Selbsterfahrung mit Apps

Der digitalisierte Dani Ziegler

Dani Ziegler erreichte als mürrischer Bassist bei «Giacobbo/Müller» landesweit Kultstatus. Doch hinter dieser Rolle verbirgt sich mehr: Ziegler tritt nicht nur regelmässig mit dem Appenzeller Kabarettisten Simon Enzler auf, sondern gilt auch als einer der talentiertesten Kleinkünstler des Landes. Die Digitalisierung hat sein Leben verändert.

Dani Ziegler (Text und Foto), 12. November 2015

Wie sich die Zeiten doch geändert haben! Ich erinnere mich noch gut an mein Musikstudium Ende der Neunziger. Wie oft sass ich doch, mit einem Minidisc (gibt’s die Dinger überhaupt noch?) bewaffnet, in irgendeinem Keller und versuchte mühsam, ein Solo oder eine Basslinie zu transkribieren. Dabei war die Schwierigkeit nicht mal das Heraushören selbst, nein, was mich wirklich Zeit und Nerven kostete, war das Setzen von Markern und Pausen auf diesem kleinen Gerät.

 

Und heute? Tja, «there’s an app for that». Es sind nicht mal so sehr die neusten Prozessoren oder die immer mobiler werdenden Rechner, nein, ich glaube vor allem die Apps haben mein Leben als Musiker vereinfacht. Nun ja, «vereinfacht» mag jetzt ein wenig absolut und unkritisch klingen, aber machen wir mal ein Beispiel:

 

Wenn ich auf mein Smartphone schaue, so sind da genau 23 Musik-Apps installiert. Das reicht von Loopy HD über PolyTune und von BlueBoard bis zu AD 480 basic. Zugegeben: Die Namen tönen nicht sehr sexy, aber die Apps erfüllen immer genau einen Zweck. Sie sind einzeln zwar genauso dumm wie mein alter Minidisc, jedoch mit dem kleinen Unterschied, dass ich das «Zeugs» anfassen kann. Was für eine Wohltat!

««Ich glaube, vor allem die Apps haben mein Leben als Musiker vereinfacht.»

Dani Ziegler, Musiker und Kabarettist

Da breitet sich vor mir die grafische Darstellung einer Audiospur aus und ich setze die Päuschen und Loops einfach per Fingertipp an die exakt richtige Stelle. Fazit: Meine Zeitersparnis beim Transkribieren beträgt heute circa 50 bis 60 Prozent – theoretisch. Wären da nicht die ganzen News-Apps! Kaum beim ersten Takt angelangt, schiebt sich nämlich eine «Push Notification» (ein neudeutsches Wort für «Buschnachrichten», mit deren Hilfe sich ja schon die alten Sioux verständigt haben) genau über die Stelle, wo sich mein Zeigefinger gerade von der «Antipp-Position » in Richtung Touchscreen bewegt.

 
Dieser Ablauf ist aufgrund der limitierten menschlichen Reaktionszeit leider nicht mehr rückgängig zu machen und schwups – anstatt der nächste Takt erscheint jetzt ein «20-min»-Artikel mit dem Titel «Kann ein Mann Romantik lernen?». Zumindest weiss ich jetzt, dass laut Doktor Sex das Arbeiten an einer Beziehung wie an einem «Stück Holz» offenbar nicht zum Ziel führt, und dass ich in Zukunft wohl besser nur noch im Flugmodus arbeiten werde.
 
Wie Sie merken, sollten all die neuen digitalen Möglichkeiten also wohlüberlegt eingesetzt werden, und so mancher verwechselt dabei Konzentration mit «Schnell etwas erledigen». Ich für meinen Teil habe meine Lektion gelernt und weiss mittlerweile, wie und wann ich die kleinen Helferlein einsetze. Genau damit werden diese nämlich auch effizient, was man aber nur lernen kann, wenn man sie auch benutzt.

«Nun wissen auch meine Lampen, dass Feierabend ist, und das ganze Licht fadet automatisch aus.»

Dani Ziegler, Musiker und Kabarettist

So, nach dem Verfassen dieser paar Zeilen freue ich mich jetzt auf meinen Feierabend – doch am meisten auf folgendes Szenario: Sobald ich nämlich mein kleines Studio verlasse, merkt der Dienst IF (früher «ifttt»), dass ich mich vom Ort entferne, und löst eine ganze Salve an Aktionen aus. Zuerst wird der Hauptstrom via WeMo-Schalter gekappt. Weil ich aber die zwei Überwachungskameras separat geschaltet habe (natürlich auch je über WeMo), schalten sich diese automatisch ein (sie wissen ja, dass ich gegangen bin, Köpfchen!).

 


Nun wissen auch meine Lampen, dass Feierabend ist, und das ganze Licht fadet automatisch aus. Der Computer begreift jetzt auch, dass keiner mehr tippt, und legt sich schlafen, wobei ich ihn natürlich jederzeit aus der Ferne via Parallels Access und aktiviertes Wake on WLAN zurückholen könnte. Und dann das Highlight! Kaum im Auto, höre ich ein feines Bing an meinem Handgelenk, und siehe da, alles hat wieder bestens funktioniert, und ich erhalte die Bestätigung: «You’ve exited a specific area – view map.» Herrlich, sprich Prost … respektive: Cheers!

 

 

Über den Autor.

 

Dani Ziegler ist ein Appenzeller Musiker und Kabarettist.

www.bretterwelt.ch