Kolumne: Ferdinand Hugentobler

Hamster: «So crashe ich die Bundesratswahl»

Ferdinand Hugentobler aka Hamster überrascht die Schweiz als Bundesrats-Sprengkandidat. Doch wer ist der politische Nobody? In seiner Kolumne gibt er exklusiv Einblick in sein Privatleben und erläutert erstmals seine politischen Ziele.

Ferdinand Hugentobler, 6. Juni 2017

Wer hätte bis vor einigen Wochen gedacht, dass ich, Ferdinand Hugentobler aka Hamster, mal eine Kolumne für Swisscom Storys schreiben würde? Ich bin doch eher so der visuelle Typ: mit einem Pinselstrich eine ganz expressive Welt erschaffen. Aber noch viel erstaunlicher ist der Grund für meine Kolumne. Es könnte tatsächlich so weit kommen, dass ich in einigen Tagen Bundesrat werde. This shit cray.   

Genau bei «Dr Ferdinand isch gschtorbe» habe ich mich entschieden, auf die Welt zu kommen. Und darum heisse ich jetzt Ferdinand.

In Schwamendingen hat mich meine kamerunische Mutter kurz vor Weihnachten 1981 auf die Welt gedropt. Mama meint bis heute, der brasilianische Merenguebeat habe die Presswehen massgeblich beeinflusst. Mein Schweizer Papa musste sich während der langwierigen Geburt vor lauter Nervosität irgendwie ablenken. Papa war schon immer ein Tüftler und Künstler – das hat er sicher von mir – und hat deshalb als Ablenkung eine traditionelle kamerunische Weihnachtskrippe zusammengekleistert. Seine Inspirationsquelle bei handfesten Tätigkeiten war der Mani Matter selig. Und genau bei «Dr Ferdinand isch gschtorbe» habe ich mich entschieden, auf die Welt zu kommen. Und darum heisse ich jetzt Ferdinand. Hätte ich fünf Minuten vorher nach dem Ausgang gesucht, hiesse ich jetzt wohl Sidi Abdel Assar, Hansjakobli oder Hemmige.

 

Nicht alles von mir muss hier erwähnt werden. Jugend und so. Aber vielleicht ist es ja von Interesse, wie eine apolitische Person plötzlich in ein krasses Amt gewählt werden kann. Einfach so. Bääm!

Dem Parteichef-Dude haben die Bilder seines Setzlings und mir so gefallen, dass sich zwischen uns dreien eine richtige Triple-Bromance entwickelt hat.

Ich weiss einfach, dass ich als Zivi in einer Kita das Kreativmalen beaufsichtigen musste. Und da war anscheinend eines der Kinder von einem Parteichef – so einem hohen Tier mit Krawatte und so – auch dabei. Sein Kind war sehr ruhig und zurückhaltend. Aber durch meinen freshen Pinselstrich ist das Bubi förmlich aufgeblüht. Dem Parteichef-Dude haben die Bilder seines Setzlings und mir so gefallen, dass sich zwischen uns dreien eine richtige Triple-Bromance entwickelt hat. Die Jahre zogen ins Land, und durch meine künstlerische Führung ist das Parteichef-Kind mittlerweile zum gestandenen Künstler herangewachsen und verdient sein Baguette-Brot als Aktmaler in der französischen Provence. Das war vor mehr als zehn Jahren. Oder so.

 

Und vor etwas weniger als zehn Tagen klingelt plötzlich mein Telefon. Da will man nur in Ruhe zmörgele und seine wohlverdienten Gipfeli geniessen und wird von irgendeinem Dude gestört, der Sturm läutet. Eigentlich wissen meine Homies: Hamster nimmt vor dem traditionellen Morgenmalen sein Handy nie ab.  

 

Wahlen. Alle drehen durch. Die Jungen gehen für mich auf die Strasse.

Ich habe zurückgerufen, und der Parteichef-Dude – also der Vater vom Aktmaler-Bruddie – war am Telefon. Er wollte mich in die Schweizer Politik zerren; einer, der die ganzen tristen Krawattenträger aufwirbelt. Und da hat er an mich gedacht. Genauso wie ich seinen schüchternen introvertierten Sohn zum panty-dropping Rockstar-Aktmaler transformiert habe, soll ich die Schweizer Politik zur Wiege des kulturellen Welterbes transformieren. Und so wurde ich Bundesrats-Sprengkandidat. Fresh, oder? Und den Boxautomaten gibt’s on Top. Wooooahhhhh, bäng!

 

Wahlen. Alle drehen durch. Die Jungen gehen für mich auf die Strasse. Demo und so. Randgruppierungen besetzen Häuser in Hamsters Namen. Und eine Armada von Gstudierten hängt nun dauernd bei mir ab.

In dieser Kolumne werde ich also künftig meine ersten Schritte in der politischen Welt festhalten. Roh und ungefiltert.

Man hat mir einen Anzug gebracht, den Bart schön fönfrisiert und mir eine neue Frisur verpasst. Ich habe ein paar wichtige Ausdrücke gelernt, wie «panaschieren» (wobei ich da immer Durst bekomme), «Konkordanz» (meine Mama kommt ja aus Kamerun – die tanzen das dort auch!) und «EDA» (wobei ich komplett gegen Drogen bin). Aber irgendwie macht es die Anzugträger schampar stolz, wenn ich ab und zu einen dieser Begriffe um mich schleudere. Warten wir also auf den 7.6.

 

In dieser Kolumne werde ich also künftig meine ersten Schritte in der politischen Welt festhalten. Roh und ungefiltert. Nur für euch.

PS: Wieso meine Homies Hamster zu mir sagen, erfahrt ihr nächste Woche.

 

PPS: Apropos fresh: Kann mir jemand noch so ein Panaschee bringen?

 

 

Als überraschender Bundesrats-Sprengkandidat schreibt Ferdinand Hugentobler aka Hamster exklusiv über seine ersten Schritte auf dem politischen Parkett und die Hintergründe.

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Wer und was ist «Hamster»?

«Hamster» ist eine vierteilige Webserie. Neue Folgen erscheinen ab dem 7. Juni 2017 jeden Mittwoch auf watson.ch. Die Serie wurde von Swisscom produziert. Regie führt David Constantin, den ersten «freshsten» Bundesrat der Schweizer Geschichte spielt Silvio Lang.

 

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