Trennung auf Facebook & Co.

Digitale Scheidung: «Mir geht's super ohne dich!»

Wer sich von seinem Partner trennt, trifft ihn weiterhin – nämlich auf sozialen Netzwerken. Das macht den Abschied schwieriger. Was tun?

Biljana Jovic (Text), 3. April 2017

Auf den Fotos bei Facebook, Instagram & Co. lächeln die beiden noch zärtlich umschlungen. In Realität aber sind sie seit dem gemeinsamen Liebes-Strandurlaub kein Paar mehr. Social-Media-Posts werden so plötzlich zu digitalen Altlasten.

 

Die bekannte Schweizer Paartherapeutin und Psychologin Julia Onken kennt die Zeichen, wenn es in einer Beziehung fünf vor Zwölf ist: «Die Krise bahnt sich an – wird aber vorerst noch verdrängt. Ablenkungsmanöver werden gesucht: neue Wohnung, noch ein Kind, eine Reise. Festtage und Geburtstage werden möglichst nicht mehr allein mit dem Partner oder der Partnerin verbracht.»

Er soll nur schnell vorbeigehen, der Herzschmerz. Aber wie geht das in Zeiten digitaler Dauerpräsenz des Ex-Partners?

Aus ihrem jahrzehntelangen Praxisalltag weiss sie: «Wird die Krise bewusst, folgen Reparaturversuche, eventuell auch mit professioneller Hilfe.» Nützt das alles nichts, freundet man sich mit dem Gedanken an eine Trennung an. Es kommt zum Bruch. Was danach die meisten gemeinsam haben: Er soll nur schnell vorbeigehen, der Herzschmerz. Aber wie geht das in Zeiten digitaler Dauerpräsenz des Ex-Partners? Man hat eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Die Unglück-Variante oder die Glück-Variante.

 

 

Anleitung zum digitalen Unglück

 

1. Die Mir-geht's-super-ohne-dich-Fotos
Soziale Medien sind wie Schaufenster. Viele packen nur Ansprechendes in die digitale Foto-Auslage auf Facebook und Instagram: Schön angezogen, kultiviert und an lässigen Veranstaltungen oder inspirierenden Orten. Trotz Trennung lächeln Sie auch digital tapfer weiter und suggerieren Spass. Wem spielen Sie eigentlich etwas vor? Sie haben ein Recht darauf, traurig zu sein.

 

2. Die versteckten digitalen Botschaften
Zitate über Liebeskummer sprechen Ihnen aus der Seele. Kaum gepostet, sieht sie auch der oder die Ex. Die Botschaft soll ankommen – ganz subtil. Es ist aber leider gar nicht subtil, wenn Sie fünf Liebeskummer-Zitate in Folge raushauen. Vielleicht schämen Sie sich im Nachhinein dafür. Gut, gibt's den Delete-Button.

 

3. Die offensichtlich besoffenen Bettelanrufe
Hätten Sie die Nummer doch nur gelöscht! Wenn Sie um halb drei Uhr morgens – wenn an der Party die langsamen Lieder angestimmt werden – kann man schon mal sentimental werden und zum Smartphone greifen. Am nächsten Morgen erinnern Sie sich nicht, worüber sie vierzehneinhalb Minuten sprachen. Ist vielleicht besser so.

 

 

Anleitung zum digitalen Glück

 

1. Schützen sie sich vor sich selbst
Auf Facebook können Sie den «Abonnieren»-Button ausschalten. So erscheint er oder sie nicht auf Ihrer Timeline. Und sie stalken automatisch nicht mehr. Sonst müssen Sie mitansehen, wie der andere ständig unterwegs ist, neue Freundschaften mit dem anderen Geschlecht schliesst und trotz Trennung auf den Fotos so glücklich aussieht. Warum nur?

 

Die App «Killswitch» bietet weitere Unterstützung: Sie macht alle Posts, Bilder oder gemeinsamen Verlinkungen unsichtbar, ohne dass es der oder die Ex merkt. Für Partygänger und Weinliebhaber: «Drunk Mode» (zu Deutsch: Betrunkener Modus) ist eine App, die für gewisse Stunden gewisse Telefonnummern blockiert. Das ist Selbstschutz hoch zehn. Wer trotzdem an die Nummer ran will, muss zuerst komplizierte Mathe-Aufgaben lösen.

 

2. Digitaler Mülleimer
Nutzen Sie Ihr digitales Tagebuch. Ach, Sie wissen noch nichts davon? «Texts I wanna send my ex» (zu Deutsch: Texte, die ich meinem Ex schicken will) ist ein öffentlich zugängliches Google-Docs-Dokument. Eine Art anonymer digitaler Mülleimer, wo sie deponieren können, was Sie dem anderen eigentlich an den Kopf werfen wollten.


Gleichzeitig wahren Sie im realen Leben die Contenance. «Hör auf, mir zu schreiben.», «Ich mochte deinen Hund mehr als dich.» oder «Ich habe immer noch deinen Netflix-Account.» sind nur einige der (zugegeben auch amüsant zu lesenden) Kommentare. Hau rein ohne Konsequenzen, das tut gut.

 

3. Zurück in die Zukunft
Irgendwann nach einer Trennung kommt der Punkt, an dem alles gesagt und alles analysiert ist, viele Tränen geflossen sind und Sie eine neue Richtung brauchen. Gehen Sie wieder raus und lassen Sie PC und Smartphone links liegen. Das echte Leben spielt sich woanders ab! Wenn Sie gute Freunde haben, werden sie Sie an eine Party mitschleppen, auf die Sie keine Lust haben. Gut möglich, dass Sie anfangs ein Gesicht wie drei Tage Regenwetter machen. Aber früher oder später wird Ihnen ein Lächeln über das Gesicht huschen. Das ist ein Anfang.

 

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Julia Onken. Wenn du mich wirklich liebst C.H. Beck Verlag

 

 

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