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Ein Schweizer Youtuber auf Erfolgskurs

Er gehört zu den grössten Youtubern der Schweiz: Mit seinem Kanal «Typhoon Cinema» zählt Ken Rotaris bereits über 1,5 Millionen Abonnenten. Ob es am Geschäftssinn, am Durchblick oder am Ehrgeiz des 20-Jährigen liegt: Sein Erfolg kommt nicht von ungefähr.

Christoph Widmer (Text), Jonas Weibel (Fotos), 22. November 2016

Ken Rotaris ist in der Basler Bahnhofshalle schon von Weitem zu erkennen: gross, sportliche Statur, ganz in Schwarz gekleidet. Und er weiss genau, was er will. Sofort schlägt er für das Gespräch ein chinesisches Restaurant vor, für den Fotografen ist es aber zu dunkel. Ken reagiert cool und hat auch schnell eine Alternative parat: ein kleines Café in der Nähe. 

 

 

Hat die Marktlücke Gaming-Animationen entdeckt und genutzt: Youtuber Ken Rotaris.

 

 

Gaming-Animationen auf Youtube

 

«Ja, ich bin ein sehr spontaner Mensch», gibt er zu. «Das ist auch wichtig, gerade bei meiner Arbeit.» Ken betreibt den Youtube-Kanal Typhoon Cinema, den er 2013 zusammen mit Nicola Petersen gründete. Es sei damals eine spontane Aktion gewesen; zwar habe Nicola bereits einen eigenen Kanal mit Gaming-Videos betrieben. Aber die beiden Gymnasiasten wählten mit Typhoon Cinema einen anderen Weg: Sie veröffentlichten Gaming-Animationen, in denen die Videospielfiguren von Five Nights At Freddy’s, Minecraft oder Undertale in neu erfundene Handlungen verwickelt werden.

«Wir haben eine Marktlücke gesucht, in die man einsteigen kann, so sind wir auf Gaming-Animationen gestossen.»

Umgesetzt werden die Filme von freischaffenden Animatoren aus aller Welt. Diesen dient Typhoon Cinema als Sprungbrett, um mehr Leute mit den Videos zu erreichen. Ken und Nicola behielten das Auge fürs Geschäftliche. «Wir haben eine Marktlücke gesucht, in die man einsteigen kann, so sind wir auf Gaming-Animationen gestossen», erklärt er. «Mit üblichen Gaming-Videos wären wir ein Kanal von vielen gewesen, mit den Gaming-Animationen sind wir einer von wenigen. Dadurch haben wir mehr Potenzial und können auch dominieren.» Und Typhoon Cinema mischt tatsächlich ganz oben mit: Der Kanal gehört heute mit über 1,5 Millionen Abonnenten zu den erfolgreichsten der Schweiz. Sein Einkommen verrät Ken zwar nicht. Aber er könne gut davon leben.

 

 

Den Durchblick haben

 

Als Kanalbetreiber muss Ken schnell auf Trends reagieren können. Er schaut, welches die angesagten Youtube-Themen sind und zu welchen Games sich Animationsvideos machen lassen, die auch viele Klicks geben. Damit komme auch die nötige Abgeklärtheit. «Ich weiss, was auf Youtube passiert, und behalte stets den Überblick», hält er selbstsicher fest. Ken wirkt äusserst aufmerksam und fokussiert, er antwortet blitzschnell.

 

 

Ein typisches Video auf dem Youtube-Kanal Typhoon Cinema: Gaming-Animationen mit den Videospielfiguren von Five Nights At Freddy's.     Video: Youtube/Typhoon Cinema

 

 

Auch seine Freelancer hält er unter Kontrolle. Den Einfallsreichen unter ihnen lässt er zwar viele Freiheiten, sie brauchen nur das Thema des Videos zu kennen. Den weniger Kreativen sagt er aber ganz genau, was sie zu tun haben. So kommt es schon mal vor, dass Ken das Drehbuch für ein Video selbst schreibt. Dabei verfolge er keinen strikten Ablauf. «Man muss einfach ein bisschen kreativ sein», sagt er locker.

 

 

Persönliche Stärken kennen

 

Ken lebt strukturiert, sein ganzer Alltag ist gut durchgeplant. So komme auch die Freizeit nicht zu kurz. Er trifft sich oft mit Freunden, nutzt die freien Stunden aber vor allem auch, um sich weiterzubilden: Ken belegt Online-Kurse in allen Bereichen, in denen er sich nicht gut genug auskennt, er sein Wissen aber vertiefen möchte. Wirtschaft, Aktien und Psychologie gehören dabei zu den Hauptinteressen des Jura-Studenten. Ken bleibt aber aufgeschlossen. «Ein breites Spektrum an verschiedensten Kursen ist mir im Moment sehr wichtig. So kann ich sehen, wo meine wirklichen Stärken liegen», erklärt er und fährt ehrgeizig fort: «Sobald ich diese kenne, werde ich mich nur noch darauf konzentrieren.»

 

 

Mit über 16 Millionen Aufrufen eines der erfolgreichsten Videos aufl «Typhoon Cinema»: eine Anleitung zum Online-Spiel Minecraft.     Video: Youtube/Typhoon Cinema

 

 

Privat hält sich Kens Youtube-Konsum dagegen in Grenzen. «Ich bin kein typischer Youtube-Nutzer», gibt er zu. Er suche einfach nach dem, was er brauche, und schaue es sich dann an – am liebsten Dokumentationen. Einen Kanal, den er regelmässig verfolgt, gibt es aber nicht – es sei denn, es handelt sich um Konkurrenz. «Ich muss wissen, wer die wichtigsten Player im Geschäft sind», hält er souverän fest. «Youtube ist für mich Business, ich verfolge andere User meist nur in diesem Rahmen.»

 

 

Grosse Pläne abseits von Youtube

 

Ken spricht über Mitgründer Nicola Petersen, der seit September 2016 nicht mehr bei Typhoon Cinema mitmacht. Was den Youtube-Kanal angeht, so sei Nicolas Ausstieg kein wirklicher Rückschlag gewesen. Er könne den Kanal auch so betreiben. «Zwischen Nicola und mir gab es keine strikte Rollenverteilung, jeder tat, was er für richtig hielt», sagt Ken und erkennt: «Im Rückblick wäre eine klare Arbeitsaufteilung jedoch sehr sinnvoll gewesen. Man lernt eben stets dazu!» Ob Nicolas Weggang ein persönlicher Verlust für Ken war, möchte er nicht kommentieren.

«Ich denke schon, dass man noch von mir hören wird. Ich habe nichts im kleinen Stil vor.»

Zwar konzentriert Ken sich momentan auf sein Jura-Studium. Aber Typhoon Cinema werde er trotzdem weiterbetreiben, der Kanal sei eine tolle Sache. Das finden auch seine Eltern. «Natürlich sind sie aufgeschlossen gegenüber Typhoon Cinema», sagt er. «Der Kanal brachte eigentlich nur Vorteile mit sich, er hat mich auch während des Gymnasiums nie behindert.» Trotzdem hat Ken inzwischen eine Assistenz, die ihm etwas Arbeit am Kanal abnehmen soll. So bleibt ihm mehr Zeit für andere Projekte, abseits von Youtube. Was er genau plant, gibt er zwar nicht preis. Doch man darf gespannt sein. «Ich denke schon, dass man noch von mir hören wird. Ich habe nichts im kleinen Stil vor.»

 

 

 

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