Smartphone-Nutzung beeinflusst die Zufriedenheit

Handy-Abstinenzler sind nicht glücklicher

Dass zu viel Bildschirmzeit den meisten Jugendlichen nicht guttut, dürfte Eltern nicht sonderlich überraschen. Doch auch die völlige Abstinenz macht nicht zufriedener, besagt eine neue Studie. Am besten sei eine moderate Verwendung von mobilem Internet und Social Media.

Felix Raymann (Text), 11. April 2018

Die pauschale Aussage, dass zu häufige Bildschirm- und Internetnutzung Jugendliche unzufrieden macht, trifft zwar in vielen Einzelfällen nicht zu. Sie stimmt aber tendenziell, wie mehrere Studien, kürzlich etwa die Studie der Universität San Diego belegen. Die gross angelegte Befragung ergab, dass Jugendliche, die mehr Zeit mit Sozialen Medien, Internet und Chats verbringen, im Durchschnitt unzufriedener sind als jene, die häufiger draussen sind, Sport treiben und ihre Freunde vermehrt persönlich treffen. Die Daten für die Studie bezogen die Forscher aus der langjährigen US-Befragung Monitoring the Future, bei der über eine Million Schüler regelmässig befragt werden.

 

 

Der goldene Mittelweg

 

Es ist nun aber nicht so, dass die Jugendlichen umso zufriedener sind, je weniger sie an ihrem Gerät hängen. Am zufriedensten sind laut der Auswertung der Studie die Teenager, die täglich etwa eine Stunde online sind. Die Zufriedenheit sinkt sowohl bei längerer durchschnittlicher Nutzungsdauer als auch bei kürzerer Nutzungsdauer. Warum gehören die Abstinenzler nicht zu den zufriedensten Jugendlichen?

 

Martin Hermida ist wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Pädagogischen Hochschule Schwyz und spezialisiert auf Medienkompetenz, Mediensozialisation und Medieneffekte. Er hat eine Vermutung: «Elektronische Medien sind aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Wir brauchen sie, um uns zu unterhalten, um uns zu Informieren und um mit unseren Freunden in Kontakt zu bleiben.» Wenn man auf alle diese Sachen verzichten muss, sei es gut möglich, dass sich dies auf das Wohlbefinden auswirkt. «Elektronische Medien mit Mass zu nutzen, gehört heute dazu, um am gesellschaftlichen Leben teilhaben zu können», erklärt Hermida.  

 

 

Nicht nur die Dauer, sondern auch die Art des konsumierten Inhalts kann sich auf die Zufriedenheit der Handynutzer auswirken.

 

 

Glücklich ist, wer seinen Konsum dosieren kann

 

Es drängt sich jedoch eine weitere Frage auf: Sind Jugendliche unzufriedener, weil sie zu viel Zeit am Handy verbringen? Oder sind es die aus anderen Gründen unglücklichen Jugendlichen, die vermehrt vor den Bildschirm und in die virtuelle Welt flüchten? «Einen kausalen Zusammenhang zeigt die Studie nicht, lediglich eine Korrelation. Die Autoren weisen auch darauf hin, dass es andere Faktoren gibt, die in Frage kommen. So führt die intensive Nutzung elektronischer Medien zu einer geringeren Schlafqualität, was auch eine Ursache für die abnehmende Zufriedenheit sein kann», sagt Hermida.

«Wenn sich Anzeichen einer Sucht zeigen, sinkt die Zufriedenheit ziemlich sicher.»

Martin Hermida, Wissenschaftlicher Mitarbeiter Pädagogische Hochschule Schwyz.

Die Resultate sind mit Vorsicht zu geniessen. Oft zeigt sich nämlich, dass es bei einigen Jugendlichen sehr starke Effekte gibt, bei vielen anderen jedoch nur sehr schwache. «Wenn sich Anzeichen einer Sucht zeigen, sinkt die Zufriedenheit ziemlich sicher», sagt Hermida. Die Studien-Autoren raten den Jugendlichen, digitale Medien täglich nicht länger als zwei Stunden zu nutzen. Und: Eine Stunde digitaler Medienkonsum pro Tag scheine die optimale Dosis zu sein.

 

Solche generellen Empfehlungen will Martin Hermida nicht geben. Die Effekte der Bildschirmnutzung zu generalisieren, sei problematisch. Entscheidend ist, was die Jugendlichen am Bildschirm machen. «Deshalb kann man auch keine verbindlichen Empfehlungen zur Bildschirmzeit oder zur Mediennutzung nennen», hält Hermida fest. «Die Auswirkungen sind nicht derselben, wenn zum Beispiel eine Person täglich eine Stunde Gewaltfilme schaut, und eine andere Person täglich zwei Stunden Online-Schach spielt.» Entscheidend neben der Nutzungsdauer ist vor allem auch der genutzte Inhalt.

Medienstark

Für Familien ist ein verantwortungsvoller Umgang mit den neuen Medien eine tägliche Herausforderung. Auf der Plattform Medienstark finden Eltern und Jugendliche die nötigen Kniffs für den kompetenten Umgang.

 

 

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