Serie: Helmi kocht

Thai-Suppe à la App

Kochen soll dank digitaler Helfer einfacher werden. Aber wird das Essen via Rezepte-App tatsächlich besser? Hobby-Koch Helmi Sigg versucht sich für Storys an fünf seiner Lieblingsspeisen. Heute: «Thai Food».

Helmi Sigg (Text), Barbara Sigg (Fotos), 5. April 2016

Als Freund der thailändischen Küche konnte ich dieser App nicht widerstehen, denn bis jetzt hatte ich mich nicht mit der Zubereitung von Thai-Food auseinandergesetzt – sondern eher mit dessen ausgiebigem Verzehr.

 

Der Recipes-Button führt zu einer ansehnlichen Untermenü-Auswahl von «Appetizers» über «Fish», «Meat» hin bis zu «Vegetarian». Ich entschliesse mich für «Soups». Fünfzehn stehen zur Auswahl. Meine Entscheidung: «Chicken and Coconut Soup». Ich tippe darauf: Ein Werbe-App will wissen, welcher Abnehm-Typ ich sei und offeriert mir einen BodyChange-Test. Klick und weg!

 

 

Schwer verdauliche Übersetzung

 

«2 tablespoons ginger oil, (if you don’t have any ...). Ich scrolle mich durch die Zutaten- und Mengenangaben, zuunterst bietet mir ein Auto-Translator zwölf Sprachen an. «German» ist zwar auch dabei, aber Sätze wie «16 Unzen (0,5 kg) Hühnerbrühe, hausgemachte bevorzugt, wenn du nicht auf der Hand, stellen sie sicher, niedrige Natrium-Brühe zu verwenden» lassen mich das Schlimmste befürchten.

 

 

HELMI KOCHT - DIE REGELN:

 


Die drei eisernen Regeln, nach denen unser Autor Helmi Sigg die Koch-Apps testet:


1. Ich koche nur Rezepte, die ich noch nie zubereitet habe.

 

2. Absolutes Einhalten von Zutaten, Mengenangaben und Kochzeiten.

 

3. Eigene Koch-Skills und Tricks dürfen nicht angewendet werden.

 

 

 

1/6 Man nehme: Die von der App aufgelisteten Zutaten für die Thai-Suppe.

2/6 Der Koch hält sich strikte an die Anweisungen der App.

3/6 Pouletfleisch-Tranchen kommen ebenso in die Suppe ...

4/6 ... wie Gemüse.

5/6 Dazu «Hühnerbrühe, hausgemachte bevorzugt».

6/6 Die App «Thai Food» hält Rezepte für vegetarische Menüs, für Fleisch- und Fisch-Gerichte sowie für Suppen bereit.

1/6 Man nehme: Die von der App aufgelisteten Zutaten für die Thai-Suppe.

 

 

Eine separate Liste der Zutaten fehlt, doch das sollte kein Problem sein. Soll ich ganz im digitalen Sinne nur einen Screenshot davon machen oder doch lieber eine analoge Liste, also ganz banal Papier und Bleistift verwenden? Ich entscheide mich für eine Zwischenlösung und benutze einen Ausdruck ab Computer.  

 


Kochen mit Hindernissen

 

Wichtig beim Kochen ist ein gewissenhaftes Mis en place. Das ist die Bereitstellung der benötigten Zutaten, Gewürze und Arbeitsutensilien. Gar nicht so einfach, denn ich arbeite mit meinem Handy, das ich dort platzieren muss, wo es am wenigsten verschmutzt wird. Im Küchenjargon heisst es zwar: Wer eine Omelette zubereitet, muss Eier zerbrechen. Aber mein iPhone ist mir dann doch etwas zu teuer. Dazu kommt, dass der Bildschirm des iPhones nach kurzer Zeit schwarz wird, und ich mit verschmutztem Daumen meine Identität bestätigen muss.  

 

 

Das Resultat sieht zwar gut aus, schmeckt aber nicht.  

 

 

Gibt es eine Möglichkeit, dieses lästige Verschwinden der Oberfläche zu verhindern? Keine Zeit. Bin jetzt am Kochen! Schon wieder schwarz, ich verkneife mir einen kräftigen Fluch, aber hey: kein Stress in der Küche! Genau nach Anleitung füge ich die Zutaten hinzu, halte mich an die vorgegebenen Zeiten. Geduld! Über zwei Stunden braucht die Suppe. Ein guter Koch kostet sein Gericht immer wieder. Ich würde ja gern eingreifen, denn zufrieden bin ich nicht, aber mir sind die Hände durch meine eigenen Regeln gebunden. Schade.  

 
 
Verdikt: Ungeniessbar

 

Am Schluss ist die Suppe beinahe ungeniessbar: sie ist leicht bitter und präsentiert sich wie gestockt. FAIL! Ich bin unzufrieden. Die eher ungenauen und nicht detaillierten Anweisungen lassen mich frustriert zurück. Liegt es am Koch oder am Rezept?  
 
Die App kriegt von mir einen von fünf Sternen. Dafür freue ich mich auf den nächsten Besuch beim Lieblings-Thai.

Kop Khun Krap!

 

 

 

Über den Autor:

 

Helmi Sigg (63) arbeitet als Autor, Blogger und Journalist. Er war Mitglied der legendären Zürcher Comedytruppe Trio Eden. Inzwischen schreibt er an seinem sechsten Hotelbuch, das im Herbst 2016 erscheinen wird. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Koch-App 1: Thai Food

Die App Thai Food gibt es für iPhone und iPad im App Store.

 

 

 

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