Vier Paare über ihre Fernbeziehung

So nah in weiter Ferne!

Skype, WhatsApp und Snapchat vereinfachen heute Fernbeziehungen. Wirklich? Vier Paare erzählen, wie sie getrennt zusammenleben.

Hansjörg Honegger, 21. Dezember 2015, zVg (Bild)

WIEN-ZÜRICH, 592 Kilometer

 

Brigitte, Wien (Foto oben): «Oliver und ich leben seit 2007 in einer Fernbeziehung. Meine Arbeit erlaubt es mir, in zwei Städten zu leben. Wobei mein Lebensmittelpunkt in Wien liegt. Es gibt aber immer wieder Zeiten, in denen ich auch viel in Zürich bin.  


Skype und WhatsApp sind unverzichtbar für unsere Beziehung. Wir telefonieren fast jeden Tag miteinander. Das sind aber zum Teil nur kurze Gespräche – zum Beispiel ‹Gute Nacht›. Lange Gespräche verlagern wir auf Skype, das tun wir drei bis vier Mal pro Woche. Der Vorteil von Skype liegt in der visuellen Präsenz. Das ‹Sichsehen› und die Mimik des anderen zu erfassen, machen es leichter, die getrennte Zeit zu überbrücken. Früher haben wir regelmässig gemeinsam via Skype gefrühstückt. Ein weiterer Vorteil von Skype: Wenn ich genervt bin, kann ich einfach auflegen. Das geht halt nicht, wenn wir uns persönlich treffen.


Per WhatsApp kann ich Oliver schnell ein Foto schicken und ein paar Zeilen dazu, wenn ich etwas sehe, was mich berührt, mir gefällt, mich verstört. Manchmal sage ich einfach nur kurz hallo, weil ich grad an ihn denke und ihn vermisse.  
Es kommt immer wieder vor, dass ich meine Beziehung verteidigen muss. ‹Irgendwann muss man sich doch entscheiden, es kann nicht immer so weitergehen.› Dazu sage ich nur: Blödsinn! Klar, wenn man sehr eifersüchtig ist, wenig Vertrauen in sich, den Partner und die Beziehung hat, funktioniert eine Fernbeziehung nicht. Oliver ist mein Lebensgefährte und auch einer meiner besten Freunde! Und ich habe das Privileg, in zwei schönen Städten leben zu dürfen.
»

 

Oliver, Zürich: «Wir haben zwei Wohnungen in zwei verschiedenen Städten – das ist eine tolle Sache. Ich werde so oft gefragt: ‹Wann zieht ihr endlich zusammen?› Dann denke ich mir: ‹Hä? Sie wohnt doch schon seit sechs Jahren bei mir, und ich wohne ja auch bei ihr in Wien.›
«Heute empfinde ich es als etwas sehr Schönes, den Menschen, den ich liebe, zu sehen, auch wenn er gar nicht da ist.»

Oliver, Zürich

Es kommt immer wieder vor, dass ich meine Beziehung verteidigen muss. ‹Irgendwann muss man sich doch entscheiden.› Dazu sage ich nur: Blödsinn!

Brigitte, Wien

Durch die technischen Hilfsmittel auf dem Smartphone wie WhatsApp sind wir immer verbunden. Das ist toll, ich fühle mich ihr nah und kann ihr alles mitteilen, was mich beschäftigt oder freut. Videochat mit Skype war die ersten paar Mal etwas gewöhnungsbedürftig. Heute empfinde ich es als etwas sehr Schönes, den Menschen, den ich liebe, zu sehen, auch wenn er gar nicht da ist.

 

Schwierig sind Momente, in denen Worte nicht das richtige Mittel sind, wenn eher eine Umarmung passender wäre. Da sitzt du dann schon ziemlich hilflos vor dem Bildschirm und schaust deiner Partnerin beim Weinen zu.
Manchmal ist es aber durchaus praktisch, zum Beispiel, wenn wir streiten und ich schlicht keine Lust dazu habe. Dann beende ich den Chat einfach und schalte den Flugmodus im Handy ein. Das ist zwar nicht die feine Art, aber nach acht Jahren weiss ich, dass ich das ab und zu tun darf.»

 

 

ZÜRICH-MIAMI, 7843 Kilometer

 

Wegen der Zeitverschiebung von sechs Stunden zwischen Zürich und Miami braucht die Kommunikation über Skype und Telefon einiges an Planung.

 

 

Miriam: «Frederik und ich sind seit rund vier Jahren ein Paar. Seit eineinhalb Jahren leben wir eine Fernbeziehung. Er hat einen Job in den USA gefunden, der wichtig ist für seine Karriere. Wir sehen uns etwa alle drei Monate. Unsere Kommunikation spielt sich hauptsächlich übers Telefon ab.

 

Wir telefonieren jeden Tag und skypen am Wochenende. Das braucht etwas Planung, da wir sechs Stunden Zeitverschiebung haben. Tagsüber sind wir meist via PC verbunden und schreiben uns kurze Nachrichten oder Mails. So teilen wir unseren Alltag miteinander mit all den kleinen Sorgen, Freuden, Erfolgen und Niederlagen. Ohne diesen häufigen Austausch wären wir uns nicht so nah – und schliesslich ist die Nähe wichtig fürs Überleben der Beziehung.

«Ich bin froh, haben wir das Handtuch nicht geworfen, weil er nach Miami gegangen ist.»

Miriam, Zürich

«Wir teilen Musik, das geht gut über die Entfernung und verbindet uns.»

Frederik, Miami

Ich schaffte mir extra für die Fernbeziehung ein richtiges Smartphone an, das hatte ich vorher nicht. Und ein Tablet für Skype gönnte ich mir auch. Eine Fernbeziehung ist nichts für schwache Gemüter. Aber wenn man die Person wirklich liebt, dann soll man nicht davor zurückschrecken. Ich bin froh, haben wir das Handtuch nicht geworfen, weil er nach Miami gegangen ist. Wenn wir diese Phase überstanden haben, bin ich sehr stolz auf uns.»

 

Frederik: «Wir kommunizieren sehr viel miteinander, trotz der grossen Entfernung: Skype, Messenger, Mail, SMS, aber auch Nachrichten via Soundcloud und Facebook. Letzte Woche zum Beispiel habe ich ihr 38 Mails geschrieben. Musik ist für uns beide sehr wichtig; wir teilen Musik, hören dieselben Songs und tauschen uns darüber aus. Das geht gut über die Entfernung, und es verbindet uns.»

 

 

BARCELONA-LOS ANGELES, 9654 Kilometer

 

Lars am Skypen. Er ist aber auch ein grosser Fan von WhatsApp Call.  

 

 

Lars:«Wir sind jetzt etwas mehr als ein Jahr zusammen und haben schon beides ausprobiert: Zusammen wohnen und eine Fernbeziehung. Den letzten Sommer verbrachten wir gemeinsam in Zürich, wo wir beide gearbeitet und auch zusammengewohnt haben. Da wir jetzt aus beruflichen Gründen wieder getrennt leben, versuchen wir uns mindestens einmal im Monat zu sehen, was bisher sehr gut geklappt hat.

Wir sind täglich in Kontakt, WhatsApp und Skype sind die wichtigsten technischen Hilfsmittel. Ich bin ein grosser Fan von WhatsApp Call, die Qualität hat sich massiv verbessert und da wir beide meistens guten Wifi-Empfang haben, können wir ganz normal telefonieren. Trotzdem ist es schön, sich über Skype tatsächlich zu sehen, im Schnitt ca. 3 bis 4 Mal die Woche.

«All diese Hilfsmittel sind gut, jedoch ist es für mich wichtig, einander mindestens einmal im Monat wirklich zu sehen.»

Lars, Barcelona

All diese Hilfsmittel sind gut, jedoch ist es für mich wichtig, einander mindestens einmal im Monat wirklich zu sehen. Wie jedes Paar gibt es auch bei uns manchmal Streit und das ist via Skype wirklich mühsam. Wenn dazu noch die Verbindung schlecht ist, kann es vorkommen, dass man für ein paar Sekunden seinen Laptop anschreit.»

 

 

Adrian schickt zwischendurch Fotos oder Videos via Snapchat.

 

Adrian: «Wir leben aufgrund unserer Arbeit in völlig verschiedenen Welten. Trotzdem versuchen wir so oft wie möglich zu kommunizieren, möglichst mit Skype. Snapchat haben wir kürzlich eingerichtet. Es ist eine lustige Art, mit einem Bild oder einem kleinen Video zu zeigen, was uns gerade beschäftigt. Durch die Zeitverschiebung von fast neun Stunden braucht es viel Planung, damit wir regelmässig telefonieren können. Andererseits fühle ich mich Lars sehr nah, wenn wir uns über Skype unterhalten.

«Es ist eine lustige Art, mit einem Bild oder einem kleinen Video zu zeigen, was uns gerade beschäftigt.»

Adrian, Los Angeles

Zu Beginn unserer Beziehung hatte ich noch ein altes Handy. Schlechte Verbindung, der Akku war dauernd leer, es war furchtbar. Mit dem neuen Handy verschwanden wunderbarerweise auch viele unserer Kommunikationsprobleme wie von selbst.»

Für mich wäre es unmöglich, mit jemandem eine Fernbeziehung zu haben, ohne ihn regelmässig im echten Leben sehen zu können. Im Sommer sassen wir beispielsweise in den Hügeln über Los Angeles und sahen gemeinsam dem Sonnenuntergang zu. Das war super romantisch!»

 

 

ZÜRICH–INDONESIEN, 12 004 Kilometer

 

 

Tristesse in Zürich, Traumstand in Gili Trawangan – wer hätte da anders gehandelt und nicht sein Haus auf der indonesischen Insel gebaut?

 

Julia: «Ich lernte Adi kennen, als mir auf der Insel Gili Trawangan mein Mietvelo geklaut wurde. Er arbeitete damals beim Velovermieter. Es entwickelte sich ein gemütlicher Abend und wir tauschten unsere Mail-Adressen aus. Er meldete sich sehr schnell und er ging mir nicht mehr aus dem Sinn. Am Schluss meiner mehrmonatigen Reise besuchte ich ihn nochmals für einige Tage und seither sind wir ein Paar. Das ist jetzt schon zweieinhalb Jahre her. Wir sehen uns zwei bis drei Mal im Jahr während jeweils rund drei bis sechs Wochen.

 

Die Zeit, während der wir getrennt sind, überbrücken wir mit WhatsApp. Die Internetverbindung in Indonesien ist zu schlecht für Skype, leider. Die Verbindung bricht immer wieder ab, was es fast unmöglich macht, zu kommunizieren. Wir fühlen uns aber trotzdem sehr nah. Wenn Adi am Abend ins «Sunset», die kleine Beachbar auf seiner Insel geht, fragt er mich immer, ob ich «mitkommen» möchte.

«Wir teilen uns einen Spotify-Account und können so dieselbe Musik hören.»

Julia, Zürich

Wir schreiben uns oft vor dem Schlafengehen oder nach dem Aufstehen. Und er schickt mir oft Fotos von den Kokospalmen und der Hängematte in unserem Garten oder einem schönen Sonnenuntergang. Wir teilen uns einen Spotify-Account und können so dieselbe Musik hören. Das geht ganz gut, auch wenn man in verschiedenen Zeitzonen lebt.

Adi und ich haben im vergangenen Jahr gemeinsam ein Haus gebaut auf Gili Trawangan. Jetzt werden wir das Ganze mal umgekehrt versuchen: Leben in Indonesien, Ferien in der Schweiz.»

 

Adi: «Wir sehen uns nur alle zwei oder drei Monate. Das geht nur, wenn man sich gegenseitig vertraut und sich liebt. Es ist für uns aber sehr wichtig, dass wir uns jeden Tag Nachrichten per WhatsApp schreiben können. Zu Beginn unserer Beziehung war das sehr schwierig, da ich kein geeignetes Handy hatte. Juia hat mir dann ihr altes Handy geschenkt, von da an ging es besser.

Sehr speziell für mich war der Moment, als ich Julia in der Schweiz besucht habe. Wir reisten gemeinsam nach Jakarta, wo ich das Visum beantragte. Dann flogen wir in die Schweiz. Mein erster Flug überhaupt! Wir konnten vom Flugzeug aus auch unser zukünftiges gemeinsames Heim sehen. Das war wunderbar. Seit ich sie in der Schweiz besucht habe, kann ich besser nachvollziehen, was sie mir von ihrer Arbeit und ihrer Freizeit erzählt».

«Sehr speziell für mich war der Moment, als ich Julia in der Schweiz besucht habe. Mein erster Flug überhaupt!»

Adi, Gili Trawangan, Indonesien

Seit ich sie in der Schweiz besucht habe, kann ich besser nachvollziehen, was sie mir von ihrer Arbeit und ihrer Freizeit erzählt».

 

 

«Es lebe die digitale Transformation»

TV-Frau Patrizia Laeri erzählt auf bluewin.ch über ihre Rollen als Moderatorin, zweifache Mutter und die Tücken einer Fernbeziehung.

 

 

 

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