Speicherung sensibler Daten

Die Schweiz – ein digitaler Tresor

Im Zeitalter der digitalen Revolution greift der Kult um Sicherheit und Diskretion, dem die Schweiz sich verschrieben hat, auf einen neuen Bereich über: die Hochsicherheitsspeicherung elektronischer Daten. Bitte folgen Sie uns.

Claire Martin (Text), Dominik Galliker (Fotos), 12. Januar 2017

Es ist, vorsichtig ausgedrückt, nicht sehr einfach, hier hineinzukommen. Das Rechenzentrum der Swisscom in Wankdorf, einem Berner Vorort, erfüllt selbst die allerhöchsten Sicherheitsanforderungen. Nach einer ersten Schleuse, die man passieren muss, um überhaupt ins Gebäude zu kommen, muss sich der Besucher von seinem Mobiltelefon trennen. Im Austausch für einen Ausweis erhält er einen Besucherbadge und muss dann, wie am Flughafen, durch einen Metalldetektor gehen.

 

 

Bevor man ins Rechenzentrum eintreten darf, muss man wie im Flughafen durch eine Kontrollanlage.

 

 

Die digitale Festung der Swisscom in Bern-Wankdorf

 

«Die Mitarbeitenden müssen sich darüber hinaus anhand von biometrischen Daten identifizieren, damit sich niemand mit einem gestohlenen Mitarbeiterausweis Zutritt verschaffen kann. Alle Anlagen werden mithilfe von Infrarot-Wärmedetektoren überwacht», führt Rudolf Anker, Head of Data Center Services bei Swisscom, aus. Der Ingenieur aus Bern hat den Bau des 60 Millionen Franken teuren Centers, das 2014 eröffnet wurde, erfolgreich zu Ende geführt.

 

Alle Anlagen werden mithilfe von Infrarot-Wärmedetektoren überwacht.

Nach zwei weiteren Sicherheitseinrichtungen muss Rudolf Anker sich durch einen Abdruck seines Zeigefingers identifizieren, um die Serverräume im Inneren zu erreichen. Inmitten des Getöses der Klimaanlagen blinken unermüdlich die Kontrolllampen der Rechner. Rechenzentren sind immer Stromfresser, da die Rechner auf einer konstanten Temperatur gehalten werden müssen.

 

 

 

1/6 Rudolf Anker, Leiter Data Center bei Swisscom, ist für das Rechenzentrum Bern-Wankdorf zuständig, welches 60 Millionen Franken kostete.

2/6 Das Zentrum in Wankdorf zeichnet sich durch eine Rekordenergieeffizienz von 84 % aus.

3/6 Von Swisscom TV bis hin zu E-Banking-Dienstleistungen, das Rechenzentrum Wankdorf bietet Speicherplatz auf über 5000 Servern.

4/6 Für die Notstromversorgung steht ein Stromaggregat bereit.

5/6 Das biometrische Identifikationssystem garantiert die Höchstsicherheit.

6/6 Markus Wilhelm von Swisscom ist für die Sicherheit der gesamten Anlage zuständig.

1/6 Rudolf Anker, Leiter Data Center bei Swisscom, ist für das Rechenzentrum Bern-Wankdorf zuständig, welches 60 Millionen Franken kostete.

 

 

 

Energieeffizienzrekord

 

Das Zentrum in Wankdorf zeichnet sich durch eine Rekordenergieeffizienz von 84 % aus. Die Rechner werden durch rotierende Luft und im Sommer zusätzlich durch ein System zur Verdunstung von Regenwasser gekühlt – so erreichen sie diese hohe Energieeffizienz. Kilometerlange Kabel laufen die Decken entlang über brandneues Equipment hinweg.


Das Zentrum, zu dessen Kunden zahlreiche grosse schweizerische Gesellschaften gehören, erhielt vom
Uptime Institut die Zertifizierung Tier IV: «Diese Klassifizierung bestätigt, dass der Betrieb der Server durch nichts unterbrochen werden kann. Die Stromversorgung der Geräte erfolgt insbesondere aus zwei unabhängigen Quellen, wodurch sie gegen einen Netzwerkausfall abgesichert sind», erklärt Rudolf Anker. Das Uptime Institut wurde 1993 gegründet, um die Effizienz von Rechenzentren zu maximieren.

 

Die Schweiz lehnt derzeit Kontrollen gespeicherter Daten ab, obwohl diese in den Vereinigten Staaten oder in Frankreich erlaubt sind.

 

Da kommt niemand durch: Kameras und Sicherheitszaun schützen das Rechenzentrum.

 


Der Schweizer Hang zur Diskretion


Die Diskretion der Schweiz in Verbindung mit ihrer High-Tech-Kompetenz macht aus dem Land einen der weltweit führenden Anbieter von Datenhosting-Dienstleistungen. Durch die Snowden-Affäre wurde zahlreichen internationalen Akteuren die Vorteile einer wirklich sicheren Datenspeicherung vor Augen geführt. Die Schweiz lehnt derzeit administrative Kontrollen gespeicherter Daten ab, obwohl diese in den Vereinigten Staaten aufgrund des Patriot Acts oder in Frankreich aufgrund des neuen Nachrichtendienstgesetzes erlaubt sind.

Durch die Snowden-Affäre wurde zahlreichen internationalen Akteuren die Vorteile einer wirklich sicheren Datenspeicherung vor Augen geführt.

 


Daten weltweit

 

Ende 2016 zählte die Plattform datacentermap.com in der Schweiz 70 Rechenzentren. Laut einem Bericht von TeleGeography werden mehr als 25 % der digitalen Daten Europas in der Schweiz gespeichert. Das Land steht gemäss dem Referenzbericht Data Centre Risk Index (Cushman & Wakefield) nach Island und Norwegen an dritter Stelle.

 


 

 

In Europa verfügen nur etwa fünfzehn Datenzentren über den Status Tier IV. In der Schweiz hat neben Swisscom die westschweizerische Gesellschaft BrainServe in Crissier (VD) eine solche Zertifizierung erreicht.

 

 

Von Privatbanken bis hin zu KMU


BrainServe musste 40 Millionen Franken in die Hand nehmen, um in diesem Bereich tätig werden zu können. «Das Kapital wurde durch die Gründer bereitgestellt, zwei Ingenieure der EPFL, denen zwei Schweizer Financiers zur Seite standen», berichtet Claude Gentile, Geschäftsführer von BrainServe. Zu den Kunden zählen Genfer Privatbanken, IT-Dienstleister und KMU, die ihre Daten ausserhalb der eigenen Räumlichkeiten speichern möchten. «Gemäss des Leitfadens bewährter Sicherheitspraktiken müssen Daten mindestens 50 Kilometer von ihrem Entstehungsort entfernt gespeichert werden, damit sie bei einer Katastrophe nicht mit vernichtet werden.»  

 

 

Moderne Rechenzentren spielen in der digitalen Gesellschaft eine zentrale Rolle.

 

 

Schweizer Exzellenz bei der Datenspeicherung


Um diese Schweizer Kompetenz in der Datensicherung besser bekannt zu machen, haben mehrere Akteure der Branche beschlossen, sich zur Vereinigung Vigiswiss zusammenzuschliessen. Zu den Mitgliedern zählen die Gesellschaften Safehost in Genf sowie data11 und Solnet in Solothurn.

Der Schutz von Informationen deckt einen echten Bedarf. Man denke an Produktionsgeheimnisse der Industrie, Gesundheitsdaten oder auch die Digitalisierung einiger Kunstwerke.

René Fell, Präsident von Vigiswiss, betont: «Der Schutz von Informationen deckt einen echten Bedarf. Man denke an Produktionsgeheimnisse der Industrie, Gesundheitsdaten oder auch die Digitalisierung einiger Kunstwerke. Es ist wichtig, dass der Eigentümer solcher Daten den Schutz seines Eigentums sicherstellen kann. Die Schweiz verfügt über das Know-how, die Kultur und einmalige Rahmenbedingungen, um eine Garantie für den Fortbestand der digitalen Daten zu bieten.»  

 

 

Eingang eines der beiden Datenzentren Swiss Fort Knox, welche in ehemaligen Bunkern der Schweizer Armee einquartiert sind.

 

 


Die digitalen Bunker der Alpen

 

Nichts hält einer nuklearen Katastrophe oder einem bakteriologischen Angriff besser stand als ein Bunker. Aus diesem Grund hat die Gesellschaft Deltalis einen ehemaligen Schutzraum des Generalstabs der Schweizer Armee in einen riesigen digitalen Tresor verwandelt. In Attinghausen (UR) werden auf videoüberwachten 150’000 Quadratmetern Daten und Back-ups für die Kunden sorgfältig aufbewahrt. Das Zuger Unternehmen MOUNT10 AG hat sich bei der Eröffnung von Swiss Fort Knox I und II in den Alpen des gleichen Prinzips bedient. Die Zentren befinden sich an einem geheimen Ort in einem Stollen, der tief in den Berg gegraben wurde.

 

 


 
Das Rechenzentrum der Swisscom

Das Rechenzentrum in Bern-Wankdorf bietet nicht nur eine extrem hohe Sicherheit, sondern weist auch eine hohe Energieeffizienz auf.

 

 

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