Notrufsysteme für zuhause und unterwegs

Digitaler Schutzengel fürs Handgelenk

Ein Sturz, ein Kollaps oder ein anderes gesundheitliches Problem – wer in eine Gefahrensituation gerät, ist froh, wenn er schnellstmöglich Hilfe erhält. Digitale Notrufsysteme können Leben retten.

Dr. Jörg Rothweiler (Text und Fotos), 19. August 2016

«Das kleine Ding ist mein Schutzengel», sagt Margrit Reich aus St. Gallen und zeigt auf den Notrufsender, der seit drei Jahren rund um die Uhr ihr rechtes Handgelenk ziert. Der Sender, kombiniert mit einem Notrufgerät samt Mikrophon, Lautsprecher, SIM-Karte und GPS-Ortung, vermittelt ihr ein Gefühl von Sicherheit – im Haus und unterwegs. «Es schenkt mir die Freiheit, mit gutem Gewissen aktiv sein zu können. Für mich ist das wahre Lebensqualität», freut sie sich. 

 

 

Der Notrufknopf am Handgelenk sorgt unterwegs für Sicherheit. Der GSM-Notrufsender in der Hand  kann im häuslichen Pflegebereich oder auch unterwegs benutzt werden.

 

 

Dazu muss man wissen: Die unternehmungslustige 73-Jährige lebt seit 14 Jahren mit der Diagnose Parkinson. Das bedeutet: Mühe beim Gehen, Blutdruckschwankungen mit Schwindelgefühl, erhöhte Sturzgefahr. Im August vor drei Jahren erlitt sie zudem einen leichten Schlaganfall, wenige Wochen danach verlor sie ihren Mann durch einen Bergunfall. Seither wohnt sie alleine, ist gerne unterwegs und möchte möglichst lange selbstständig bleiben, weshalb ihre Kinder ihr das Notrufsystem «verordneten». Seitdem ist Margrit Reich eine von zigtausenden Personen in der Schweiz, die auf einen elektronischen Schutzengel vertrauen.

 

 

Wie funktioniert's?

 

Der Funksender am Handgelenk ist mit einem kleinen Notrufgerät gekoppelt, das über einen Telefonanschluss (analog, ISDN, ADSL, VoIP, Mobilnetz) verbunden wird. Wird der Alarmknopf etwas länger gedrückt, werden automatisch eingespeicherte Kontakte in Folge angerufen: Verwandte, Nachbarn, der Hausarzt oder auch eine Notrufzentrale. Je nach Gerät hört der Empfänger eine programmierte Notruf-Nachricht oder kann direkt mit der hilfesuchenden Person sprechen. Ist zudem GPS integriert, kann die hilfesuchende Person punktgenau geortet werden.

 

 

Das Funkmodul ist wasserdicht und sehr leicht. Das System verfügt über GPS, sodass eine in Not befindliche Person rasch gefunden werden kann.

 

 

Bei Margrit Reichs System, betrieben vom Schweizerischen Roten Kreuz, wird immer zuerst die Notrufzentrale kontaktiert. «Das kostet zwar mehr, hat aber klare Vorteile», weiss sie. Die Zentrale ist immer erreichbar und die Mitarbeiter kennen die zuvor erhobenen Daten der hilfesuchenden Person, wodurch sie sehr wirkungsvoll Hilfe organisieren können. Werden indes nur gespeicherte Privatnummern angewählt, ist das Fehlerrisiko grösser. Es kann besetzt sein, niemand nimmt ab oder es meldet sich ein Anrufbeantworter. Erkennt das System dann nicht, dass eine Maschine abgenommen hat, wird die Notfallkette unterbrochen.

 

Gute Anbieter umgehen dieses Problem dadurch, dass der Empfänger einen eingehenden Notruf durch Drücken einer Taste seines Telefons bestätigen muss. Geschieht dies nicht, etwa weil die Combox antwortet oder ein kleines Kind abgenommen hat, wählt das System automatisch die nächste Nummer. Flexibel zeigt sich die Swisscom: Bei deren Notrufsystem kann der Kunde wählen, ob er nur Privatnummern oder eine Notrufzentrale erreichen können will.

 

 

Knackpunkt Notrufknopf

 

Wichtig war Margrit Reich, dass der Knopf am Armsender gross und jederzeit sicher bedienbar ist. Fehlalarme hat sie dennoch erst ein oder zwei Mal ausgelöst. Sehr gut: bei ihrem System (und bei Swisscom) kostet ein Fehlalarm keine Strafgebühr!

 

Jeden Monat löst sie zudem bewusst einen Testalarm aus. Dabei wird geprüft, ob alles korrekt funktioniert – auch das GPS-Signal. «Einmal», schmunzelt sie, «habe ich den Testalarm vom Park aus getätigt. Da sagte der Mann von der Zentrale: ‚Oh, Sie sind aber gerade an einem schönen Ort!’.»

 

 

Kritik am Design

 

Was Margrit Reich allerdings stört, ist das einfallslose Design des Armsenders. «Jeder sieht sofort, dass ich einen Notrufsender trage. Das finde ich nicht gut.» Und in der Tat schrecken laut Umfragen viele Senioren vor dem Tragen eines Notrufsenders zurück – aus Angst vor Stigmatisierung. Doch die Hersteller lernen dazu: Die Armbandsender des Swisscom SmartLife Care Systems können dank sechs farbiger Hüllen auf die Kleidung abgestimmt werden. Neu gibt es diese auch im Enzian- und im Edelweiss-Design. Und Limmex hat das Notrufsystem samt Handyfunktion in eine Armbanduhr integriert. Als Alarmknopf dient deren Krone.

 

 


Das macht eine gute Notfalluhr aus:

 

  • 3G-Technologie, gute Funk- und Sprachverbindung
  • Sichere und einfache Bedienbarkeit
  • Wasserdichtigkeit
  • GPS-Ortung für unterwegs
  • Notrufzentrale koordiniert die Hilfe
  • Automatisierte Funktionsprüfung
  • Keine Kostenpflicht bei Fehlalarm
  • Installation, Schulung und Wartung durch Fachpersonal
  • Unauffälliges Design
  • Im Bedarfsfall integrierte Sturzerkennung

 

 

 

Die ist im Ernstfall schwieriger zu drücken, als der Knopf von Margrit Reichs Sender. Zudem ist die Uhr nur spritzwassergeschützt, während Margrit Reichs Sender wasserdicht ist. «Ich lasse ihn auch im Bad und beim Duschen an», sagt sie. Und das ist vorbildlich. Denn das Bad ist für alleinstehende Senioren eine der grössten Gefahrenzonen. Und ein Sender, der im Nassbereich abgenommen werden muss, nützt im Notfall nichts.

 

Einige Anbieter, wie Swisscom und Vitatel, bieten auch Sturzsensoren an, die im Fall des Falles automatisch den Notruf auslösen. Das Swisscom Genius kann zudem mit weiteren Sensoren (Rauchmelder, Wassersensor, Alarmtaste mit Sprache etc.) kombiniert werden.

 

 

Unbedingt mit 3G-Technologie

 

Ebenfalls nutzlos werden viele ältere Notrufsysteme ab Ende des kommenden Jahres. Der Grund: Viele der bisherigen Notrufsysteme werden über das analoge Telefonnetz angebunden. Dieses wird Ende 2017 jedoch abgeschaltet. Ein Jahr später, am 31.12.2018, wird zudem auch die 2G-Mobilfunk-Plattform, auf der unter anderem die aktuellen Limmex-Uhren laufen, abgestellt.

 

Daher sollte man bereits heute darauf achten, dass ein Notrufsystem für die 3G-Mobilfunktechnologie geeignet ist (z. B. alle Notrufgeräte der Swisscom) – und dass am Standort eine gute 3G-Signalqualität herrscht. Ebenfalls geprüft werden muss die Funkverbindung zwischen Alarmknopf und Basisstation – und zwar von jedem Zimmer aus.

 

 

Einmal im Ernsteinsatz

 

Bei Margrit Reich wurde all dies vom Kundendienst des Anbieters erledigt. Das ist vorbildlich. Und: Ihr System wird automatisch durch einen täglichen, stillen Testalarm des Notrufgeräts an die Alarmzentrale auf seine Betriebsbereitschaft hin überprüft. Ein sehr wichtiger Service, den auch Swisscom anbietet. Denn so kann Margrit Reich sicher sein, dass ihr Schutzengel auch wirklich parat ist, wenn sie ihn braucht.

 

Das übrigens war bisher erst einmal der Fall – als ihr Nachbar in eine Notsituation geriet. Er hat nun auch ein Notrufsystem, zahlreiche Mitglieder von Margrit Reichs Parkinson-Selbsthilfegruppe ebenfalls. Und sie alle sind sicher: Es ist gut, wenn man auf diese zusätzliche Sicherheit vertrauen kann. Noch besser ist es, wenn man sie niemals benützen muss.  

 

 

ANBIETER VON NOTRUFSYSTEMEN

 

 

Swisscom

SmartLife Care: Stationäre und/oder mobile Notrufsysteme zum Kaufen oder Mieten, 3G-Technologie, wasserdicht. Abo mit Notrufzentrale ab CHF 29.-/Monat.

 

 

 

Vitatel

Stationäres Notrufsystem zum Mieten, 3G-Technologie, wasserdicht. Abo mit Notrufzentrale ab CHF 49.-/Monat zzgl. Aktivierung und Depot.

 

 

 

Limmex

Mobiles Notrufsystem zum Kaufen, Technik in Armbanduhr integriert, aktuell 2G-Technologie, SIM-Karte von Swisscom, spritzwassergeschützt. Abo mit Notrufzentrale ab CHF 29.-/Monat.

 

 

 

Schweizerisches Rotes Kreuz

Stationäre und mobile Notrufsysteme zum Mieten, Vermittlung an Privatnummern, 3G-Technologie, wasserdicht. Abo mit Notrufzentrale und GPS ab CHF 60.-/Monat.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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