Digitale Erfindungen

Made in Switzerland

Das World Wide Web, die erste kommerzielle PC-Maus, das Android-Betriebssystem und der LCD-Bildschirm: In der Schweiz wurden viele Pionierleistungen für das digitale Zeitalter erbracht. Sieben wegweisende Beispiele.

Felix Raymann (Text), 4. August 2016

Die Schweiz scheint ein guter Nährboden für digitale Entwicklungen und grosse IT-Erfindungen zu sein. Die Grundlagen für mehrere wichtige Erfindungen stammen aus der Schweiz, und diverse Ideen aus aller Welt wurden hierzulande zu brauchbaren Produkten weiterentwickelt.

 

 

Winterthur: Android-Betriebssystem

 

Ein Teil des Android-Betriebssystems stammt aus der Schweiz. Bild: Android.com

 

 

In jedem Android-Handy steckt ein Stück Schweiz. Im Auftrag von Google war die Winterthurer Noser Engineering AG massgeblich an der Entwicklung des Smartphone-Betriebssystems Android beteiligt, das auf einem Linux-Kernel basiert. Nachdem Apple das iPhone auf den Markt gebracht hatte, wollte Google möglichst rasch eine Konkurrenz-Plattform ins Leben rufen und setzte unter anderem auch auf das Know-how der Schweizer Firma. Das Unternehmen, das zur Noser Group des heutigen FDP-Ständerats Ruedi Noser gehört, zählt zudem zu den Gründungsmitgliedern der Open Handset Alliance, einem Konsortium, das sich für offene Standards von Mobilgeräten einsetzt.

 

 

Morges: Die erste kommerzielle Computermaus

 

Die Logitech P7 (links) aus der ersten Generation neben einer Maus der neunten Generation.

 

Douglas C. Engelbart entwickelte 1963 in Kalifornien die erste Computermaus (aus Holz), später wurde die Idee am Palo Alto Research Center (PARC) der Firma Xerox weiterentwickelt. Dort arbeitete auch der Schweizer Niklaus Wirth, der die Idee in die Schweiz, genauer gesagt zu einem Startup-Unternehmen namens Logitech in der Gemeinde Apples am Genfersee, brachte, wo man 1981 mit der P4 die erste PC-Maus der Schweiz herstellte und 1985 mit der Drei-Tasten-Kugelmaus LogiMouse C7 die weltweit erste kommerziell weitverbreitete PC-Maus auf den Markt brachte. Der Schweizer Maus-Pionier Logitech baute unter anderem Mäuse für Apple, HP und Olivetti und ist heute einer der grössten Produzenten für PC-Mäuse.

 

 

Zürich: Programmiersprache Pascal

 

Niklaus Wirth entwickelte diverse Programmiersprachen, u.a. Pascal.

 

 

Niklaus Wirth brachte nicht nur die Maus in die Schweiz, er war auch ein begnadeter Entwickler von Programmiersprachen und prägte die Schweizer Informatik in ihren Frühjahren wie kaum ein anderer. So erfand und verfeinerte der ETH-Professor zum Teil mit anderen Entwicklern zusammen die Programmiersprachen Euler, Algol W. Algol 68, Modula, Modula-2 und Oberon. Mit «Lilith»baute Wirth zudem den ersten Personal Computer der Schweiz. Weltberühmt aber machte ihn die Programmiersprache Pascal, die er bereits in den Jahren 1968 und 1972 entwickelte.

 

 

Zürich: Google Maps

 

In Zürich entwickelt Google unter anderem Google Maps.  

 

 

Seit 2004 betreibt Google in Zürich eigene Büros. Anfangs waren es nur gerade zwei Mitarbeiter, die sich in einem Büro am Limmatquai einquartiert hatten. Inzwischen hat sich Zürich zu Googles grösstem Forschungs- und Entwicklungszentrum ausserhalb der USA gemausert. Hier wurden wesentliche Teile wichtiger Tools und Funktionen wie Google Kalender, Youtube oder Gmail und insbesondere auch Google Maps entwickelt und weiter ausgebaut.

 

 

Basel: LCD-Bildschirm

 

Prototyp einer Flüssigkristall-Anzeige, die in den Forschungslabors der Firma Hoffmann-La Roche von Martin Schadt und Wolfgang Helfrich erfunden und aufgebaut wurde.

Bild: Wikipedia.org/Panja-san

 

 

Der Schweizer Physiker Martin Schadt – auch als «Vater des Pixels» bezeichnet – meldete 1970 das erste Patent für Flüssigkristalle an. Er arbeitete damals bei der F. Hoffmann-La Roche in Basel und reichte das Patent zusammen mit seinem Kollegen Wolfgang Helfrich ein. Seine Erfindung machte Furore: Heute findet man LCD-Bildschirme (Liquid Crystal Displays) in praktisch allen Laptops, Fernsehern, Smartphones und Kameras. Martin Schadt erhielt für sein Lebenswerk 2013 den Europäischen Erfinderpreis.

 

 

Zürich/Niederglatt: Korrekturprogramm

 

Hannes Keller, Erfinder des PC-Korrekturprogramms.  

 

Bereits 1983 – und damit rund zehn Jahre vor Microsoft – brachte der Schweizer Hannes Keller sein erstes Tippfehlerkorrekturprogramm namens Witchpen auf den Markt. Die Software lief auf MS-DOS, wie auch die Nachfolgeversion «Witchpen mal 5» (ab 1988). Der damalige Computerhersteller Vobis rüstete drei Millionen PCs mit Kellers Korrekturprogramm aus. Später hatten andere Korrekturprogramme jedoch mehr Erfolg. Hannes Keller war nicht nur ein Software-Pionier, er entwickelte auch Tieftauchsysteme, hielt den Weltrekord im Tauchen ohne Taucherglocke und gilt als talentierter Konzertpianist.

 

 


Genf: Das World Wide Web

 

Internet-Erfinder Tim Berners-Lee am CERN in Genf. Bild: cds.cern.ch

 

 

Das Internet, wie wir es heute kennen, wurde in der Schweiz erfunden – genauer gesagt am CERN in Genf. In den 80er-Jahren arbeitete dort der Engländer Tim Berners-Lee, der sich angeblich daran störte, dass jeder Computer seine Informationen ausschliesslich lokal speicherte. In der Folge verband er 1991 mehrere Computer in einem internen Netzwerk und später viele Rechner an Forschungsstätten weltweit.

 

Auf ähnliche Weise verband zwar bereits seit den späten 60er-Jahren das Arpanet weltweit Computer miteinander, doch die Technologie von Berners-Lee, basierend auf der einheitlichen Programmiersprache Hypertext Transfer Protocol (http), machte das WWW zu einem vielfältig nutzbaren, weltumspannenden Netzwerk. 1993 machte das CERN das Netz öffentlich zugänglich.  

 

 

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