die Übertragungsdaten.

 

Damit ist es genug. So viel Macht gehört nicht in die Hände eines Konzerns, egal wie hip er gerade ist. Natürlich schwörst du hoch und heilig, die Daten nicht zu missbrauchen. Du hast sie nur so rumliegen. Und ich traue dir darin genau gleich weit, wie ich den AGB noch traue. Nun, einfach um ein Zeichen zu setzen: Ich hab Whatsapp gelöscht. Zuerst hab ich den Account auf einem kaputten Handy eingerichtet, das keine Kontaktdaten mehr drauf hat, dann hab ich synchronisiert. Und dann gelöscht. Ich kann gut ohne Whatsapp leben, ich hab das lange gemacht.

 

 

Und du, lieber, gieriger Zucki, musst ohne Innenansicht meines Handys, meiner Firma, meiner Kollegen und Freunde leben. Von mir aus kannst du in den Wald, Holz hacken.

 

Netzfunde

In seinem virtuellen Fundbüro stellt Autor und Blogger Reda El Arbi Schätze aus, die er täglich im Social Web findet.

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