Youtuber bei der Arbeit

Kamera läuft … und Action!

Wenn Nik und Morris für ihren Youtube-Kanal «Hipster Gnogg» vor der Kamera stehen, steht Spass an erster Stelle. Doch hinter den unterhaltsamen Videos steckt beinharte Arbeit.

Christoph Widmer (Text), Manuel Zingg (Fotos), 19. Oktober 2017

Auf dem Fussballplatz im bernischen Gümligen spielen sich Nik und Morris Pässe zu, still und konzentriert. Die Stimmung: spannungsgeladen, auch beim Aufbau für den bevorstehenden Videodreh: Vorsichtig befestigt Morris eine Kamera mittig zum Tor auf einem Stativ und kontrolliert mehrmals, ob sie auch wirklich optimal ausgerichtet ist. Nik liegt währenddessen im Strafraum. Mit ruhiger Hand platziert er dort sein Handy, das ebenfalls aufnehmen wird – «Für die wirklich geilen Tore».

 

Ein Klatschen hallt durch die kalte Herbstluft: Mit dem Ton-Marker synchronisieren sie die Aufnahmen beider Kameras, um sie später leichter schneiden zu können. Dann tun sich die beiden zusammen: Beinahe tuschelnd besprechen sie den Ablauf. Plötzlich geht’s los – und zwar so richtig: Mit coolen Handgesten und vor Tatendrang nur so strotzend johlen sie ein «Yoo!» in die Kamera und erzählen, was die Zuschauer heute erwartet, ehe sie sich voller Elan ein spannendes Fussball-Duell liefern.

 

 

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Einige Eindrücke vom Videodreh. Video: Hipster Gnogg

 

 

Dänische Fruchtgummis, Telefonstreiche und Strassenumfragen


Der 16-jährige Nik und der 17-jährige Morris sind die Protagonisten vom Youtube-Kanal «Hipster Gnogg». Auf dem Kanal veröffentlichen die beiden Berner Gymnasiasten seit dreieinhalb Jahren regelmässig neue Videos: Wenn sie nicht gerade dänische Süssigkeiten vor der Linse probieren oder Passanten beim Erraten von Schweizer Promis filmen, spielen sie vor laufender Kamera Telefonstreiche. Oder Fussball – eine Leidenschaft, die sie sich schon immer teilten. «Wir spielen im selben Verein, wo wir uns auch kennengelernt haben», erzählt Nik. «Wir haben damals mit Youtube angefangen, um einfach unsere Ideen festzuhalten». Zwar verdienen sie sich mit Sponsor-Videos und geschalteter Werbung manchmal etwas zum Taschengeld dazu. «Wir haben früher auch Videos veröffentlicht, als wir noch nichts verdient haben», sagt Nik. Inzwischen zählt Hipster Gnogg über 20'000 Abonnenten.

 

 

Ursprünglich hat Nik mit Hipster Gnogg nur andere Youtuber abonnieren wollen – die eigenen Videos kamen später.

 

 

1 Stunde Dreh, 10 Stunden Schnitt


Wie sie diese unterhalten müssen, wissen die beiden genau: Beim Fussball-Dreh laufen sie immer wieder auf die Kamera zu, fassen den Spielstand zusammen, albern herum. Und sie nehmen mit dem Publikum Kontakt auf, um ihre Strategie zu verraten, so, dass der andere nichts davon merkt. Geht der Plan auf, ist der Jubel gross. Misslingt er, verwerfen sie die Hände. Szenen, in denen sie sich versprechen oder langweilige Schüsse abliefern, wiederholen sie, bis sie sitzen.

 

 

 

Das fertige Youtube-Video. Video: Youtube/Hipster Gnogg

 

 

Statt wie sonst an einem Drehbuch zu arbeiten und sich den Ablauf genau zu verinnerlichen, genügt bei den Fussball-Videos eine kurze Absprache. Die guten Momente könne man sowieso nicht planen. So benötigt dieses Format von allen zwar am wenigsten Vorbereitungszeit. Der Aufwand danach ist dafür immens: Gut eine Stunde laufen die beiden Kameras, ehe Nik und Morris den Dreh beenden. «An diesem Material schneide ich etwa acht bis zehn Stunden», schätzt Nik.

 

 

1/9 Morris justiert die Kamera genau.

2/9 Im Strafraum platziert Nik die zweite Kamera – "Für die wirklich geilen Tore".

3/9 Bevor Morris seinen nächsten Schuss abliefert, kündigt er ihn noch an.

4/9 Dank der Handykamera halten die beiden alles doppelt fest.

5/9 Auch ausserhalb von Youtube ist Fussball eine grosse Leidenschaft von Nik und Morris.

6/9 Hechtsprünge gehören zur Fussball-Challenge dazu.

7/9 Gut eine Stunde dauerte der Dreh.

8/9 Nach dem Dreh geht's an die Produktion.

9/9 Mit dem Schnittprogramm kürzen sie das Videomaterial zusammen und bauen Musik und Effekte ein. Arbeitszeit: rund 10 Stunden.

1/9 Morris justiert die Kamera genau.

 

 

Fussball wird explosiv


Dafür kürzt er das Video auf rund 30 Minuten zusammen und macht aus den besten Sequenzen einen Rohschnitt mit Originalton. Anschliessend suchen die beiden passende Lieder, fügen sie ein und achten darauf, dass Musik und Torschüsse am Schluss im Takt sind. Effekte wie Flammen, Explosionen oder Schriftzüge, die beim Kicken erscheinen, werten das Video, das am Schluss noch knapp neun Minuten dauert, zusätzlich auf.

 

 

Morris: «Wir lernen mit jedem Video dazu.»

 

Beim Hochladen auf Youtube gibt’s ebenfalls Arbeit: Sie versehen den Film mit passenden Tags, verfassen eine Videobeschreibung und setzen Links. Auch ein sogenanntes Thumbnail – das Vorschaubild fürs Video – darf nicht fehlen. Das Know-How haben sich die beiden selbst erarbeitet. Und wenn sie ein Problem mal nicht lösen konnten, halfen Youtube Tutorials weiter. Trotzdem bleiben Nik und Morris wissbegierig: «Auch heute lernen wir immer noch dazu.»

 


Hater gibt es immer


Am schwierigsten sei es, ein Video zu erstellen, bei dem die Zuschauer dranbleiben. Nur wenig Sprechzeit und ein schneller Schnitt seien der Schlüssel für ein knackiges Video. Dafür scheinen die beiden bereits ein Händchen zu haben: Die Kommentare auf ihrem Kanal sind voller Anklang und Lob. «Wir lesen alle unsere Kommentare und versuchen auch, die meisten zu beantworten», sagt Nik. «Auch konstruktive Kritik nehmen wir gerne auf». Nik und Morris probieren Verbesserungsvorschläge aus oder bauen beliebte Effekte auch in späteren Videos wieder ein.

 

 

Morris (l.) und Nik haben sich durchs Fussball kennengelernt.

 

 

Mit negativen Kommentaren können sie inzwischen ganz gut umgehen. Das war nicht immer so: «Als wir noch wenige Abonnenten hatten, trafen uns schlechte Bewertungen stärker als heute», sagt Nik. «Doch solche Kommentare gibt es immer. Das stört uns inzwischen wirklich gar nicht mehr.» Morris ergänzt: «Es bringt uns ja auch nichts, wenn jemand einfach schreibt, dass wir scheisse sind. Damit können wir nichts anfangen.» Zwar würden sie auf solche Kommentare nicht eingehen. Aber sie lassen sie stehen. Wie alle anderen auch.


Auch wenn die beiden souverän auf Youtube unterwegs sind: Ihr Hobby möchten sie dann doch nicht zum Beruf machen. Dafür würden Schweizerdeutsche Youtuber wie Hipster Gnogg ohnehin zu wenig Leute erreichen. Nik und Morris streben da lieber ein Studium an – was genau, wissen die beiden aber noch nicht. Oder lockt sie vielleicht die Fussball-Karriere? Sie lachen: «Dafür sind wir schon zu alt.» Macht aber nichts. Auf Youtube unterhalten die Kicker allemal.

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