Leistungsoptimierung per Datenbank und GPS

Die Daten des FCB

Datenanalysen und moderne Technik werden im Profi-Sport immer wichtiger, so auch bei der U21 des FC Basel 1893. Davon profitiert Robin Huser, der sich nach einem Kreuzbandriss zurück ins Team kämpfte.

Tanja Kammermann (Text), Daniel Brühlmann (Fotos), 1. März 2017

 

Im Kraftraum des Basler Nachwuchses riecht es ein wenig nach Teenager-Zimmer: Eine Mischung aus jungem Schweiss und alten Socken. Kein Wunder, es wimmelt von Fussballern zwischen 17 und 21, die in einem geordneten Durcheinander von Physiotherapeuten und Leistungsdiagnostikern begutachtet werden. Heute stehen Leistungsmessungen bei der U21 des FC Basel (FCB) auf dem Programm. Das geschieht jedes Jahr zwei bis drei Mal. Ein Physiotherapie-Check, Stabilitäts-Übungen, Kraftmessungen und ein Yoyo-Ausdauertest stehen auf dem Programm. Letzteres klingt nur hübsch, wie sich noch herausstellen wird. 

 

 

Sabrina Zingg, Leiterin der Leistungsdiagnostik, beobachtet Robin Huser bei den Übungen.  

 

 

Robin Huser ist mehr als nur ein guter Mittelfeldspieler, Er ist einer der talentiertesten Spieler in der U21 und übernimmt im Team gerne auch die Rolle des Leitwolfs. Kein Wunder, dass der Trainer den 19-Jährigen auffordert, drei Mannschaftskameraden fürs Aufwärmen zu holen. «Hopp Jungs, fünf Minuten Velo fahren und Rumpfbeugen machen.» Auf meine Frage nach seinen Stärken antwortet er: «Ich übernehme gerne Verantwortung und kann das Spiel gut verteilen.» Ich glaube ihm.  

 

 

1/8 Robin Huser bewegt sich auf der Kraftplatte, während Thomas Bernhard, der Leiter der Athletik- und Kraftabteilung, die gemessenen Leistungsdaten am Computer sichtet.

2/8 Dehnen bis zum Anschlag: Hat sich der Winkel seit der letzten Messung verändert? Die Datenbank weiss es.

3/8 Robin Huser (rechts) tritt mit dem Team von Basels U21 zwei- oder dreimal pro Jahr für die Leistungsmessung an.

4/8 In welchem Zustand befinden sich die Spieler? Die Betreuer untersuchen Robin Huser.

5/8 Ab nach draussen: Für einige Messungen wurde das Trainingsfeld mit einem lokalen GPS-System versehen.

6/8 Start zum Yoyo-Training: Was lustig klingt, ...

7/8 ist ein knallhartes Ausdauertraining, ...

8/8 ... bei dem die Fussballer bis zum Umfallen rennen müssen.

1/8 Robin Huser bewegt sich auf der Kraftplatte, während Thomas Bernhard, der Leiter der Athletik- und Kraftabteilung, die gemessenen Leistungsdaten am Computer sichtet.

 

 

Er hat vor wenigen Tagen das Okay der Betreuer bekommen, wieder ins Team zurückzukehren. Heute Nachmittag muss er beweisen, ob er wirklich bereit dazu ist. «Spieler wie Robin habe ich selten erlebt, er kam in der ganzen Rehabilitation nie eine Minute zu spät, er lief keinen Meter zu wenig, er ist sehr ehrgeizig und sehr selbständig», sagt Thomas Bernhard, der Leiter der Athletik- und Kraftabteilung im Nachwuchs.

In der Datenbank befinden sich alle Leistungsdaten, wo sie jederzeit von Trainern, Physiotherapeuten, Ärzten und Spielern abgerufen werden können.

Die Ergebnisse, die Robin heute Nachmittag liefert, fliessen in eine Datenbank. Dort werden alle Leistungsdaten der Nachwuchsspieler erfasst und können von Trainern, Physiotherapeuten, Ärzten, der Administration und den Spielern jederzeit mobil abgerufen werden. Die Lösung hat der FCB über Monate gemeinsam mit Swisscom entwickelt.

Auf dem Kunstrasenfeld wurde ein lokales GPS-System installiert, das es erlaubt, die Bewegungen der Spieler nachzuverfolgen.

Gemessen wird im Kraftraum des topmodernen Campus, draussen blickt man auf ein vernetztes Kunstrasenfeld. Auf diesem ist ein lokales GPS-System installiert, das es erlaubt, die Bewegungen der Spieler nachzuverfolgen. Es soll dereinst zur Spielanalyse verwendet werden, heute liefert es bereits Informationen über die Schnelligkeit und die Ausdauer der Spieler.

 

Karriere mit Hochs und Tiefs

 

Robin streckt im «Vierfüssler» den linken Arm und das linke Bein aus – Stabilitätsübungen. Er wirkt topfit. Noch vor wenigen Wochen sah das anders aus: Mitte März 2016 hatte sich Robin im Training das linke Kreuzband gerissen. Es folgten eine Operation und neun Monate Rehabilitation. Eine lange Zeit für einen jungen Fussballer. Das Schlimmste für ihn war, dass er nicht wirklich zum Team gehörte. «Dafür hatte ich viel Zeit für Freundin und Freunde, was ich sonst kaum habe», so Huser.

 

 

Thomas Bernhard schaut sich die Messwerte am Notebook an.  

 

Eigentlich hatte das Jahr 2016 für Robin sehr gut begonnen. Er schaffte für einige Spiele den Sprung in die 1. Mannschaft des FC Basel. «Punkto Ausdauer und Schnelligkeit erreichte Robin vor seiner Verletzung ein sehr vielversprechendes Level, dort soll es wieder hingehen», so Thomas Bernhard.

 

«Danke Robin, alles normal», sagt die Leiterin der Leistungsdiagnostik Sabrina Zingg, die ihn bei den Stabilisierungsübungen beobachtet. Sie trägt Zahlen in eine Tabelle ein. «Dank der Daten kann man sehr viel Druck von den einzelnen Betreuern nehmen. Früher lief die Kommunikation über Mail und Gespräche, jetzt führen wir das alles in einer Datenbank zusammen», erklärt Thomas Bernhard. Aus den Datenanalysen erstellte er während der Rehabilitation Trainingspläne für Robin.

 

 

Analysedaten für bessere Beurteilung

 

Robin selber beurteilt vor und nach jedem Training, wie belastend die Einheit war. «Eine gute Sache, wenn der Trainer auch darauf Rücksicht nimmt», so Robin Huser. «Wir nennen das ‹Loadsteuerung›. Sie ist für uns sehr wichtig und fliesst in die Trainingsgestaltung ein», so Thomas Bernhard. Sabrina Zingg wertet die Daten der Spieler aus, und Thomas Bernhard die Daten der Trainer. Danach werden die Werte verglichen. Auf diese Weise entsteht eine unabhängige Beurteilung der Belastung. Die Daten werden wöchentlich besprochen.

«Dank der Daten sieht man Schwarz auf Weiss, dass die Bedingungen für den Wiedereinstieg erfüllt und das Restrisiko einer Wiederverletzung minimiert wurden.»

Thomas Bernhard, Leiter der Athletik- und Kraftabteilung

Wie ernst dem FC Basel die Datenerfassung ist, zeigt ein Bussenkatalog, der in der Garderobe hängt. Wer vergisst, den «Load» einzutragen, muss ein Training ohne Ball absolvieren – für einen Fussballer die Höchststrafe – oder Geld in die Mannschaftskasse legen. Das Ziel ist es, Überbelastungen oder Verletzungen der Spieler zu vermeiden.

 

 

Beim Springen aus dem Stand misst die Platte am Boden die abgegebenen Kräfte.  

 

 

Die zweitletzte Station ist die Kraftplatte: Robin muss aus dem Stand möglichst hoch springen. Hier melden sich bei Robin leichte Schmerzen im Knie, und es gibt noch immer einen Kraftunterschied unter 10 Prozent zwischen dem linken und dem rechten Bein. «Das ist normal», findet Thomas Bernhard. Auch er ist zufrieden mit Robins Werten und meint: «Dank der Daten sieht man Schwarz auf Weiss, dass die Bedingungen für den Wiedereinstieg erfüllt und das Restrisiko einer Wiederverletzung minimiert wurden».

 

Robin verschwindet nach draussen zum Yoyo-Test. Dort läuft er Längen, bis er umfällt im wahrsten Sinne des Wortes. Sofort will er vom Betreuer wissen, welchen Wert er einträgt. Denn damit kann er sich im Netz mit seinen Fussball-Vorbildern aus aller Welt vergleichen, das ist ihm wichtig. Den Vergleich braucht er übrigens nicht zu scheuen, denn sein Ergebnis ist auch hier gut. Das bedeutet: Er ist bereit und wird ab sofort wieder voll ins Team integriert.

 

Prämierte App

Mit der Leistungsdaten-Lösung hat der FC Basel im November 2016 Gold in der Kategorie Enterprise beim Swiss App Award gewonnen. Interview mit Massimo Ceccaroni, technischer Leiter Nachwuchs FC Basel.  

 

 

 

 

 

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