Meret Steiger testet Nintendo-App

Pokémon-Jagd in der Nachbarschaft

Meret Steiger, 20. Juli 2016

Vor etwas mehr als einer Woche hat Niantic «Pokémon Go» auf den Markt geworfen – und meine Welt ist nicht mehr, wie sie vorher war. Nintendo, der japanische Hersteller von Videospielen und Spielkonsolen, der gefühlt die letzten 15 Jahre die Mehrheit der digitalen Entwicklungen verpennte, hat vor kurzem ein Spiel rausgehauen, dass die (Game-)Welt verändern wird.

 

Mit meinem kleinen Cousin habe ich viele Nachmittage mit «Pokémon Snap» und «Pokémon Stadium», den Spielen für Nintendo 64, verbracht.

Ich war ungefähr 11 Jahre alt, als ich erstmals mit Pokémon in Berührung kam. Die Karten wurden auf dem Pausenplatz getauscht – wer ein glänzendes Glurak hatte, war der König. Mit meinem kleinen Cousin (inzwischen 22 und ein Kopf grösser als ich) habe ich viele Nachmittage mit «Pokémon Snap» und «Pokémon Stadium», den Spielen für Nintendo 64, verbracht.

 

Die Konsole und alle Spiele habe ich ihm dann eines Tages geschenkt. Dann habe ich vergessen. Ich, die einmal eine Pokémon-Geburtstagsparty hatte, habe vergessen. Die lustigen Monster mit den seltsamen Namen (es gibt eins mit grosser Zunge, das Schlurpi heisst) wurden von der Pubertät und vielen neuen Interessen verdrängt

 

Zum ersten Mal seit vielen Jahren verbindet ein Handyspiel Menschen in der realen Welt und nötigt sie dazu, sich zu bewegen und sich auszutauschen.

Das Konzept der neuen Spiel-App ist simpel: You gotta catch ‘em all. In Echtzeit. In der eigenen realen Umgebung kann der User auf Pokémon-Jagd gehen. Taubsis, Evolis, Seeper… Sie alle tauchen dank Augmented Reality in der realen Umgebung auf – der Fisch Karpador liegt neben der Sihl, ein Pikachu findet sich eher in der Nähe von Stromleitungen. Bestimmte Punkte fungieren als Pokéstops, dort können wichtige Items eingesammelt werden. Gefangene Pokémon können in Gyms trainiert werden und gegeneinander antreten. Die Spieler teilen sich in drei Teams (Wagemut: Rot, Intuition: Gelb und Weisheit: Blau) auf und kämpfen um die Herrschaft über unterschiedliche Gyms.

 

Natürlich hat es auch vor «Pokémon Go» Spiel-Apps gegeben. Candy Crush beispielsweise, das man gemütlich zuhause auf dem Sofa spielen kann und bei dem man sich für einen Sieg weder mit Menschen austauschen, noch einen einzigen Millimeter bewegen muss. So funktioniert Pokémon nicht: «Pokémon Go» baut auf Bewegung auf. Du willst alle 134 Pokémon finden? Dann musst du aus deiner Nachbarschaft raus. Du möchtest ein Ei ausbrüten? Du musst zwei bis zehn Kilometer zu Fuss gehen. Ja, und es gibt keine Trickli, denn das Spiel ist clever: Es merkt, wenn man mit dem Zug oder dem Auto unterwegs ist und hört auf zu zählen. Du möchtest ein starkes Gym einnehmen? Du brauchst ein Team mit echten Menschen, die in deiner Nähe sind. Zum ersten Mal seit vielen Jahren verbindet ein Handyspiel Menschen in der realen Welt und nötigt sie dazu, sich zu bewegen und sich auszutauschen. Erwachsene treffen sich auf Pausenplätzen, um gemeinsam virtuelle Figuren zu sammeln.

Man könnte einfach wertschätzen, was dieses Spiel für die Fitness und das Sozialverhalten untrainierter, schüchterner Nerds tun kann.

Natürlich kann man es lächerlich finden, wenn sich Menschen um die 30 mit so viel Begeisterung auf eine solche Spiel-App stürzen. Man kann zuhause sitzen und am Computer überhebliche Memes posten, wie kindisch die doch sind und was man selbst etwas Besseres zu tun hat. Man kann sich auch sinnlos darüber echauffieren, dass demnächst bestimmt reihenweise Spieler von Autos überfahren werden – weil sich ja vor «Pokémon Go» alle immer total auf die Strasse konzentriert haben, gell?  

 

Man muss es nicht verstehen. Aber man könnte einfach den erwachsenen Kindsköpfen die Freude gönnen – und wertschätzen, was dieses Spiel für die Fitness und das Sozialverhalten untrainierter, schüchterner Nerds tun kann.

 


«Ich kann absolut verstehen, dass 'Pokémon Go' süchtig machen kann.»

 

4 Fragen an Torsten Brodt, Leiter Vermarktung und Angebotsgestaltung Swisscom.

 

Auf was muss man achten bei seinem Abo, wenn man häufig «Pokémon Go» nutzt?

Das Spiel wird ja vor allem draussen gespielt und kann damit nicht auf das heimische WLAN oder kostenlose Public-WLANs zurückgreifen. Darum empfiehlt sich vor allem für Heavy-User der Wechsel auf ein Abo mit unlimitierter Datenmenge.

 

Was heisst das preislich?

Die Preise für Abos mit unlimitierter Datenmenge liegen gerade für unter 26-Jährige in der Schweiz sehr nahe beieinander. Bei Swisscom etwa kostet das günstigste unlimitierte Angebot 59 Franken monatlich. Ohne Gerät 54 Franken. Und von beidem kann noch der Tutto-Vorteil in Abzug gebracht werden.

 

Welche Rolle spielt die Netzabdeckung?

Die ist natürlich sehr wichtig und damit meine ich nicht nur die geografische Abdeckung, sondern vor allem auch die Kapazität. Wenn Hunderte und sogar Tausende in einer Stadt auf kleinem Raum gleichzeitig spielen, dann ist es buchstäblich matchentscheidend, ob alle diese Signale über eine einzige, überlastete Antenne laufen müssen – oder ob ein gut ausgebautes, engmaschiges Netz zur Verfügung steht. Das sind diese Augenblicke, wo sich der Spreu vom Weizen trennt.

 

Spielst du selbst schon «Pokémon Go»?

Aber klar doch. Ich kenne Pokémon noch von früher und habe das Spiel direkt angespielt und bin nun knapp vor Level 5. Obwohl mich mein Sohn zu mehr drängt (lacht). Bei Swisscom haben das sicherlich schon viele ausprobiert. Wir wollen wissen, wie sich das anfühlt und ehrlich gesagt: Ich kann absolut verstehen, dass das süchtig machen kann.

 

 

 

Über die Autorin:

Als Digital Native ist Meret Steiger (25) mit digitalen Medien und Pokémon aufgewachsen. Früher hat sie Pokémon-Karten auf dem Pausenplatz getauscht, heute jagt die Redaktorin sie auf der Strasse.

 

Swisscom schickt Senioren auf Pokémon-Jagd

Lesen Sie den Bericht auf blick.ch

 

 

Das richtige Abo für «Pokémon Go»

Torsten Brodt, Leiter Vermarktung und Angebotsgestaltung bei Swisscom, sagt im Interview (siehe Box), worauf man bei seinem Abo achten muss, wenn man «Pokémon Go» nutzt.

 

Die erfolgreichste App aller Zeiten?

Der Beitrag von bluewin.ch zeigt, wie erfolgreich die App von Nintendo bereits nach wenigen Tagen ist.  

 

 

 

 

 

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