Interview: David Constantin

«Ich spüre den Pioniergeist in diesem Projekt»

Die Filmreihe «Rocco» ist ein Unterhaltungsformat, das unauffällig Produktwerbung integriert. Der Inhalt, so sagt Regisseur David Constantin, stand immer an erster Stelle.

Dominik Galliker (Text), Nadja Tanno (Foto), 21. September 2016

«Wie lange brauchen Sie? 30 Minuten?», fragt mich die Produzentin. Die erste Folge der Filmreihe «Rocco» muss raus, die nächste ist bereits im Schnitt, das Script braucht Änderungen. Bei der Produktionsfirma Shining Pictures arbeiten alle auf Hochtouren und der Regisseur ist ein gefragter Mann.

 

«Eigentlich wäre es optimal, wenn man etwas mehr Zeit für eine solche Produktion hätte», sagt David Constantin. «Wir stemmen das Projekt in knapp vier Monaten.» Constantin ist der Regisseur der Filmreihe von Swisscom. Kurzfilme mit Integration von Produkten aus dem Alltag – Werbung, die man sich gerne ansieht.

 

Storys: Herr Constantin, Sie sind im Schuss ...

David Constantin: Für uns ist das eine grosse Kiste. Die Geschichte, die wir verfilmen, ist komplex. Wir stehen unter Zeitdruck und haben so viel Zeit wie möglich in die Idee investiert.

 

Sie meinen die Idee der Geschichte?

Ja. Ich komme aus der klassischen Werbung. Dort ist fast alles irgendwie vorgegeben. In dem Fall waren wir kreativ vollkommen frei. Diese Freiheiten wollten wir nutzen und eine coole Geschichte erzählen.

«Ich wollte nichts machen, was nach Werbung aussieht.»

Sie machen doch einfach einen etwas interessanteren Werbefilm. Was soll daran neu sein?

Es braucht eine Geschichte, um die Leute zu erreichen. Ich wollte nichts machen, was nach Werbung aussieht. Dieses Konzept haben wir voll durchgezogen. Die Produkte von Swisscom werden lediglich am Schluss vorgestellt, so quasi als Info-Goodie.

 

Und das ist die Zukunft der Werbung?

Ich hoffe es. Werbung muss unterhaltend sein und nicht einfach die Leute mit Produkten zuballern.

 

Fernsehwerbung langweilt Sie?

Manchmal greife ich mir wirklich an den Kopf. Es braucht mehr frische Ideen und mehr Konzepte für Werbefilme, hinter denen eine echte, kreative Idee steckt, um die Zuschauer abzuholen.

«Niemand nimmt im Film das Handy und sagt: «Toll, dass ich mit meinem neuen Abo so viel telefonieren kann.»

Mussten Sie bei «Rocco» Rücksicht nehmen auf die Werbe-Inhalte?

An erster Stelle stand immer der gute Inhalt. Im Film kommen Handys und Tablets vor, sie spielen aber keine tragende Rolle. Niemand nimmt das Handy und sagt: «Toll, dass ich mit meinem neuen Abo so viel telefonieren kann.» Werbung muss den Zuschauer ernst nehmen. Natürlich gab es gewisse Schranken, da die Marke Swisscom hinter den Videos steht. Wir wissen beispielsweise alle, dass explizitere Inhalte im Web gut funktionieren würden. Solche Dinge mussten wir jedoch aussen vor lassen. Die User sollen nicht Sex, Drugs and Rock’n’Roll mit der Swisscom assoziieren.

 

Was bedeuten Ihnen diese Filme?

Der Auftrag ehrt mich. Man spürt den Pioniergeist in diesem Projekt.

 

Möchten Sie diese Sparte weiter vorantreiben?

In der Werbung arbeitet man immer unter Zeitdruck. Drei Drehtage durchrattern, mehr liegt meistens nicht drin. Man muss Figuren definieren, die dann 30 Sekunden auf dem Bildschirm zu sehen sind – das sind Eintagsfliegen. Es war ein anderes Schaffen in diesem Projekt, das ich unbedingt weiterverfolgen möchte.

 

«Rocco» – die Webserie

Vor und hinter den Kulissen: Schau dir die Webserie «Rocco» von Swisscom und das Making-of an

 

»Tschutter»

David Constantins Webserie «Tschutter» wurde auf 20Minuten.ch gezeigt.  

 

 

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