Serie: Helmi kocht

Russische Geheimnisse

Kochen soll dank digitaler Helfer einfacher werden. Aber wird das Essen per Rezepte-App tatsächlich besser? Hobby-Koch Helmi Sigg versucht sich an fünf seiner Lieblingsspeisen. Heute kocht er mit der App Rezepte russische Pelmeni.

Helmi Sigg (Text), Barbara Sigg (Fotos), 8. Juni 2016

Zugegeben, schon manches Buch oder manchen Tonträger habe ich zuerst wegen seines Covers in die Hand genommen. Bei der App Rezepte hat mich die illustrierte rote Peperoni magisch angezogen. Die Hauptkategorien lassen mein Herz höher schlagen: «Abendessen», «Aspik», «Sulze und Co», «Auflaufgerichte», bis zu «Grosselternküche», «Hausmannskost», «Meeresfrüchte», «Mehlspeise», «Nudelgerichte», oder «Restküche». Ein reichhaltiges Angebot!

Kalorien verwandeln sich bei mir gnadenlos in reines Hüftgold.

Als Anhänger verbotener Früchte tippt mein nervöser Zeigfinger reflexartig auf Nudelgerichte. Kalorien verwandeln sich bei mir gnadenlos in reines Hüftgold. Trotzdem! Eine Unterkategorie offeriert: «Asiatische Nudelgerichte, Gefüllte Nudeln, Gnocchi, Makkaronigericht, Nudelaufläufe, Nudelsalat, Nudelsuppe, Linguine, Farfalle usw.». Völlig im Nudelflash entscheidet sich mein Unterbewusstsein für gefüllte Nudeln. Worauf sich eine Liste mit «Blunzen-Ravioli auf Sauerkraut, Dim-Sum, Dinkeltascherl mit Frischkäse oder andere Ravioli» in unzähligen Variationen auftut.

 


Der Teig darf ruhig etwas dicker ausgewallt werden als für Ravioli oder Tortellini.

 

 

Ich bin verloren, bis ich glücklicherweise auf Pelmeni stosse. Nur raus aus diesem Nudelversum, mein Magen beginnt sich knurrend zu melden. Pelmeni. Sie stammen aus Russland und sind relativ einfach zuzubereiten. Man macht den Teig, sticht ihn aus und gibt die Füllung dazu. Dann formt man daraus einen Halbmond. Noble Pelmeni werden nach hinten gefaltet, damit sie aussehen wie Tortellini. Thats it!

 

 

Reiseerinnerungen

 

Zum ersten Mal durfte ich die russischen Teigtaschen letztes Jahr in der transsibirischen Eisenbahn geniessen, während unserer langen Fahrt quer durch den asiatischen Kontinent. Pelmeni sind recht simpel in der Herstellung. Der Teig besteht nur aus Mehl, Ei, Wasser und Salz, braucht aber trotzdem seine Zeit.

 


1/6 Eier, Mehl, Hackfleisch, Zwiebeln, Wasser, Salz und Pfeffer: Für Pelmeni braucht es nur wenige Zutaten. Die Crème Fraîche kommt nach russischer Art zum Schluss obendrauf.

2/6 Die Kunst des Eieraufschlagens ist bei der Teigzubereitung entscheidend.

3/6 Jetzt werden die runden Teigscheiben mit einem Weinglas ausgestochen...

4/6 ...und schon kommt die Füllung zum Einsatz.

5/6 Die Pelmeni sind fertig. Guten Appetit!

6/6 Die App vermittelt die Arbeit Schritt für Schritt und gibt alle Zutaten an.

1/6 Eier, Mehl, Hackfleisch, Zwiebeln, Wasser, Salz und Pfeffer: Für Pelmeni braucht es nur wenige Zutaten. Die Crème Fraîche kommt nach russischer Art zum Schluss obendrauf.

 

 

Anfangs lässt sich die Arbeit maschinell unterstützen, aber am Schluss braucht es doch noch eigenen Muskelschmalz. Es ist ja auch ein lustvolles Gefühl, wenn man mit den eigenen Händen spürt, wie der Teig geschmeidig wird. Dann braucht er mindestens 30 Minuten Ruhe im Kühlschrank und wird anschliessend nochmals in die Mangel genommen.

 

 

Die inneren Pelmeni-Werte
 

In der Zwischenzeit kommt die Füllung dran, die ist ebenfalls im Nu gemacht, obwohl mir dabei die Tränen gekommen sind. Das Hackfleisch in eine Schüssel geben, dazu kommen fein gehackte Zwiebeln. Hier verlasse ich kurz die Vorgaben der App und greife auf ein Geheimnis zurück, das mir ein Russe verraten hat: Die Zwiebeln ganz fein raffeln. So verbindet sich der Zwiebelgeschmack besser mit dem Fleisch.  Back on Track: Salz und Pfeffer. Gut mischen – that’s it!

 

 


HELMI KOCHT – DIE REGELN:

 

Die drei eisernen Regeln, nach denen unser Autor Helmi Sigg die Koch-Apps testet:


1. Ich koche nur Rezepte, die ich noch nie zubereitet habe.

 

2. Absolutes Einhalten von Zutaten, Mengenangaben und Kochzeiten.

 

3. Eigene Koch-Skills und Tricks dürfen nicht angewendet werden.

 

 

 


Der Teig wird auf 1 bis 2 Millimeter ausgewallt. Im Gegensatz zu Ravioli oder Tortellini kann er ruhig ein wenig dicker sein. Mit einem Weinglas steche ich gemäss der Anleitung die Rondellen aus, falte sie in der Mitte leicht, gebe einen Teelöffel Füllung dazu. Dann drücke ich den Rand an, damit ein Halbmond entsteht. In der App steht: «Nun die Spitzen der Halbkreise zu Öhrchen ähnlich wie bei Tortellini zusammendrehen». Perfekt!

 

 

Das russische Geheimnis: Zwiebeln ganz fein raffeln.

 

 

Ab damit in leicht kochendes, gesalzenes Wasser mit einem Lorbeerblatt, und schon kommt die ultimative russische Gaumenfreude auf den Tisch. Zusammen mit der Füllung aus Fleisch und Zwiebeln ergibt sich ein unerwartetes Geschmackserlebnis. Getoppt wird das Ganze mit einem grosszügigen Löffel Schmand oder Crème fraÎche.

Fazit: So einfach und doch so gut! Das App vermittelt die Arbeit detailliert Schritt für Schritt. Wie ich allerdings die Einkaufsliste generieren soll, obwohl sie angezeigt wird, bleibt mir ein Rätsel.

 

 

 

Über den Autor:

 

Helmi Sigg (63) arbeitet als Autor, Blogger und Journalist. Er war Mitglied der legendären Zürcher Comedytruppe Trio Eden. Inzwischen schreibt er an seinem sechsten Hotelbuch, das im Herbst 2016 erscheinen wird. Er ist verheiratet und hat zwei erwachsene Kinder.

Koch-App 4: Rezepte

Die App Rezepte gibt es für iOS

 

Thai-Suppe

«Chicken and Coconut Soup» nach dem Rezept der App Thai Food.

 

Zimtrollen

Mit der Chefkoch-App hat Helmi Zimtrollen gebacken. 

 

Tabbouleh

Mit Hilfe der Koch-App Healthy Recepies wagt sich Helmi an ein Tabbouleh-Rezept.  

 

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