JAMES-Studie: Mediennutzung bei Jugendlichen

Snapchat und Instagram überholen Facebook

Facebook ist längst zum Massenphänomen geworden, auch immer mehr ältere Leute nutzen das Soziale Netzwerk. Doch die Jugend meidet es zunehmend, und nutzt stattdessen andere soziale Medien. Vor allem Snapchat und Instagram sind hoch im Kurs.

Christoph Widmer (Text), 9. November 2016

Jahrelang war Facebook die unangefochtene Nummer 1 unter den Social-Media-Portalen. Doch das könnte sich nun ändern. Laut der diesjährigen JAMES-Studie, in der das Mediennutzungsverhalten Schweizer Jugendlicher untersucht wurde, sind zwei Netzwerke erstmals wichtiger als Facebook: Instagram und Snapchat.

 

Von den über 1000 Befragten sind rund 80 Prozent auf den Plattformen aktiv – bei Facebook sind es gerade noch 62 Prozent. Wieso interessieren sich Jugendliche weniger für Facebook, dafür mehr für Snapchat und Instagram?

 

 

Snapchat, Instagram, Youtube: Jugendliche im Bilder-Trend

 

Für Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter und Medienkompetenz-Experte bei Swisscom, gibt es mehrere Gründe, weshalb Facebook bei den Jugendlichen an Popularität verliert. Der US-Konzern komme in der Presse etwa wegen seiner Datenschutzpolitik schlecht weg. Zudem sei Facebook zum Massenphänomen geworden – und für die Jugend daher nicht mehr interessant.

Jugendliche wenden sich immer mehr von Facebook ab – ganz nach dem Motto: ‹Wenn meine Eltern auf Facebook sind, bin ich es sicher nicht›.

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom

«Jugendliche wollen ihre eigenen Kommunikationskanäle haben, Facebook durchdringt aber alle Altersgruppen», erklärt In Albon. «Daher wenden sich Jugendliche immer mehr von Facebook ab – ganz nach dem Motto: ‹Wenn meine Eltern auf Facebook sind, bin ich es sicher nicht›». Tatsächlich nutzen laut JAMES-Studie 84 Prozent der 18- bis 19-Jährigen Facebook, bei den 12- bis 13-Jährigen sind es dagegen bloss noch 28 Prozent.

 

 

Snapchat: Die mit dem Messenger veränderten und verschickten Fotos sind bei dem Empfängern nur während weniger Sekunden sichtbar.  

 

 

Dass gerade Snapchat und Instagram anstelle von Facebook treten, hängt mit dem Nutzerverhalten der Jugend zusammen: «Beide Plattformen entsprechen dem Trend, dass Jugendliche vermehrt über Foto und Video miteinander kommunizieren», sagt In Albon. Die JAMES-Studie belegt diese Einschätzung: Das Video-Portal Youtube ist die beliebteste Website der Jugendlichen, sie lag bei der Umfrage noch vor Google und Facebook.

 

Mit 93 Prozent gehört das Ansehen von Fotos auch auf sozialen Netzwerken zur Hauptbeschäftigung der Schweizer Jugend, gefolgt von «Liken» mit 82 Prozent und «Profile von Freunden anschauen» mit 73 Prozent.

 

 

Keine digitalen Spuren bei Snapchat

 

Instagram und Snapchat greifen diesen Trend auf: Bei Instagram werden die Inhalte mit Filtern versehen und auf dem eigenen Profil gespeichert, wo Abonnenten sie dauerhaft ansehen können. Anders bei Snapchat: Dort lassen sich Fotos und Videos mit Emojis oder Zeichnungen verzieren und an Freunde verschicken; diese «Snaps» sind aber nur für kurze Zeit ersichtlich. Nutzer können ihre Inhalte zwar in die «Story» stellen, wo gleich alle Freunde sie ansehen können. Doch nach 24 Stunden werden sie auch dort gelöscht.

 

 

1/4 Handy- und Internet werden von den meisten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren täglich benutzt.

2/4 Bewegte und unbewegte Bilder werden je nach Medium unterschiedlich stark genutzt.

3/4 Auf Papier wird noch immer gelesen. Je nach Medium unterschiedlich intensiv.

4/4 Radio hören gehört für rund die Hälfte der Jugendlichen zum täglichen Medienkonsum während PC ohne Internet und das Lesen von Online-Zeitschriften und Online-Zeitungen weniger genutzt werden.

1/4 Handy- und Internet werden von den meisten Jugendlichen zwischen 12 und 19 Jahren täglich benutzt.

 

 

Weshalb sollen Bilder plötzlich vergänglich sein und nicht für immer an die wichtigen Momente im Leben erinnern? «Wenn es eine Angst bei der Internetnutzung gibt, dann die, dass die eigenen digitalen Spuren nicht verschwinden», sagt In Albon. «Dieses Bedürfnis deckt Snapchat ab.» Doch Vorsicht: Empfänger können immer noch Screenshots der gesendeten Bilder erstellen.

 

 

Instagram macht das Teilen von Fotos und Videos so einfach wie nie zuvor.  

 

 

Gleiche Risiken bei allen sozialen Netzwerken

 

Snapchat ist nicht zu bremsen: Ende 2014 zählte die App laut dem Statistik-Portal Statista 74 Millionen aktive Nutzer, Ende 2015 waren es bereits 110 Millionen – ein Jahreswachstum von rund 50 Prozent. Vor allem Facebook weiss um das Potenzial, das in der App steckt. 2013 versuchte der Konzern, Snapchat für 3 Milliarden Dollar aufzukaufen, Snap – die Firma hinter der App – lehnte aber ab.

«Statt einfach zu verbieten, sollten Eltern dem Kind zeigen, was gefährlich ist und was nicht, und so gemeinsam Nutzungsregeln erarbeiten.»

Michael In Albon, Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom

Facebook war auch an Snow interessiert, ein Snapchat-ähnlicher Dienst aus Korea. Aber auch dort scheiterten die Verhandlungen. Und während Facebook nun Snapchat-ähnliche Features in der eigenen App testet, haben Instagram und der Messaging-Dienst Whatsapp bereits solche integriert. Sowohl Instagram als auch Whatsapp sind in Besitz von Facebook.

 

 

Posten, um «geliked» zu werden

 

Ein höheres Suchtrisiko als andere soziale Netzwerke hätten Instagram und Snapchat aber nicht, sagt In Albon. Soziale Medien seien alle vergleichbar, es gehe immer um schnell produzierte Inhalte, die veröffentlicht werden. Jedoch bestehe gerade bei weiblichen Jugendlichen die Gefahr, dass sie in einen «Like-Sog» geraten. Sie laden dann immer laszivere Bilder von sich hoch, um immer mehr «gefällt-mir»-Klicks zu bekommen.

 

Dieses Problem gelte aber für alle sozialen Netzwerke: «Eltern sollten sich grundsätzlich Sorgen machen, wenn ihre Kinder auf sozialen Medien unterwegs sind», sagt In Albon. «Doch statt einfach zu verbieten, sollten sie dem Kind zeigen, was gefährlich ist und was nicht, und so gemeinsam Nutzungsregeln erarbeiten.»

 

 

Die wichtigsten Resultate der JAMES-Studie 2016

 

  • Die Medienzeit ist seit 2014 um 30 Minuten pro Tag gestiegen. Jugendliche surfen nun täglich 2,5 Stunden im Netz, am Wochenende sind es 3,5 Stunden.
  • Beim Medienkonsum der Jugendlichen gibt es klare Geschlechterunterschiede: Gewalthaltige oder pornografische Inhalte werden vor allem von Knaben konsumiert, sie sind mehr an Videospielen interessiert. Weibliche Jugendliche nennen dafür das Mode-Portal Zalando öfter als ihre Lieblingswebsite. Streaming-Dienstleister wie Netflix sind bei beiden Geschlechtern beliebt.
  • 27 Prozent der unter-16-Jährigen spielen Videogames, die erst ab 16 sind.
  • 99 Prozent der Jugendlichen besitzen ein Smartphone, 39 Prozent ein Tablet. Sie surfen fast ausschliesslich mobil im Netz.
  • Jeder zweite Jugendliche aus der Romandie, aber nur jeder dritte aus der Deutschschweiz nutzen E-Mail täglich. Die Deutschschweizer hingegen sind öfter in Chats anzutreffen.
 

 

Die JAMES-Studie

Die von der ZHAW (Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) im Auftrag von Swisscom durchgeführte JAMES-Studie untersucht das Mediennutzungs- und Freizeitverhalten von 12- bis 19-Jährigen. Die wichtigsten Resultate finden Sie in der Bildergalerie und in der Box am Ende des Artikels.

 

Michael In Albon

Michael In Albon ist Leiter «Schulen ans Internet» und Jugendmedienschutz-Beauftragter bei Swisscom. Er verantwortet das Programm der Swisscom-Medienkurse und hat in dieser Story die Tipps für Eltern gegeben.

 

Michael In Albon ist auch in den sozialen Medien unterwegs: Auf Facebook und Twitter kann man mit ihm über alle möglichen Themen rund um Medienkompetenz plaudern. Lesen Sie zudem seine Kolumnen auf Swisscom Storys.

 

 

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