Informatik-Olympiade 2016

Gold und Silber für die Schweiz

Zahlen sind ihre Stärke: Daniel Rutschmann und Stefanie Zbinden brillierten an der Internationalen Informatik-Olympiade in Russland. Zuvor waren beide schon bei der Mathematik-Olympiade in Hong-Kong erfolgreich.

Jörg Rothweiler (Text), Swiss Olympiad in Informatics, Verband Schweizer Wissenschafts-Olympiaden (Fotos), 23. September 2016

Achtzig Kilometer. So weit voneinander entfernt sind Daniel Rutschmann (17) aus Andelfingen und Stefanie Zbinden (18) aus Glarus aufgewachsen. Dennoch haben sie viele Gemeinsamkeiten. Beide sind jung und beide besitzen eine aussergewöhnliche Begabung für alles, was mit Zahlen zu tun hat.

 

Ab Mitte September werden sie an der ETH Zürich Mathematik studieren. Einander vorstellen müssen sie sich dort nicht mehr, denn sie vertraten die Schweiz mehrfach erfolgreich bei internationalen Wissenschafts-Olympiaden, bescherten der Schweiz 2016 im Fach Mathematik das zweitbeste und im Fach Informatik sogar das beste Resultat aller Zeiten.

 

 

1/5 In der grossen Halle werden die Wettkämpfe der Informatik-Olympiade durchgeführt.

2/5 Silbermedaillengewinnerin Stefanie Zbinden.

3/5 Volle Konzentration: Goldmedaillengewinner Daniel Rutschmann.

4/5 Die Mitglieder der Schweizer Delegation genossen es abseits der Wettkämpfe auch, Moskau kennenzulernen.

5/5 Das Schweizer Team nach der Verleihung der Medaillen.

1/5 In der grossen Halle werden die Wettkämpfe der Informatik-Olympiade durchgeführt.

 

 

Diesen Erfolgen vorangegangen ist viel Training – trotz der Begabung, welche beide schon im frühen Kindesalter zeigten. «Ich war einst total begeistert von meinem Wecker, konnte dessen Zahlen stundenlang anschauen», sagt Stefanie Zbinden. Und Daniel Rutschmanns Mutter berichtet, ihr Sohn sei schon früh stark unterfordert gewesen, habe sowohl im Kindergarten als auch in der 1. Klasse ein halbes Jahr übersprungen.

 

 

Mit 14 an ersten Wettbewerben

 

2013 wurden Stefanie und Daniel unabhängig voneinander auf die Wissenschafts-Olympiaden aufmerksam. «Mein Lehrer am Gymnasium zeigte mir den Aushang zur Mathe-Olympiade. Ich meldete mich an, bestand die Vorrunde und durfte mit den 25 Besten der Schweiz ins Trainings-Camp», erinnert sich Daniel Rutschmann. 2014 holte er in Südafrika Bronze. 2015 wiederholte er diesen Erfolg in Thailand und toppte ihn 2016 mit Silber in Hong-Kong.

 

«Ich war von den Mathe-Aufgaben begeistert und begann, Lösungen zu erarbeiten.»

Stefanie Zbinden, Silbermedaillen-Gewinnerin, Informatik-Olympiade 2016

Stefanie Zbinden war 14, als sie von einer Freundin erfuhr, dass deren Bruder für die Mathe-Olympiade angefragt worden sei. «Er zeigte mir die Aufgaben. Ich war begeistert, begann, die Lösungen zu erarbeiten», erinnert sie sich. Es war der Tag, an dem sie das Olympia-Fieber packte. 2014 sicherte sie sich in Südafrika Silber, dieses Jahr Bronze.

 

 

Die Teilnehmer der Wissenschafts-Olympiaden konnten in den letzten Jahren verschiedene Länder und Städte besuchen, in denen Wettkämpfe und Trainings-Camps durchgeführ wurden. Unter anderem Moskau, in dessen Nähe der Austragungsort Kasan liegt.  

 

 

Mathematik und Informatik – das gehört zusammen

 

Neben Mathematik sind die jungen Überflieger auch punkto Informatik top. Stefanie holte im Juli bei der Internationalen Informatik-Olympiade (IOI) Silber – als beste Frau. Und Daniel eroberte Gold – nach Bronze 2015 in Almaty, Kasachstan.

 

«Eine schöne mathematische Lösung, die ohne Computerhilfe erarbeitet wurde, ist das Grösste.»

Daniel Rutschmann, Goldmedaillen-Gewinner an der Informatik-Olympiade 2016

 

Informatik und Mathematik gehören für die Ausnahmetalente ohnehin zusammen. «Die Informatik hilft mir, komplexe Probleme effizienter zu lösen. Etwa, weil ich ein Programm entwickeln kann, das alle denkbaren Wege durchkalkuliert und mir so die Lösung zeigt», sagt Daniel. Wobei er eine «schöne mathematische Lösung, die ohne Computerhilfe erarbeitet wurde», als das Grösste bezeichnet. Und Stefanie Zbinden sagt, es mache ihr einfach Spass, Rätsel zu lösen, nachzudenken, bis eine Lösung auf dem Tisch liegt. Die anschliessende Implementierung sei zwar weniger spannend. «Sie dient jedoch als Bestätigung, dass die Lösung korrekt ist», so Stefanie.

 

 

Rätsel lösen und fremde Länder kennenlernen

 

Neben dem Wettbewerb und dem Austausch mit Gleichgesinnten sind die Reisen in jene Länder, in denen die Wissenschafts-Olympiaden stattfinden, ein grosser Reiz. «Fremde Kulturen und Länder sind etwas Begeisterndes», erklären Stefanie und Daniel unisono. Und in der Tat konnten sie in den vergangenen Jahren viel entdecken. Die Türkei, Südafrika, Thailand, Frankreich, Kasachstan, Slowenien und Hongkong waren nur einige der Destinationen, an die sie die Trainings-Camps und Wettbewerbe sie führten.  

 

 

Die Schweizer Delegation an der internationalen Informatik-Olympiade 2015 in Almaty, Kasachstan.  

 

 

Zuletzt, zur IOI im Juli 2016, reisten sie 14 Tage nach Kasan, Russland. Gemeinsam mit zwei weiteren Teammitgliedern und den Teamleitern erkundeten sie auch Moskau. «Mich beeindruckten die Sehenswürdigkeiten, die perfekte Organisation der IOI und die Kombination traditioneller Folklore und Informatik-betonter Elemente bei der Eröffnungs- und Schlussfeier.» Stefanie Zbinden fand ebenfalls Gefallen an Russland. Einzig die allgegenwärtige Überwachung, vom Metalldetektor am Kaufhauseingang bis zum Kontrolleur am Ende jeder U-Bahn-Rolltreppe, störte sie.

 

 

Studieren – und die Erfahrungen weitergeben

 

Nun, da beide studieren, können sie nicht mehr selbst an den Olympiaden teilnehmen. Doch beide wollen künftig als Leiter nachrückende Talente unterstützen. Zudem wird Stefanie im Rahmen des Studiums auch «auf Achse» sein. Sie wird Juraj Hromkovic, Informatik-Professor der ETH Zürich, für ein Informatik-Projekt an Schulen nach Mexiko begleiten. Denn Stefanie ist nicht nur gut mit Zahlen, sie hatte an der Kantonsschule auch Spanisch als Schwerpunktfach.

 

 

Ein Leben ohne Smartphone ist möglich!

 

Bis zur Abreise will sie sich noch ein Mobiltelefon besorgen: «Mein altes Tastaturhandy habe ich im Juli in Hong-Kong verloren», sagt sie. Seither geht es auch ohne Handy. «Bei den Wissenschafts-Olympiaden traf ich viele junge Leute aus aller Welt, die wunderbar ohne Handy leben», sagt sie. Wichtig sei nur, dass man Kollegen kenne, die eines haben. Für den Notfall.

 

Auch Daniel Rutschmann, der später im Beruf gerne Algorithmen entwickeln würde, etwa für Google oder Facebook, besitzt kein Smartphone – stattdessen hat ein Tastatur-Handy und einen älteren iPod. Für das, was er damit nicht erledigen kann, nutzt er ein Laptop. «Ich mag keine Touchscreens. Ein grosser Bildschirm und eine richtige Tastatur sind mir lieber», sagt der 17-Jährige, der auch sonst eher auf Traditionelles steht. So spielt er in seiner Freizeit Kirchenorgel. Und er mag Computerspiele am liebsten mit 2-D-Grafik. Zudem, so gesteht er freimütig ein, sei er keineswegs der absolute Überflieger. «In Französisch bin ich nicht so gut und auch die Orthografie ist nicht meine Stärke.» Mit diesen Worten führt er den besten Beweis, dass selbst herausragende Talente wie er und Stefanie Zbinden letztlich auch nur ganz normale junge Menschen sind.

 

 

Die Wissenschafts-Olympiaden

 

Die erste internationale Wissenschafts-Olympiade fand 1959 im Bereich Mathematik statt. Es folgten die Fächer Physik (1967), Chemie (1968), Informatik (1989), Biologie (1990), Philosophie (1993), Astronomie und Geographie (1996) sowie Linguistik (2003). Ziel der Olympiaden ist die Herausforderung besonders begabter Mittelschüler und die Förderung interkultureller Beziehungen.

 

Als Dachorganisation fungiert der Verband Schweizer Wissenschafts-Olympiaden (VSWO). Dieser kooperiert eng mit dem Staatssekretariat für Bildung, Forschung und Innovation (SBFI) und ist an der Universität Bern domiziliert.

 

 

 

 

Die Schweizer Erfolge 2016


Bei der 47. Internationalen Physik-Olympiade (IPhO), die 2016 in Zürich stattfand, gewann Markus Köhler aus Balgach (SG) eine Bronzemedaille. Bei der 57. Internationalen Mathematik-Olympiade (IMO) in Hong-Kong erzielte das Schweizer Team mit einmal Silber (Daniel Rutschmann, Andelfingen) und vier Bronzemedaillen (Fabian Jin, Heerbrugg, SG; David Rusch, Spreitenbach; Henning Zhang, Villigen, und Stefanie Zbinden, Glarus) das zweitbeste Ergebnis aller bisherigen Teilnahmen.

 

Bei der Internationalen Biologie-Olympiade in Hanoi gewann die Schweizer Delegation eine Silber- (Poorvi Gupta, Kirchdorf) und drei Bronzemedaillen (Eva Angehrn, Mittelhäusern; Tabea Künzler, Neuenhof und Pascal Lorenz, Dürnten). Und bei der Internationalen Chemie-Olympiade in Tiflis (Georgien) eroberte Dominic Egger aus Arch BE Bronze. Den krönenden Abschluss lieferten Daniel Rutschmann (Gold) und Stefanie Zbinden (Silber) bei der Internationalen Informatik-Olympiade in Kasan (Russland).

 

 

Blog zur Olympiade

Weitere Informationen und Fotos der Schweizer Teilnehmer an der Informatik-Olympiade in Kasan, Russland, finden Sie in ihrem Reiseblog.

 

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