Swisscom-Katamaran D35

Hightech-Leichtgewichte hart am Wind

Vaudaire, Joran, Rebat, Séchard und Dézaley: Der Genfersee wird von vielen Winden aufgewühlt, welche die Skipper auf ihren Katamaranen der D35-Trophy nutzen. Ein Augenschein bei Décision, dem Hersteller der D35-Mehrrumpfboote.

Laurent Seematter (Text), Markus Lamprecht (Fotos), 4. Oktober 2016

Wir befinden uns weder direkt am See noch in der Nähe des Meeres, sondern im Industriegebiet von Ecublens. Dennoch baut die Décision SA hier Boote, die es zu Weltruhm gebracht haben. Doch nicht nur Boote: Die Konstruktionen aus Verbundwerkstoffen, die hier zur Anwendung kommen, finden auch in einer Vielzahl von anderen Bereichen Anwendung.

 

 

Eine Bootsbauerin bereitet ein Verstärkungselement für den Rumpf eines Katamarans vor.

 

«Natürlich verwenden wir zum Entwerfen der verschiedenen Teile, die in unserer Werkstatt geschaffen werden, digitale Werkzeuge.»

Bertrand Cardis, Navigator und Geschäftsführer der Décision SA

 

Federgewicht mit der Widerstandsfähigkeit von Stahl

 

Verbundwerkstoffe sind für Bauanwendungen, was das Internet für die Telekommunikationsbranche ist: Sie vervielfältigen die Nutzungsmöglichkeiten. Da sie ultraleicht und extrem widerstandsfähig sind, eignen sie sich besonders für den Bau von Rennbooten. Man nutzt sie jedoch auch in der Luftfahrt, der Architektur sowie in zahlreichen anderen Bereichen, in denen Gewicht und Widerstandsfähigkeit eines Bauteils optimal ausgeglichen sein müssen. Aus diesem Grund haben die Ingenieure des Projekts Solar Impulse die Konstruktion des Cockpits, des Rumpfes und der Flügel ihres Solarflugzeugs den Experten von Décision anvertraut.

 

 

Muster einer wabenförmigen Platte, die mit einer Schicht aus Harz und Kohlenstofffasern überzogen wird.  

 

 

«In der Verbundwerkstoffindustrie spricht man von Sandwichpaneelen: Das heisst, wir fertigen unsere Konstruktionen aus Wabenplatten, die wegen ihrer Ähnlichkeit mit den Wabenzellen in einem Bienenstock so genannt werden und die wir anschliessend beidseitig mit einer Schicht aus Harz und Kohlenstofffasern überziehen», erklärt Bertrand Cardis, Geschäftsführer der Décision SA. Damit die verschiedenen Bestandteile des Sandwiches perfekt aufeinander haften, werden sie unter Vakuum gepresst, bevor sie auf 100° C erhitzt werden. Eine Sonde im Ofen ermöglicht es, den Backvorgang über eine WLAN-Verbindung aus der Ferne zu kontrollieren und zu steuern. Alle diese Techniken wurden in enger Zusammenarbeit mit dem Laboratorium für Komposittechnologien der ETH Lausanne (EPFL) perfektioniert.

 

 

1/9 In den Werkhallen der Décision SA in Ecublens in der Nähe von Lausanne werden zwei Katamaranrümpfe hergestellt. (Foto: Markus Lamprecht)

2/9 Verschiedene Werkzeuge und Fertigungsmaterialien zur Herstellung von Konstruktionen aus Verbundwerkstoffen. (Foto: Markus Lamprecht)

3/9 Muster eines harzimprägnierten Kohlenstoffgewebes. (Foto: Markus Lamprecht)

4/9 Das Einrumpfboot «UBS Switzerland» hat die Werkstätten der Décision SA im Jahr 1985 verlassen. Es belegte beim Whitbread-Rennen 1985-86 den ersten Platz und war eines der ersten Segelboote dieser Grösse, das aus Verbundwerkstoffen gebaut wurde. (Foto: Décision SA)

5/9 Die Décision SA baute die Boote, mit denen das Team Alinghi 2003 und 2007 den America’s Cup gewann. (Foto: Décision SA)

6/9 Die Katamaranserie D35 der Décision SA führte zur Entstehung der gleichnamigen Trophy, die jedes Jahr auf dem Genfersee stattfindet. Hier die D35 von Swisscom. (Foto: Swisscom)

7/9 Die Experten der Décision SA beim Bau eines superleichten Flügels für das solarbetriebene Flugzeug Solar Impulse. (Foto: Décision SA)

8/9 Um die Antennen des Swisscom-Senders Säntis zu schützen, entwickelte die Décision SA 1997 Fassadenelemente aus Verbundwerkstoffen. (Foto: Décision SA)

9/9 Bertrand Cardis, Geschäftsführer und Mitbegründer der Décision SA, am 19. Juli 2016 in seinem Büro in Ecublens. (Foto: Markus Lamprecht)

1/9 In den Werkhallen der Décision SA in Ecublens in der Nähe von Lausanne werden zwei Katamaranrümpfe hergestellt. (Foto: Markus Lamprecht)

 

 

High-Tech und handwerkliches Know-how

 

«Natürlich verwenden wir zum Entwerfen der verschiedenen Teile, die in unserer Werkstatt geschaffen werden, digitale Werkzeuge», verrät Bertrand Cardis. Bootsbauer und Ingenieure erstellen mithilfe von CAD-Software (Computer-Aided Design) 3D-Modelle der Bauteile sowie die für die Fertigung benötigten Gussformen. Auf Grundlage dieser computergestützten Modelle können sie zudem die Konstruktion der Bauteile optimieren, damit diese so widerstandsfähig wie möglich sind.

 

 

Die Informationstechnologie ermöglicht es, Konstruktionen mithilfe von 3D-Modellen zu optimieren. Bild: Décision SA

 


Während die von der Décision SA verwendeten Werkstoffe Hightech-Materialien sind, erfordert der Zusammenbau der unterschiedlichen Bootsbauteile grosses handwerkliches Know-how. «Unsere Spezialität ist der Bau von Prototypen. Der Katamaran, der derzeit in der Werft liegt, wird für das französische Groupama-Team am America’s Cup 2017 teilnehmen», fährt Bertrand Cardis fort. Mithilfe einer Ultraschallsonde prüft ein junger Facharbeiter die Qualität der fertigen Bauteile. Der Katamaran muss sich beim Wettkampf als solide und verlässlich erweisen.

 

 

Bootsbauer konzipieren den Rumpf eines Katamarans.

 

 

Siegerboote

 

«Schon als Kind haben mich das Segeln und Segelboote begeistert», erklärt Bertrand Cardis. Vor der Mitbegründung der Décision SA im Jahr 1984 nimmt der junge Absolvent der EPFL 1981 zusammen mit Pierre Fehlmann auf dem Einrumpfboot Disque d’Or 3 am Whitbread Round the World Race teil. Aus dieser Begegnung entsteht ein Projekt für ein neuartiges Segelboot: «Wir haben eines der ersten Einrumpfboote dieser Grösse aus Verbundwerkstoffen gebaut. Bis dahin waren die Rümpfe von Rennbooten hauptsächlich aus Aluminium», erläutert Bertrand Cardis. Die Maxi-Yacht «UBS Switzerland» belegte beim Whitbread-Rennen 1985-1986 den ersten Rang.

 

 

Bertrand Cardis ist schon seit seiner Kindheit fasziniert vom Segeln und Segelbooten.

 

 

In jüngerer Vergangenheit erinnert man sich noch an die Siege des Alinghi-Teams beim America’s Cup 2003 in Auckland und 2007 in Valencia. Die Boote des Siegerteams wurden vom holländischen Yacht-Konstrukteur Rolf Vrolijk entworfen, in enger Zusammenarbeit mit der EPFL geplant und von der Décision AG gebaut.

 

 

Wiederaufnahme der Rennen auf dem Genfersee


Ein schwerer Sturm zerstörte 2003 beim «Bol d’Or»-Rennen den Grossteil der aus 40 Fuss grossen Mehrrumpfbooten bestehenden Flotte. «Wir beschlossen, ein neues Katamaranmodell zu entwickeln: die Décision 35, von der wir 12 Stück angefertigt und gleichzeitig die gleichnamige Trophy lanciert haben», fährt Bertrand Cardis fort. Mit 35 Fuss Länge (10.81 m) und einem Segel mit 160 m² Fläche können die D35 Spitzengeschwindigkeiten von 25 Knoten (45 km/h) erreichen. Da bekommt man Lust, Segel zu setzen und die Welt zum umrunden ... oder den See!

 

 

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Swisscom nimmt mit einem eigenen Katamaran an der D35 Trophy teil. (Video: Swisscom)

 

 


D35 Trophy auf dem Genfersee

 

Am 1. Oktober erhielt das Siegerteam der Jahresgesamtwertung – Ladycat – seine Trophäe nach Abschluss der letzten Regatta der D35 Trophy 2016, die im Hafen von Genf stattfand. Das Swisscom-Team landet auf dem vierten Platz. Die D35 Trophy ist ein Wettbewerb auf dem Genfersee, an dem nur Boote der Klasse D35 teilnehmen dürfen. Die Rennen fanden an acht Wochenenden zwischen Genf und Lausanne statt.

 

Vergangene Regatten 2016

 

6. bis 8. Mai: Grand Prix BMW Emil Frey
20. bis 22. Mai: Open de Versoix
4. Juni: Genf–Rolle–Genf
3. und 5. Juni: Grand Prix Realstone
11. Juni: Bol d’Or Mirabaud
9. bis 11. September: Grand Prix Alinghi de Crans
16. und 18. September: Open des Yacht Clubs
30. September und 1. Oktober: Abschluss-Grandprix

 

 

 
Katamaran D35 von Swisscom

Weitere Informationen finden Sie auf der D35-Seite von Swisscom (Französisch) und auf der Facebook-Seite.

 

Décision SA

Als Hersteller der D35 ist die Décision SA Spezialistin für Konstruktionen aus Verbundwerkstoffen.

 


 




 

 

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