Medienkurse für Eltern und Kinder

Erziehung im digitalen Zeitalter

Eltern sehen sich in der Medienerziehung oft in einer Zwickmühle: Man will seine Kinder schützen, sie aber doch bestmöglich auf das Leben in der digitalen Welt vorbereiten. Doch schliessen sich diese beiden Sachen wirklich aus? Sandra (38) und Lukas (40) haben an einem Medienkurs für Eltern in der Schule ihrer Söhne teilgenommen.

Janina Stucki (Text), Tim Loosli (Fotos), 20. April 2017

«Manchmal verbringen wir auch einen verregneten Sonntagnachmittag damit, als Familie einen Disney-Film zu schauen.» Für Sandra und Lukas aus Konolfingen bot der Umgang mit digitalen Medien bis jetzt kaum Anlass für Familiendispute. Ihre beiden Buben Janis (12) und Loris (10) halten sich an die vorgegebenen Regeln: dreimal eine Stunde Gamen pro Woche auf dem Smartphone, dem Tablet oder dem Fernseher sowie drei Stunden Fernsehen. «Unsere Regeln sind nicht in Stein gemeisselt. Uns ist Offenheit ganz wichtig, wir suchen das Gespräch mit unseren Buben und versuchen Ihnen zu erklären, warum wir etwas okay oder weniger okay finden.»


Im Moment geht es Sandra vor allem darum, ihre Kinder zu schützen. Sei es vor sozialer Isolation oder vor nicht altersgerechten Inhalten. Sie weiss jeweils, was ihre Kinder schauen, gamen oder hören. Beide Buben haben ein Smartphone, jedoch ohne Telefonabo. Mitnehmen dürfen sie es nicht, der Gebrauch ist aufs Zuhause beschränkt. Wenn Janis etwas für die Schule recherchieren muss, hilft Sandra ihm dabei und zeigt ihm, mit welchen Suchwörtern er zum Ziel kommt.

 

 

Mutter Sandra hat durch den Medienkurs neues Selbstbewusstsein erlangt.  

 

«Mir ist wichtig, dass die Eltern den Kurs verlassen und wissen, mit welchen Chancen und Gefahren sie es zu tun haben.»

Giorgio Macaluso, Kursleiter

Selber nicht sattelfest

 

Doch was passiert, wenn ihre Kinder ins Teenager-Alter kommen? Sandra wird ein bisschen mulmig, wenn sie an den bevorstehenden Einstieg ihrer Buben in die Welt der sozialen Medien denkt. «In diesem Bereich fühle ich mich überfordert. Es ist mir aber wichtig, dass meine Kinder diesen Umgang ebenso lernen.» Um sich zu informieren, was da noch alles auf sie zukommen könnte, haben sich Sandra und Lukas für den Besuch eines Medienkurses entschieden. Giorgio Macaluso, der Kursleiter, erklärt: «Der Kurs kann nicht alle digitalen Defizite der Teilnehmer in 120 Minuten beheben. Mir ist wichtig, dass die Eltern den Kurs verlassen und wissen, mit welchen Chancen und Gefahren sie es zu tun haben.»

 

 

Vater Lukas will das Interesse seiner Kinder an digitalen Medien auch in Zukunft fördern.

 

 

Die Werkzeuge werden einem also nicht einfach in die Hand gedrückt. Vielmehr geht es darum, aufzuzeigen, welche Werkzeuge überhaupt benötigt werden. «Wenn Eltern nicht wissen, dass Cybermobbing eine reale Gefahr darstellt, wie sollen sie denn überhaupt darauf kommen, dies mit ihren Kindern zu thematisieren?», fragt Giorgio. Wird die Palette der digitalen Risiken erstmal geöffnet, kann dies erdrückend wirken. Allerdings kann das Feld so in kleinere Teile zerlegt und diese im Anschluss Schritt für Schritt entschärft werden.

 

«Ich habe das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit unseren Buben.»

Sandra, Mutter von Janis und Loris«Der Kurs hat mir meine meist technischen Defizite aufgezeigt», so Sandra. «Darüber bin ich froh, nun weiss ich, wo genau ich zusätzliche Inputs benötige oder wo ich an meine Grenzen stosse. Darüber hinaus hat mir der Kurs aber auch Selbstbewusstsein gegeben. Ich habe das Gefühl, dass wir auf dem richtigen Weg sind mit unseren Buben.» Lukas fügt an: «Der Konsum digitaler Medien hält sich bei Janis und Loris sehr im Rahmen. Einerseits aufgrund unserer Regeln, anderseits fehlt ihnen aber teilweise auch noch das technische Interesse und deshalb auch die Versiertheit. Beide sind sehr vorsichtig und fragen schnell um Hilfe. Irgendwann wird sich das aber ändern, und dann möchte ich ihr Interesse auch gerne fördern können. Schliesslich funktioniert heute eigentlich nichts mehr ohne.»

 

 

Janis und Loris konsultieren beim Videospielen auch gerne mal die Komplettlösung als Print-Version.

 

 

Nachlesen ist keine Screen-Zeit


Auch Janis hat an einem Medienkurs teilgenommen. Das Pendant zum Elternkurs gibt es auch für Schüler und Schülerinnen. Sie sollen auf spielerische Weise an einen kritischen Umgang mit digitalen Medien herangeführt werden. Janis Bild davon ist positiv: «Ich weiss jetzt einfach mehr zu dem Thema, das gefällt mir.» Er findet die Regeln, die bei ihm zuhause gelten, übrigens «voll okay». «Ich verstehe, dass es Regeln braucht und bin damit einverstanden. Manchmal wurmt es mich aber schon, wenn ich am Abend ins Bett muss und meine Eltern schauen im Wohnzimmer noch fern.»


Sein Vater Lukas, sein jüngerer Bruder Loris und er spielen manchmal auch zusammen Games. Hoch im Kurs ist im Moment «Zelda». Das praktische daran ist, dass es das Handbuch zum Game auch in Print-Version gibt. Janis grinst: «So zählt das Nachlesen nicht zur Screen-Zeit.»

 

 

Loris hat am Medienkurs für Schüler viel gelernt.

 

Medienkurse

Im Rahmen des Programms «Schulen ans Internet» führt Swisscom Medienkurse für Eltern, Schülerinnen und Schüler sowie für Lehrpersonen durch. Die Kurse werden durch die Schulen organisiert und richten sich in ihren Inhalten nach den Unterrichtsstufen der Kinder. Anhand eigens konzipierten Unterrichtsmaterialien wird so der verantwortungsvolle Umgang mit digitalen Medien vermittelt.

 

 

Medienberatung bei Ihnen zu Hause

Haben sie konkrete Fragen, wenn es um den Umgang mit digitalen Medien geht? Swisscom Friends sind geprüfte Privatpersonen, die Sie bei Ihnen zu Hause im kompetenten Umgang mit digitalen Medien unterstützen. Sie kommen aus Ihrer Nachbarschaft und zeigen Ihnen, wie Sie und Ihre Kinder sicher und verantwortungsvoll mit Internet, Smartphone und Digital TV umgehen.

 

 

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