Sharing Economy

Warum kaufen, wenn man teilen kann?

Vom Auto bis zum Meetingraum – heute kann man vieles kurzzeitig mieten, ohne es bei den grossen Anbietern kaufen zu müssen. Das Konzept der Collaborative Economy ist nicht neu, durch die Digitalisierung erhält es aber einen enormen Aufschwung.

Thomas Robinson (Text), Jürg Waldmeier (Fotos), 4. November 2015

Kaufte ich mir früher noch die ganze CD, wenn mir der Song einer Band besonders gut gefiel, kann ich mir heute dank der Digitalisierung den einzelnen Song herunterladen. Der Zugang zu kleinen Teilen von Inhalten ist im Internet jederzeit möglich. Was hier schon prima funktioniert, kommt nun auch in die reale Welt. Anstatt ein Büro in Zürich dauerhaft zu mieten, kann ich auch nur einen Raum für ein paar Stunden reservieren. Auch die Anschaffung und der Unterhalt eines Bootes sind nicht mehr notwendig, kann ich mir doch das gewünschte Schiff für einen Singletrip ausleihen. Warum also noch alles besitzen, wenn Teilen so viel einfacher geht? 

 

 

Vielfältige Möglichkeiten für einen Tag ohne Marken 


Immer mehr Menschen bieten heute vom Hammer über die Wohnung bis zum Mit-Essen etwas an – und immer mehr Menschen suchen Alternativen zum Kaufen. Daher spriessen Plattformen, die beide Bedürfnisse ortsunabhängig verbinden, wie Pilze aus dem Boden. Auch in der Schweiz, wie ein exemplarischer Tagesablauf zeigt: Anstatt ein eigenes Auto zu besitzen, leihe ich mir über Sharoo das Auto von jemand anderem und fahre damit zu meinem ersten Meeting in Zürich. Jetzt braucht es nur noch einen Parkplatz. Über Parku habe ich einen Privatparkplatz reserviert und gemietet.

«Wir entscheiden, libanesisch bei einer libanesischen Familie zu essen, die wir über Cookeat gefunden haben.»

Thomas Robinson, Leiter User Trends & Insights bei Swisscom

Nach dem Meeting muss ich nach Lausanne. Das Auto kann ich einfach stehen lassen und den Zug nehmen. In Lausanne habe ich noch etwas Zeit und miete mir für zwei Stunden über InstantOffices einen Arbeitsplatz. Zwischendurch schaue ich noch rasch, was mein Lieblingsprojekt, das Museum of Digital Art in Zürich, macht. Die Finanzierung läuft über Crowdfunding auf Kickstarter. Nach einem langen Tag schaffe ich es nicht, am Abend noch für die Familie zu kochen. Wir entscheiden daher gemeinsam, libanesisch bei einer libanesischen Familie zu essen, die wir über Cookeat gefunden haben. Ein Tag fast völlig ohne grosse Marken.

 

 

Neue Geschäftsmodelle sind gefragt

 

Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen sich Unternehmen Gedanken machen, welche Rolle sie künftig spielen wollen und wie sie an der Collaborative Economy partizipieren können. Swisscom ist beispielsweise mit der Swisscom Crowdfunding-Plattform gestartet, die Unternehmen ermöglicht, rasch und ohne Investitionen in Infrastruktur und Software eigene Crowdfunding-Kampagnen zu lancieren. 

 

Egal, was man anpackt, es geht darum, die Crowd dort abzuholen, wo sie ihre persönlichen Ziele setzt: sei es Effizienz, Bequemlichkeit oder Nachhaltigkeit. Das kann ganz einfach sein: Jedes Unternehmen hat brachliegende Ressourcen, die es zur Verfügung stellen kann. Büros oder Shops, die nicht zu jeder Zeit genutzt werden und oft samstags und sonntags frei sind. Wieso nicht eine andere Nutzung für diese Räume finden, sodass sie an allen Tagen ausgelastet sind? Eine effizientere Auslastung wäre auch möglich, wenn sich unsere Gemeinde mit der Nachbarsgemeinde die Strassenkehrmaschine teilen würde. Heute haben beide Gemeinden eine, die nur wenige Tage im Monat im Einsatz sind. Was könnte man hier für Kosten sparen! 

«Um den Anschluss nicht zu verlieren, müssen Unternehmen sich Gedanken machen, wie sie an der Collaborative Economy partizipieren können.»

Thomas Robinson, Leiter User Trends & Insights bei Swisscom

Eine andere Möglichkeit ist, zu schauen, in welchen Bereichen wir im privaten Umfeld mehr und mehr auf Teilen statt Besitzen setzen. Beispiele sind Netflix oder BMW Drive Now. Aus solchen Ideen können Peer-to-Peer-Marketplaces entstehen. Und oft führt das eine zum anderen. Man reserviert einen Raum und benötigt dann auch gleich noch den Parkplatz, etwas zu essen, und dann wäre es auch noch gut, wenn das Auto während des Meetings gereinigt würde. Alles Dienstleistungen, die von einer Crowd via Marketplace angeboten werden können.

 

Die Entwicklung steht erst am Anfang, und die Transformation zu einer teilenden Gesellschaft bedeutet auch kulturelle Veränderungen. Das bisherige Verhältnis zu Besitz und Status ist auf jeden Fall schon infrage gestellt. Was sich aber nicht ändert, ist der Wert des Vertrauens. Wenn Marken also noch eine Rolle spielen und ihren Vertrauensbonus nutzen wollen, müssen sie mit neuen Businessmodellen aufwarten, die den kollaborativen Gedanken aufnehmen.

 

 

Über den Autor:

 

Thomas Robinson ist Leiter User Trends & Insights bei Swisscom.

 
Hilfe aus der Nachbarschaft

Auch die Swisscom setzt auf das Konzept der Sharing Economy und des Crowd Sourcings: Wer Hilfe rund  um die Themen Telefon, Internet oder TV sucht, findet diese auf der Swisscom-Friends-Serviceplattform.

 

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