Serie: Helmi kocht

Kochen ist nicht einfach Kochen

Helmi Sigg testete für Storys in einer Artikel-Serie fünf Koch-Apps. Der Hobby-Koch bereitete fünf seiner Lieblingsspeisen mit Hilfe der Apps zu – und zieht nun nach Abschluss der Serie Bilanz.

Helmi Sigg (Text), Barbara Sigg (Fotos), 19. August 2016

Nach Beendigung der Test-Serie mit den fünf Koch-Apps sind ein paar Nachgedanken  angebracht. Kochen ist ein kreativer Vorgang und sollte als solcher wahrgenommen werden. Meine Faszination dafür keimte schon sehr früh und begann mit einem Schlüsselerlebnis: Seit ich als Dreijähriger für meine Tante in Österreich die Schnitzel panieren durfte, bin ich vom Kochen fasziniert. Später blickte ich oft auch über die mütterliche Schulter, wenn Mama in der Küche etwas zubereitete.

Der sinnliche Akt beim Zusammenfügen verschiedenster Ingredienzien, bei dem fantastische Gerüche freigesetzt werden, kommt beinahe einer erotischen Erfahrung gleich.

Die Faszination Kochen hatte mich in ihren Fängen und liess mich nicht mehr los. Essen ist nicht Essen und Kochen ist nicht Kochen, so einfach ist das. Entweder, man ernährt sich oder man geniesst ausgiebig – genauso verhält es sich mit dem Zubereiten von Speisen. Ich ziehe, wenn möglich, Zweiteres vor.

 

 

Mit der App Rezepte hat Helmi russische Pelmeni zubereitet – Teigtaschen, die aussehen wie Tortellini.

 

 

Der sinnliche Akt beim Zusammenfügen verschiedenster Ingredienzien, bei dem fantastische Gerüche freigesetzt werden und das Wasser im Munde zusammenläuft, kommt beinahe einer erotischen Erfahrung gleich. Selbst wenn man eine profane Eier-Omelette in die Pfanne haut, kann man daraus einen veritablen Gaumenkitzler produzieren.



Rezepte on- und offline

 

Kochen ist keine Hexerei, ganz im Gegenteil. Das Wissen um die Reaktionen der Zutaten, wenn man sie erwärmt und in welcher Reihenfolge, ist lernbar und meistens dokumentiert. Selbst Grossmutters Rezepte findet man heute gesammelt, gebunden oder digitalisiert. Am beliebtesten sind immer noch Kochbücher.

 

Ein «Tiptopf» steht bei uns neben dem «Pauli», der Kochbibel angehender «Chefs». Kochbücher kauft man nicht nur der Rezepte wegen, des Öfteren schwelge ich in ihnen ohne direkte Absicht oder lasse mich durch die schön bebilderte Lektüre zu Eigenkreationen inspirieren.

 

Online gibt es vergnügliche Kochsendungen, von denen ich die von Julia Child aus den 60er- und jene von Jamie Oliver aus den Nachmillennium-Jahren immer wieder gerne anschaue:

 

Julia Child bereitet eine Omelette zu. Video: Youtube/Lacey Clark

 

 

TV-Koch Jamie Oliver in seinen Anfängen. Video: Youtube/CookingAdviser

 

 

Helmis Fazit:

 

Mit dem Kochen als sinnliche Selbsterfahrung ist man nicht immer gleich erfolgreich. Hier zeigt die Tätigkeit gewisse Ähnlichkeiten mit dem Sport. Nur wer fleissig trainiert, kommt zu Spitzenresultaten. Wobei man beim Pröbeln und Kosten wichtige Erfahrungen sammeln kann, die den bekochten Personen vorenthalten bleiben.

 

Kochen macht Spass – auch mit Apps. Meistens jedenfalls. Mit einem Smartphone zu kochen hat Vor- und Nachteile. Über 60'000 Rezepte für 1 Franken ist ein guter Deal. Ein Kochbuch in diesem Umfang wäre um einiges teurer. Kochen unter Anleitung eines kleinen Bildschirms ist aber eher mühsam – ein Tablet zu verwenden ist schon einiges bequemer. Doch bei beiden Geräten schwingt immer die Angst mit, es zu verdrecken oder – wenn es ganz ungeschickt verläuft – mit Flüssigkeit zu übergiessen. Glücklicherweise wurde ich davon fast verschont.

 

Trotz praktischer Hilfe per App ziehe ich es vor, weiterhin mein Augenmerk auf Kochbücher zu halten. Nur schon, weil es so schön altmodisch ist. Digital ist gut – analog ist besser.

 

 

Tipp 1: Das Auge isst mit

 

Wie bereits angedeutet, ist das ansehnlich präsentierte Endresultat ein wichtiger Bestandteil des Genusses. Wenn man etwas auf dem Teller serviert bekommt, das aussieht, als hätte es sich jemand schon mal durch den Kopf gehen lassen, dann ist das nicht unbedingt appetitanregend. Selbst ein Birchermüesli, nur mit einigen Beeren garniert, wirkt sofort appetitlicher.

 

 

Tipp 2: Auswahl der Zutaten

 

Die Qualität der Zutaten ist elementar. Frischprodukte direkt vom Bauern, vom Markt oder vom bekannten Metzger sind das höchste aller Gefühle. Schweizer Bio-Produkte sind dabei sicherlich erstrebenswert. Für meine App-Kochereien habe ich jedoch alle Produkte bei einem Grossanbieter eingekauft. Ausnahmen: Einige Kräuter beim Asia-Spezialisten und Salbei vom eigenen Garten.

 

 

Tipp 3: weniger ist mehr

 

Auf Qualität lege ich Wert. Eine gute Flasche Wein ist mir wichtiger, als die ganze Woche billig konfektionierte Tropfen zu löten. Regionale Produkte sind momentan im Trend und das ist gut so. Saisonales Verhalten würde auch dem «Foodwaste» ein wenig entgegenwirken. Warum im Februar bereits grüne Spargeln aus Peru spachteln, wenn die Einheimischen erst im Mai aus dem Boden spriessen? Bewusstes Essen hat auch mit Verantwortung zu tun.

 

 

Über den Autor:

 

Helmi Sigg (63) arbeitet als Autor, Blogger und Journalist. Er war Mitglied der legendären Zürcher Comedytruppe Trio Eden. Inzwischen schreibt er an seinem sechsten Hotelbuch, das im Herbst 2016 erscheinen wird. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Fünf Apps: Tops und Flops

*          = schwach,

*****  = hervorragend


1. Kochmeister

Gigantische Rezeptauswahl, übersichtliche Funktionen, gute Zusatztools (Einkaufsliste), klare Angaben. An dieser App kommt niemand vorbei.

Bewertung: *****

 

2. Chefkoch

Übersichtliche und grosse Kategorienwahl, rustikales Design, verständliche Anweisungen und Hinweise. Wer gerne kocht, wird gut bedient.
Bewertung:
*****

 

3. Rezepte

Übersichtlich, gute Step-by-Step-Angaben, grosse und überraschende Rezepte-Auswahl, Funktion für Lesezeichen. Eine Fundgrube für Pfannenschwinger.
Bewertung:
****

 

4. Healthy Recepies

Schmackhafte und einfache Rezepte, übersichtliche Zutatenliste, schlechtes Übersetzungs-Tool, amerikanische Massangaben (Cups etc.)
Bewertung: ***


5. Thai Food

Magere Rezepteauswahl, komplizierter Aufbau, keine separate Zutatenliste, schlecht übersetzte Rezepte, eher enttäuschend.
Bewertung: *

 

 

 

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