Rash Junior im Interview

Über Nacht zum Social-Media-Star

49 800 Menschen folgen dem 20-jährigen Berner Rash Junior aka Rash Sakem auf Instagram, 38 000 Abonnenten hat er auf Facebook, die «Freunde» nicht mitgezählt. Seine Videos werden bis zu 100 000 Mal angeklickt. Wer ist dieser Schweizer mit Wurzeln in Kamerun, und wie schafft er es, die Leute zu erreichen?

Reda El Arbi (Text), zVg (Fotos), 10. November 2015

Wir treffen Rash und sein Management im «Gut gelaunt» in Bern, einem Lokal, das hier jeder zu kennen scheint – nur wir nicht: Auf die SMS «17.30 Uhr, Gut gelaunt» antworteten wir mit «Ja, wir auch».
 
Rash sitzt mit seinem Manager an einem Tischchen, schaut kurz von seinem Smartphone auf, nickt uns zu und vertieft sich wieder in die Online-Kommunikation. Die ersten 15 Minuten müssen wir uns von Cliqme, seinem Manager, in die Zange nehmen lassen. Offenbar hat Rash bereits schlechte Erfahrungen mit der Presse gemacht. Cliqme wirkt mehr wie ein grosser Bruder als wie ein Manager. Rash legt das Smartphone weg und ist plötzlich da, präsent, konzentriert.
 
Rash, du bist mit 20 bereits ein Social-Media-Star. Wie ist das gekommen?
 
Das war letztes Jahr, nach einer Party. Ich hatte ein Erlebnis mit einer Frau, die nicht auf mein «Antanzen» reagierte. Zuhause formulierte ich dann überspitzt ein, zwei Sätze dazu, und lud ein Video auf Facebook. Dann ging ich ins Bett. Als ich am Morgen aufwachte, waren da 1000 Likes und jede Menge Kommentare. Zuerst war ich ein bisschen überfordert und natürlich überrascht. Aber es inspirierte mich, weiterzumachen. Alltagssituationen aufzugreifen, sie ironisch oder naiv als Parodie umzusetzen. Das scheint den Leuten zu gefallen.

 

 

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Wer sind deine Fans?


Die meisten sind irgendwo zwischen 14 und 25, die können wohl am besten nachvollziehen, wie ich mich fühle. Aber ich hab auch ältere Leute, die meine Sachen mögen. Kürzlich bekam ich eine SMS von einem Achtjährigen. Ich fragte ihn, woher er meine Nummer habe. Offenbar bekam er sie von meinem jüngsten Bruder, ebenfalls acht Jahre alt.

«Viele Dinge würde ich nicht im Alltag zu jemandem sagen. Aber als Rash Junior kann ich die Dinge übertreiben.»

Rash Junior, Social-Media-Star

Du motzt manchmal recht hart, das bringt dir sicher nicht nur Freunde ein. Wie gehst du mit Kritik und Hatern in den Kommentaren um?
 
Ha, ich lese keine Kommentare mehr. Dazu hätte ich ja auch keine Zeit, ich arbeite ja auch noch ganz normal. Das scheint sich bei mir selbst zu regulieren. Meine Fans setzen sich für mich ein. Und überhaupt, wems nicht gefällt, der muss es sich ja auch nicht anschauen. Ausserdem will ich ja niemanden verletzen. Viele Dinge würde ich nicht im Alltag zu jemandem sagen. Aber als Rash Junior kann ich die Dinge übertreiben, Gedanken formulieren, die wohl viele schon gehabt haben, ohne dass das Ganze zu ernst ist.

 

 

Über Facebook verbunden: Die Schweizer Fussball-Nati mit Rash Junior.  

 


Wie siehts mit Rassismus aus? In deinem Instagram-Profil schreibst du: «Ich bin schwarz u wott hie eif nüt schriebe.» Provoziert das nicht die Fremdenfeinde?

 
Nein, gar nicht. Ich hab in meinem Leben nur ganz, ganz wenige Erfahrungen mit Rassismus gemacht. Wenn ich angegriffen werde, dann für mein freches Mundwerk. Aber das gehört dazu.
 
Du lebst seit sechs Jahren in der Schweiz, zuvor warst du mit deiner Mutter und zwei Geschwistern in Kamerun. Du sprichst breites Berndeutsch und scheinst dich hier wohl zu fühlen.
 
Ja, ich lebe hier mit meinen Eltern und fünf Geschwistern, zweieinhalb weiss, zweieinhalb schwarz, und habe keine Probleme, mich zurechtzufinden. Meine Eltern haben mir beigebracht, wie ich mich hier integrieren kann. Es ist wichtig, dass man das, was man gerade tut, richtig macht. Wenn ich während der Woche arbeite, dann bin ich voll bei der Arbeit, dann lege ich mein Smartphone weg und bin 100 Prozent auf den Job konzentriert. Dafür kann ich auch richtig Party machen, wenn ich meine Pflichten erledigt habe. 

 

Du bist also nicht immer online?
 
Naja, das Handy macht schon süchtig. Aber da muss ich halt etwas Selbstdisziplin aufbringen. Natürlich ist der Blick aufs Smartphone das Erste am Morgen und das Letzte am Abend. Aber tagsüber, wenn ich andere Verpflichtungen habe, kann ichs auch für ein paar Stunden weglegen.

«Mit meiner Bekanntheit ist es einfacher, ein Mädchen kennenzulernen.»

Rash Junior, Social-Media-Star

Zurück zu deinen Fans. Du wirkst in deinen Videos manchmal recht «Macho». Hast du endlos Groupies, Frauen, die deine Nähe suchen?
 
Ja, das ist ein Glücksfall für mich. Ich bin eigentlich recht «schüch» und zurückhaltend, gar kein Macho. Und so, mit meiner Bekanntheit, ist es einfacher, ein Mädchen kennenzulernen. Aber so wirklich hilft das auch nicht weiter. Ich finde einfach den «Breakthrough» nicht. Ich kann mich mit Frauen unterhalten, lachen, Party machen, Spass haben, aber ich weiss nie genau, ob das nun einfach eine Kollegin ist, ein Flirt oder was Ernsteres. Da bin ich dann überfordert. Aber ich hab ja auch meinen Manager und Freund Cliqme, der schon etwas mehr Erfahrung hat und mir den einen oder anderen Rat gibt. Und dann gibts natürlich noch die Girls, die mir anzügliche Bilder schicken, bei denen ich nicht wirklich weiss, was ich damit anfangen soll.
 
Wie gehts jetzt weiter mit deiner Karriere?
 
Ich habe vor ein paar Wochen meine Lehre abgeschlossen und mache zurzeit ein Praktikum beim Bund. Für mich und auch für meine Eltern ist es wichtig, dass ich einen «anständigen» Beruf habe und nicht einfach nur rumgammle. Aber nebenbei mache ich jetzt auch Live-Auftritte und pflege natürlich meine Social-Media-Auftritte weiter. Es wäre schön, wenn ich einmal ganz davon leben könnte.

 

 

Rash Junior trifft Bundesrat Johann Schneider-Ammann.  

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