Chatten gestern und heute

Ich, die Digital Native aus den Bergen

Ich bin mit Chats, Social Media und Capuns aufgewachsen – habe Aufstieg und Untergang verschiedener Online-Kanäle hautnah miterlebt. Grüazi, Sie können mich Digital Native nennen.

Piera Cadruvi (Text), 14. Januar 2016

Das «Willst du mit mir gehen? Bitte ankreuzen: Ja, Nein, Vielleicht» war von kurzer Dauer. In der Primarschule war das noch in, nach der «Jungs sind so grusig»-Phase. In der 5. und 6. Klasse, um das Jahr 2003, kamen dann aber die Chats auf – und dann ging’s los: Ein Chatroom hat den anderen abgelöst und soziale Netzwerke schossen wie Pilze aus dem Boden. Ein Überblick – oder wie Online-Kanäle und ich uns gemeinsam entwickelt haben.

 

 

Der Bluewin Chat


Um das Jahr 2003 herum war der Bluewin Chat hoch im Trend. Nach der Schule lautete es dann immer: «Bisch hüt Obig im Bluewin Chat?» Kannte ich mein virtuelles Gegenüber nicht, lautete die erste Frage: «Vu wo bisch?» Wer nicht aus der Umgebung war, war nicht spannend und wurde wieder weggeklickt. Wer diese Frage überstanden hatte, wurde nach dem Alter und zuletzt «Kanti oder Sek?» gefragt. Denn eigentlich wollte ich sowieso nur mit meinen Freundinnen, meinem Schwarm oder einem tollen Typen meiner Oberstufe chatten.

 

 

 

 

Der MSN Messenger

 

Die MSN-Zeit war toll. Stundenlang sassen wir am Computer und schickten uns Smileys, lange Nachrichten oder Grimassenfotos. Hinzugefügt habe ich meine Freunde via E-Mail. Ein geschützter Rahmen also, in dem ich mit meinen Freundinnen über andere Freundinnen oder Jungs reden konnte. Und das bis tief in die Nacht.

 

 

Netlog


Netlog war eine kurze Geschichte. Für mein Profil konnte ich ein spezielles Design auswählen – Emos und Sternchen waren in dieser Zeit der Renner. Ich schwankte immer zwischen Netlog Schwarz, Love und Pink Flamingo. Dazu hat jeder Nutzer Fotos von sich raufgeladen – überdeckt von einem supergescheiten Zitat wie «Träume nicht dein Leben, lebe deinen Traum». 

 

 

Facebook

 

Das Facebook von 2008 und das Facebook von heute sind zwei komplett unterschiedliche Dinge. Statusmeldungen wurden rege genutzt. Zu rege. Der Alltime-Favorit: «Miar gohts scheisse». Kommentar: «Shadzz was isch los?». Antwort: «Segi nid».

 

Und heute? Mittlerweile haben Werbebeiträge die Statusmeldungen abgelöst. Anstelle von «I gohn hüt go boarda» oder «miar isch langwilig» erscheint auf meiner Chronik etwa «vorgeschlagener Beitrag: Die Stellen für Suchtprävention im Kanton Zürich – hast du den Alk noch im Griff?»

 


Whatsapp


Seit es Internet auf dem Handy gibt, gibt es auch WhatsApp auf dem Handy. Bei mir zumindest. Jederzeit bereit, jederzeit erreichbar. Kurz: WhatsApp ist tolle Emojis verschicken, Bilder versenden und einen Gruppenchat nach dem anderen gründen.
 
In unserem WG-Gruppenchat heisst es denn etwa: «Wer spielt hüt Obig no Ligretto?» 

 

 

 

Über die Autorin:

 

Piera Cadruvi ist in Domat/Ems (GR) aufgewachsen, hat mittlerweile aber den Sprung in die grosse Stadt Zürich geschafft. Sie hat sich schon früh für Chats und Social Media interessiert und haut fleissig in die Tasten – auf Instagram, Facebook, WhatsApp und jetzt auch für Swisscom Storys: Seit Anfang 2016 unterstützt sie das Autorenteam mit Texten aus der Sicht einer Digital Native.