Medienstark: Apps für Kinder

Schni-, Schna-, Schn-App-i

Apps für Kinder sollten gewisse Kriterien erfüllen. Für Eltern gilt es, ein paar einfache Hinweise zu beachten, um die richtige Auswahl zu treffen.

Mario Wittenwiler (Text), 9. Februar 2018

Das Kind schreit und will beschäftigt werden. Gerade jetzt will man aber unbedingt noch ein wichtiges Mail fertig schreiben oder das Mittagessen zubereiten. Nun ist es eine verlockende Idee, dem Dreikäsehoch das Tablet oder Smartphone in die Hände zu drücken. Michael In Albon hält nicht viel davon, Kinder mit einer App ruhigzustellen. «Als Jugendmedienschutz-Beauftragter sage ich: ‹Nicht erlaubt.›»

 

 

«Als Vater erlebt man Situationen, in denen man den Aufmerksamkeit heischenden Erstklässler für die Dauer eines wichtigen Telefonats in ein Handyspiel eintauchen lässt.»

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom

 

Den Blick vom Bildschirm heben

 

Die aktuelle Studie JAMESfocus der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW) in Zusammenarbeit mit Swisscom fordert Erwachsene und insbesondere Eltern dazu auf, Vorbilder zu sein und Kindern Alternativen zum Internet aufzuzeigen, um der Langeweile zu begegnen. Beispielsweise indem sie nichtmediale Aktivitäten fördern, bei denen sich die Jugendlichen als kompetent erleben können und Anerkennung erhalten: Versteckenspielen im Freien, Sport, Pfadi – Möglichkeiten gibt es viele. Man muss sie aber erkennen, und sie fordern Zeit und Anteilnahme. Dafür müssten eben auch die Erwachsenen den Blick mal vom Bildschirm heben.

 

 

Das Video zum Song «Are You Lost In The World Like Me?» von Moby & The Void Pacific Choir hält dem Smartphone-Missbrauch den Spiegel vor.

 

 

200 000 Apps für Kinder

 

Experten empfehlen, Kinder nicht einfach mit einem Trickfilm abzuspeisen, sondern sie stattdessen mit einer hochwertigen App spielerisch zu beschäftigen. Für Kinder unter zwei Jahren machen Apps in der Regel keinen Sinn. Generell ist es nicht einfach, Apps mit altersgerechten Inhalten und ansprechender Qualität zu finden. Total wurden über 200 000 Apps speziell für Kinder entwickelt: solche, die beim Einschlafen helfen, Apps zum Rechnen oder Buchstabieren, Apps zum Entdecken der menschlichen Anatomie, des Weltraums oder der Technik eines Autos, Apps zum Zeichnen oder mit dem Charakter von Wimmelbüchern. Sogar den Kinderbuchklassiker «Der kleine Prinz» gibt es als App für Android und iOS. Durch diesen Dschungel führen Websites wie AppAdvisor. Mindestens sollten Eltern die Reviews auf Seiten wie apps-und-moritz.ch lesen.

«Kleine Kinder verpassen nichts, wenn sie noch nicht fernsehen. Sie lernen erst mit der Zeit, zwischen Realität und Fiktion zu unterscheiden. Und das gelingt ihnen am besten, wenn ihnen der Unterschied von ihren erwachsenen Bezugspersonen erklärt wird.»

Evelin Hipeli, Medienpädagogin

Lieber ein paar Franken investieren

 

«Generell empfiehlt es sich, ein paar Franken zu investieren», sagt Michael In Albon. Kostenpflichtige Apps belasten das Jahresbudget mit 20 bis 50 Franken. «Ihr Vorteil: Sie werden regelmässiger aktualisiert und haben meist einen grösseren Leistungsumfang als Gratis-Apps.» Viele Gratis-Apps werden durch Werbung finanziert. Dadurch können Kinder beispielsweise auf den YouTube-Kanal geleitet werden, weil sie auf das Werbebanner klicken. Ebenfalls zu vermeiden sind Apps, bei denen man persönliche Daten wie E-Mail, Adresse oder Telefonnummer angeben muss.

 

 


Drei Fragen an Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom

 

Was halten Sie von Apps als Einschlafhilfen?

Das ist Quatsch. Zum einen gehören Bildschirme nicht neben das Bett. Schon nur das Licht eines Bildschirms mit seinem hohen Blau-Anteil hemmt die Produktion von Melatonin, und deshalb werden wir nicht müde. Zum Zweiten eignet sich eine andere – völlig analoge – Erfindung viel besser, Kinder in den Schlaf zu wiegen: Lesen Sie Ihren Zöglingen wieder einmal aus einem Kinderbuch vor.

 

Auf welche «Gütesiegel» sollten Eltern bei einer App achten?

Es gibt sowohl bei Apple wie bei Android Ratings für Apps, die angeben, ab welchem Alter sie freigegeben sind. Bei Android basieren sie auf dem internationalen Standard PEGI (Pan European Game Information), Apple nimmt eine eigene Kategorisierung vor. Eltern sollten die verschiedenen Apps und Games einzeln anzuschauen und testen. Die Chat-App KiK zum Beispiel ist bei Kindern sehr verbreitet, das Rating bei Android empfiehlt aber eine elterliche Begleitung. WhatsApp ist für Kinder ab 3 Jahren freigegeben, birgt aber Risiken für Werbefallen oder sogar Grooming – dass also Erwachsene hier gezielt Kinder und Jugendliche ansprechen mit dem Ziel, sexuellen Kontakt mit ihnen zu haben.

 

Mit welchen Sicherheitseinrichtungen kann man verhindern, dass Kinder auf Inhalte abrutschen, die sie nicht sehen dürften?

Für Kinder im Primarschulalter empfehle ich einen Inhaltsfilter. Und zwar einen, der sowohl Blacklists – alles offen, aber bestimmte Sites gesperrt – als auch Whitelists – alles gesperrt, aber bestimmte Sites erlaubt – handhaben kann.

 

 

 

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