Sicherheit auf Facebook: essende Katze – Ursprungsbild des Facebook-Posts

Gefahr auf Social Media

Denn sie wissen nicht, was sie teilen

Wer auf Facebook etwas teilt, sollte vorsichtig sein. Bilder und Texte lassen sich nachträglich austauschen. Wie schnell ein User dadurch in eine Falle tappt, zeigt unser Social-Media-Experiment.

Kate Mandaglio (Text), 9. Februar 2017

Prüfen Facebook-User Inhalte im Netz genau, bevor sie diese weiterverbreiten? Wir wollten es wissen und starteten das Experiment: Dienstagabend, Aaron M.* postet für uns das Bild einer rothaarigen Katze, die angeblich entlaufen ist, und bittet seine Community, den Beitrag zu teilen.

 

Nur wenige Kilometer entfernt – irgendwo zwischen Glattbrugg und Zürich Seebach, sitzt Martina L.* im Tram. Gelangweilt zückt sie das Handy aus der Tasche und scrollt durch die unzähligen Social-Media-Posts, welche die vergangene Stunde wieder hervorgebracht hat. Aarons Büsi ist davongelaufen. Die Studentin möchte helfen und teilt den Aufruf direkt auf Facebook.

 

*Namen der Redaktion bekannt

 

 

Sicherheit auf Facebook: Der ursprüngliche Facebook-Post

Der ursprüngliche Facebook-Post von Aaron M. (Bild: Screenshot facebook.com)

 

 

Zwei Stunden später: Aaron M. ersetzt für uns das Bild der rothaarigen Katze durch das einer rothaarigen Frau. Martina L. sitzt derweil ahnungslos zuhause vor dem Fernseher.

 

Auf Facebook teilt sie ihren aktuellen Status: «amüsiert: Martina schaut The Big Bang Theory». Genau darunter entdeckt sie ihren geteilten Beitrag zum entlaufenen Büsi. Sie versteht die Welt nicht mehr: Im Beitrag sieht sie plötzlich ein Bild von einer rothaarigen Frau. Was ist aus der Katze geworden? Martina schaut genauer: Der Text ist identisch, aber durch das neue Bild bekommt er eine ganz andere Botschaft

 

 

Sicherheit auf Facebook: Das ursprüngliche Bild wurde ausgewechselt.

Ist das Bild ausgewechselt, bekommt der Facebook-Post eine ganz andere Bedeutung. (Bild: Screenshot facebook.com)

 

«Auch wenn das Ganze für einigen Wirbel in meiner Community gesorgt hat — ich sehe es als wertvolle Erfahrung und habe daraus gelernt.»

Mittwochmorgen: Wir klären Martina L. auf. Nicht nur der Text kann im Nachhinein angepasst werden, sondern inzwischen auch Bilder. So konnte Aaron M. das Bild im Beitrag unbemerkt austauschen und es schien, als ob Martina L. eine verzweifelte Nachricht von Aaron an seine Ex-Freundin geteilt hätte – was ihr ihre Facebook-Community übel nahm. Martina nimmt es nach unserer Aufklärung aber sportlich: «Auch wenn das Ganze für einigen Wirbel in meiner Community gesorgt hat — ich sehe es als wertvolle Erfahrung und habe daraus gelernt.»

 

 

Sicherheit auf Facebook: Im Bearbeitungsverlauf sind die Änderungen sichtbar

Im Beitragsverlauf finden wir nur die Information: «1 Mediendatei wurde zu diesem Beitrag hinzugefügt». Das Ursprungsbild ist nicht mehr ersichtlich. Ein Verlauf wird aber nur angezeigt, wenn beim Beitrag etwas verändert wurde. (Bild: Screenshot facebook.com)

 

 

Gefährliche Honigtöpfe

 

(IT-)Kriminelle und Anonymous-Gruppen haben die Beliebtheit von Social Media als Chance erkannt und nutzen Sicherheitslücken schamlos aus. Als Lockmittel verwenden sie sogenannte «Honeypots», die den Web-User vom eigentlichen Ziel ablenken und ihn stattdessen in einen anderen Bereich locken. Wie prekär das willkürliche Teilen von Inhalten auf Social-Media-Kanälen enden kann, zeigt auch ein Fall, über den mimikama (Verein zur Aufklärung über Internetmissbrauch) berichtete.

 

Eine Anonymous-Gruppe setzte einen Facebook-Post auf. Sie wollten mit der Botschaft, dass Ayslbewerber einen Gutschein für ein Handy mit SIM-Karte im Wert von 200 Euro erhalten, Reaktionen provozieren. Die Falle schnappte zu: Nachdem sich das Bild verbreitete und an Reichweite gewonnen hatte, veränderte die Anonymous-Gruppe die Botschaft. Plötzlich hiess es da «Ich bin ein strohdummer NAZI». User, die den Inhalt des Beitrages nicht auf seinen Wahrheitsgehalt und dessen Quelle geprüft hatten, wurden so öffentlich blossgestellt.

 

Prüfen Sie zukünftig also genau, welche Inhalte Sie öffentlich teilen möchten. Denn schon ein vermeintlich harmloses Katzenbild kann den Online-Ruf ruinieren.  

 

 

 


Schutz des Facebook-Profils: 5 wichtige Funktionen die Sie kennen sollten

 

Privatsphäre schützen

In den Privatsphäre-Einstellungen können Sie differenziert verwalten, wer Sie kontaktieren, nach Ihnen suchen und Ihre Inhalte (Beiträge, Fotos und Videos) sehen kann. Auch die Profilanzeige in Suchmaschinen lässt sich hier ausschalten. Entfernen Sie dafür einfach das Häkchen neben dieser Funktion.

 

Kontoaktivitäten überprüfen

Behalten Sie Ihre Chronik und Aktivitäten auf Facebook im Auge. Prüfen Sie Ihr Aktivitätenprotokoll regelmässig und löschen Sie alle unbeabsichtigten Handlungen.

 

Chronik und Markierungen verwalten

In den Chronik- und Markierungseinstellungen legen Sie fest, wer Inhalte zu Ihrer Chronik hinzufügen kann. Die Einschränkung hat zur Folge, dass nicht mehr jedermann in Ihrer Chronik posten darf. So vermeiden Sie Spam. Auch lässt sich dort festlegen, ob Sie Profil-Markierungen überprüfen möchten, bevor diese auf Facebook erscheinen. Mit «Anzeigen aus der Sicht von» können Sie prüfen, wie Ihre Chronik für bestimmte Freunde oder die Öffentlichkeit aussieht.

 

Anwendungswarnungen empfangen

In den Sicherheitseinstellungen aktivieren Sie Anmeldungswarnungen. Sie werden benachrichtigt, sobald sich jemand über einen unbekannten Browser oder ein unbekanntes Gerät bei Ihrem Facebook-Konto anmeldet.

 

«Gefällt mir»-Angaben schützen

In den Werbeanzeigen-Einstellungen bestimmen Sie selbst, ob Ihre Nutzeraktionen (Likes, Kommentare, Shares) als Werbemittel verwendet werden dürfen. Verhindern Sie, dass Facebook ohne Ihr Wissen Werbung mit Ihrem Gesicht macht. Markieren Sie eine Seite mit «Gefällt mir», nutzen Werbetreibende ansonsten Ihren Namen als Referenz für deren Werbung.

 

 

 

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Prüfen Sie Inhalte auf Social Media, bevor Sie diese teilen?

 

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