Kolumne: Sylvie Castagné

Sexting: die neuen gefährlichen Liebschaften?

Sylvie Castagné (Text), «Echo and Narcissus» von John William Waterhouse (Bild),
27. Oktober 2016

Die Gründe dafür, mehr oder weniger entblösste Körperteile zu fotografieren, um sie zu verschicken, sind vielfältig. Sie reichen von der leicht gewagten Geste über die subtile Kunst der Verführung bis hin zum banalen kommerziellen Angebot. Sexting ist in alle Gesellschaftsschichten und Tätigkeitsbereiche eingedrungen. Sogar in die höheren Stufen des Staatsapparats, wie die Schlagzeilen regelmässig zeigen.

Der Zukunftsforscher Ian Pearson behauptet, dass die Menschheit bereits 2030 die virtuelle Liebe der Sehnsucht nach einem nackten Körper vorziehen wird.  

Das Sexting hat unseren Planeten übrigens bereits erobert. Für die Schweiz wurden noch keine Zahlen veröffentlicht, aber etwa ein Drittel der Franzosen bekennt sich dazu (eine Mehrheit davon ist jünger als 25 und ein grosser Anteil Frauen). Diese Zahl ist im Vergleich zu den Vereinigten Staaten und Kanada noch ziemlich bescheiden: Dort sollen acht von zehn Personen die digitale Version der erotischen Korrespondenz pflegen.

 

Vor Kurzem hat der Zukunftsforscher Ian Pearson eine kleine Bombe platzen lassen: Er behauptet, dass die Menschheit die virtuelle Liebe gegenüber der Sehnsucht nach einem nackten Körper vorziehen wird – und das bereits im Jahr 2030. Wir haben schon alle gemerkt, dass sich das Smartphone und das Tablet in unsere Intimsphäre eingenistet haben und dass sie die Libido nicht gerade stärken. Angesichts der wachsenden Rolle der virtuellen Realität in unserer Gesellschaft scheint es möglich, dass die digitalen Werkzeuge den körperlichen Kontakt in naher Zukunft in den Hintergrund drängen werden.

Über Sexting kann man seine sehr persönlichen Botschaften auch in Form von Fotos oder Videos übermitteln. Oder sogar mit suggestiven Seufzern.

Einer meiner Freunde, ein glühender Anhänger des Sexting, gesteht, grosse Freude daran zu haben. Für ihn handelt es sich um Formen des Vorspiels, bevor er seine Partnerin trifft. Somit wäre das Sexting die moderne Version des Briefwechsels zwischen Verliebten. Eine Art und Weise also, die Begierde des Gegenübers zu entfachen, mit welchem man zu einem bestimmten Zeitpunkt nur über das Internet in Kontakt ist.

 

Das Web vermittelt ja nicht nur harte Sexbilder, sondern auch Liebesbotschaften werden über WhatsApp verschickt. Früher hat man sich aufreizende SMS gesandt – im letzten Jahrhundert schrieb man sich noch leidenschaftliche Liebesbriefe. Im digitalen Zeitalter hat man neue Kanäle entdeckt. Neben den Wörtern kann man über Sexting seine sehr persönlichen Botschaften in Form von Fotos oder Videos übermitteln. Oder sogar mit suggestiven Seufzern. Was die Zukunft betrifft: Warten wir einfach mal bis 2030.

 

 
Sylvie Castagné

lebt mit ihrer Familie in der Nähe von Zürich. Mit Beharrlichkeit und Witz beobachtet die Freelance-Redaktorin die digitale Welt und beschreibt, wie die sozialen Medien unser Leben verändern. Ihre Tochter im Teenagealter findet allerdings, dass ihre Mutter zu viel Zeit mit Facebook, Twitter und Instagram verbringt.

 

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