Kolumne: Bernhard Imboden

Welches Parfüm trägt Susanne Wille?

Bernhard Imboden erinnert sich ans Fernsehen von früher zurück und beschreibt, wie er es sich in der Zukunft vorstellt.

Bernhard Imboden, 27. Juli 2017

In den letzten Wochen konnte man sich im Rahmen von «Hallo SRF» für diverse Kurzeinsätze beim Schweizer Radio und Fernsehen bewerben. Unter anderem als Redaktor/Moderator von 10vor10. Das Thema: «Das Fernsehen der Zukunft». Wer den Blick in die Kristallkugel wagt, sollte auch die Vergangenheit kennen.

 

An das TV-Gerät, welches wir Ende der 70er Jahre zuhause hatten, erinnere ich mich noch genau. Zum Einschalten musste man einen Knopf ziehen, der aussah wie der Zigaretten-Anzünder im Auto. Der Ton war immer sofort da. Bis auch das Bild zu flimmern begann, konnte man gefühlt noch in Ruhe sein Dessert essen. Empfangen haben wir gerade mal drei Schweizer Sender. Einen davon konnte ich sogar schauen, weil ich die Sprache verstand. Aber hey, immerhin schon in Farbe! Schon damals verfügte ich über eine Fernbedienung. Sie hatte sogar einen Namen: Cornelia. Da Sender wechseln oder Lautstärke regulieren nur am Kasten möglich war, verdonnerte ich jeweils meine jüngere Schwester zum Aufstehen.

Ich weiss noch, wie ich den Installateur fragte, ob man während einer Aufnahme sprechen darf.

Allmählich kamen die ersten deutschen Sender. S’Äffle und S’Pferdle im Werbeblock der ARD gelten für mich als die ersten Stand-up Comedians im TV, die Spider Murphy Gang in der ZDF Hitparade als erste Boygroup.

 

Irgendwann schaffte mein Vater einen Videorecorder an. Geschätzte 13 kg schwer, die Kassette nicht mitgerechnet. Ich weiss noch, wie ich den Installateur fragte, ob man während einer Aufnahme sprechen darf. Ich hatte Angst, mein Gelabber sei später auf dem Band zu hören.

Dann kam die DVD, gefolgt von Blu-ray, und schliesslich das digitale TV mit über 300 Sendern. Dass ich heute 10vor10 auch 10nach10 schauen kann, ist so logisch wie Werbung vor der Tagesschau.

 

 

Mein Fernsehen der Zukunft

Wenn es nach mir geht, wird der Fernseher kein Gerät mehr sein, sondern eine App. Als Projektion, überall, in 3D, lebensgross und gestochen scharf. Bewegte Bilder und Informationen aus dem Internet verschmelzen wie Mozzarella und Tomaten auf einer Pizza. Drei Beispiele:

 

 

Werbung und künstliche Intelligenz

Die Zeiten, in denen mir Werbung für Katzenfutter vorgesetzt wird, obwohl alle Miezen im Quartier einen grossen Bogen um unseren Hund machen, gehören der Vergangenheit an. Künstliche Intelligenz macht's möglich. Indem ich Werbespots bewerten kann lernt das TV, dass Bierwerbung bei mir eher eine Kaufhandlung auslöst als Tampons.  

Wenn es mich interessiert, wie gut ich im Anzug von Arthur Honegger aussehe, kann ich mich virtuell darin einkleiden. Rote Krawatte inklusive.

Augmented Reality

Das Zauberwort heisst «Embedded advertising.» Will ich wissen, welches Parfüm Susanne Wille trägt, tippe ich auf Ihr Dekolleté und das Fläschchen wird eingeblendet. Augmented Reality sei Dank. Natürlich kann ich das Wässerchen direkt per Sprachbefehl bestellen. Wo «eine Wille», da ein Weg, sozusagen. Oder wenn es mich interessiert, wie gut ich im Anzug von Arthur Honegger aussehe, kann ich mich virtuell darin einkleiden. Rote Krawatte inklusive. Mit Andrea Vetsch twittere ich schon während der Sendung und nicht erst, wenn die Party schon vorbei ist.

 


Intelligentes Zeitmanagement

In Zukunft werden meine TV-Gewohnheiten automatisch mit meinem Terminkalender synchronisiert. So weiss meine Frau: Wenn der FC Sion spielt, kann sie mich nicht zu Gartenarbeit verdonnern.

 

 

#Ja


Das Fernsehen der Zukunft hat mit dem Fernsehen meiner Kindheit nicht mehr viel gemeinsam. Ob ich mich mit so viel «Wissen» über die Zukunft bei SRF für den Kurzeinsatz bei 10vor10 beworben habe? Sicher doch! Ich wollte Ihnen schon immer mal als Hologramm zuwinken, während Sie beim Joggen nach Luft ringen.

 

 

Bernhard Imboden

Als Marketing Writer/Texter bei Swisscom schreibt Bernhard Imboden

über Erlebnisse in der digitalen Welt aus Sicht eines Kommunikationsprofis. Er ist Heimweh-Walliser, Vater und Fan des FC Sion. Nebenbei engagiert er sich im Vorstand von DEBRA Schweiz für die Schmetterlingskinder.
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